Pinneberg
Kommentar

Dschungelcamp ja, Politik nein

Das Dschungelcamp wird geliebt, Politik ausgeblendet. In den RTL-Nachrichten geht es um Hollandes Geliebte, bei den Öffentlich-Rechtlichen um Hollandes Politik.

Aber Tagesschau und Heute gucken die Alten, bei der Jugend sind die traditionellen Nachrichtensendungen verpönt.

Zugegeben, das Urteil ist etwas pauschal und vielleicht auch übertrieben. Aber unter dem Strich liegt die Wahrheit nicht weit entfernt. Wer sich den ganzen Tag mit Nachrichten aus der Glitzerwelt einlullen lässt und im Internet in sozialen Netzwerken unterwegs ist, statt auch mal einen Blick in die Nachrichtenportale zu werfen, der wird mit Politik wenig am Hut haben.

Das ist kein Rundumschlag gegen alles, was der Zerstreuung dient und gegen moderne Medien schon gar nicht. Aber hier wird ein Problem unserer Zeit deutlich: Immer weniger junge Menschen interessieren sich für Politik, weil ihnen niemand deutlich macht, wie sehr sie ihren Alltag bestimmt. Politik wird schlichtweg als öde angesehen. Der Trend unserer Zeit verdeutlicht das Versagen der Gesellschaft.

Vergreisende Parlamente können keine Abhilfe schaffen. Die Altparteien – also CDU, SPD, FDP – können die Jugend nur noch selten begeistern. Linke, Piraten und Grüne hingegen ziehen mit ihren Programmen und unkonventionellen Methoden schon eher junge Leute an. Vielleicht sollten noch intensiver moderne Netzwerke genutzt werden, um die Jugend abzuholen und in die Entscheidungsmechanismen einzubinden.