Pinneberg
Theaterkritik

Premiere für gnadenlose Abrechnung am kalten Buffet

Das Wedeler Batavia-Ensemble zelebriert die Komödie „Der Vorname“ hinreißend pointiert. Es handelt sich um eine der stärksten Inszenierungen, die die Mini-Bühne im niedrigen Unterdeck des ehemaligen Kanonenboots in den vergangenen Jahren geboten hat.

Wedel. Anfangs genießen die fünf etablierten Pariser Großbürger, verwandtschaftlich und freundschaftlich aufs Engste verbunden, ihr Dasein in der ihrer Ansicht nach besten aller Welten. Sie haben Geld, Prestige, Einfluss. Sie geben den gesellschaftlichen Ton an und platzen beinahe vor eitler Selbstzufriedenheit.

Nur ein desaströses Abendessen später stehen sie buchstäblich vor den Trümmern dieses Universums, ihrer Freundschaft und ihrer Überzeugungen. Dazwischen verfliegen knapp zwei Bühnenstunden in einem brillant gespielten, enorm komischen Wirbel voller scharfzüngiger Wortscharmützel, pointierter Blickduelle und turbulenter Überraschungen. Und das ganze Gewitter entzündet sich an der Wahl eines provokanten Namens für ein ungeborenes Kind.

Keine Frage, die französische Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ ist eine Steilvorlage für das Ensemble der Batavia. Und die spielfreudigen Experten für hintersinnige Zwischentöne und abgründige Doppelbödigkeiten nutzten diese Großchance, zogen bei der absolut zu Recht gefeierten Premiere auf dem ausverkauften Wedeler Theaterschiff alle Register ihres Könnens. Unter der Regie von Angelika Strub verwandelten die Routiniers den Kultstoff der Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière in eine Sternstunde der Bühnenkunst. Die „Batavisten“ stehen ja ohnehin für solide Theaterqualität. Aber der „Vorname“, erfolgreich, wenn auch nicht unbedingt clever verfilmt und ein Kassenknüller für Europas Renommierbühnen, zählt zu den stärksten Inszenierungen, die die Mini-Bühne im niedrigen Unterdeck des ehemaligen Kanonenboots in den vergangenen Jahren geboten hat.

Lorenz Schmidt, Thomas Lagerpusch, Stefani Beckmann, Evi Albrecht und Tim Feindt verleihen ihren Figuren scharf gegeneinander abgegrenzte, ausgesprochen glaubwürdige Lebendigkeit. Vor allem die geschliffenen Wortwechsel der beiden Jugendfreunde Pierre (Schmidt) und Vincent (Lagerpusch) pfefferten und beschleunigten die Katastrophe, die sich über dem gediegenen Buffet zusammenbraute. Und Feindts traditionelle Neigung zu einem eher verhaltenen Spiel ist in seiner Rolle als als gutmütiger Claude einfach Gold wert.

Die nächsten Aufführungen des „Vornamen“ stehen am Freitag, 24., und Sonnabend, 25. Januar, auf dem Theaterschiff am Wedeler Brooksdamm an. Gespielt wird außerdem am 7. und 8. Februar, am 22. und 29. März sowie am 5. April. Der Vorhang teilt sich jeweils um 20.30 Uhr. Karten zu 15 Euro pro Person gibt es unter Telefon 04103/85836.