Pinneberg
Debatte

Elmshorn braucht keine Elbphilharmonie

Ex-Bürgermeister Dietmar Lutz warnt vor Kostenexplosion bei Neubau des Elmshorner Rathauses und plädiert für eine Sanierung

Ich plädiere für die Sanierung des vorhandenen Elmshorner Rathauses und möchte mit Blick auf Elbphilharmonie, Stuttgart 21, die Leipziger City-S-Bahn oder den Flughafen Berlin-Brandenburg vor finanzpolitischen Abenteuern und Kostenexplosionen in Elmshorn warnen.

Die von der Stadt veranschlagten Kosten von 13,6 Millionen Euro für den Neubau eines Elmshorner Rathauses halte ich für gänzlich unrealistisch.

Meine Kostenbetrachtung hierzu ist im Grunde simpel. Ich bin überzeugt, dass ich selbst als Bürgermeister schon 1989 rund 25 bis 30 Millionen DM für einen Rathaus-Neubau hätte investieren müssen. Man ist gut beraten, wenn man bei einem vorgesehenen Baubeginn 2016 oder 2017 insoweit Deutsche Mark gleich Euro setzt.

Meine Kostenschätzung belege ich mit den realen Rathaus-Baukosten des 1989 eingeweihten Rathauses von Husum (13,9 Millionen DM) und den Größen-Unterschieden der Verwaltungen von Husum und Elmshorn, also dem Mehrbedarf an Nutz- und Verkehrsflächen eines Elmshorner Rathauses. Elmshorn hat 49.000 Einwohner, Husum nur 22.000 Einwohner. Die Stadtverwaltung von Elmshorn zählt deshalb natürlich auch deutlich mehr Personal als die Husums.

Wenn Husums Rathaus 1989 bereits 13,9 Millionen DM gekostet hat, kann kein Kommunalpolitiker der Elmshorner Bevölkerung glaubhaft machen, dass die Stadt Elmshorn 2016 oder 2017 ein neues Rathaus im Bereich des Buttermarktes für 13,6 Millionen Euro bauen kann.

Haben die Kommunalpolitiker bei ihrer Entscheidung wirklich hinreichend bedacht, dass die Renovierung des vorhandenen Gebäudes viel geringere finanzielle und bautechnische Risiken birgt als ein Neubau am Buttermarkt?

Das von den Architekten Mensinga und Rogalla unter Bürgermeister Semprich 1964 bis 1967 erbaute heutige Rathaus hat aus meiner Sicht außerdem den Vorzug, dass es am historisch bedeutendsten Platz Elmshorns liegt, dem Probstenfeld. Gerade hat sich zum 150. Mal der Tag gejährt, an dem die einzige schleswig-holsteinische Landesversammlung auf unserem Probstenfeld zusammentrat; das besiegelte damals das Ende der dänischen Herrschaft. Elmshorn schrieb am 27. Dezember 1863 europäische Geschichte, als sich auf dem Probstenfeld 20.000 begeisterte Schleswig-Holsteiner versammelten.

Ungeklärt ist auch die Frage, was aus dem denkmalgeschützten jetzigen Bau, der technisch mit der Weißen Villa verbunden ist, werden soll. Da 25 Jahre lang versäumt worden ist, in das Gebäude zu investieren, muss es in jedem Fall aufwendig saniert werden – auch wenn die Verwaltung auszieht.

Der Beschluss, das Rathaus an anderer Stelle neu zu errichten, kann gegenwärtig noch ohne größeren finanziellen Schaden aufgehoben werden. Wenn der Grunderwerb einmal getätigt und der Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden ist, steht die Stadt unter Zugzwang. Man wird immer mehr Geld nachbewilligen müssen – so wie es bei den von mir eingangs aufgezählten Projekten der Fall war. Und am Ende nähert man sich der von mir geschätzten Summe von 30 Millionen Euro, Grunderwerb, Planungs- und Einrichtungskosten eingeschlossen. Alles andere wäre für mich eine große Überraschung, und deshalb richte ich die herzliche Bitte an die Elmshorner Kommunalpolitiker und an den neuen Bürgermeister, noch einmal zu prüfen, ob sie sich wirklich auf das Abenteuer eines Rathaus-Neubaus einlassen wollen.

Wenn es ungeachtet meiner Bedenken zu einem Rathaus-Neubau kommen sollte, empfehle ich eine intensive Prüfung der vor Jahren von der Initiative Stadtbildgestalt (SNB/Kneffel) vorgeschlagenen Variante mit einem Rathaus-Neubau westlich des Buttermarkts am Hafen unter Abbruch der hässlichen Parkpalette. Diese Lösung würde zu einer städtebaulichen Aufwertung unseres historischen Hafens führen.