Pinneberg
Kreis Pinneberg

Feuer zerstört Doppelhaus in Appen

Polizei und Feuerwehr sprechen dennoch von friedlichem Jahreswechsel. Aber deutlich mehr Fälle in der Notaufnahme

Kreis Pinneberg. Der Jahreswechsel ist im Kreis Pinneberg überwiegend friedlich verlaufen. Polizei und Feuerwehr sprachen von einer vergleichsweise ruhigen Silvesternacht. Allerdings gab es für die Notaufnahmen der Regio Kliniken in Elmshorn, Pinneberg und Wedel deutlich mehr zu tun. Überschattet wurde der Start in das Jahr 2014 auch von einem Großbrand in Appen, wo eine Doppelhaushälfte ausbrannte. Nach ersten Erkenntnissen hatte eine verirrte Silvesterrakete das Feuer ausgelöst. Die drei Bewohner wurden durch Nachbarn gerettet. Eine 59-Jährige erlitt einen Zusammenbruch und kam ins Krankenhaus.

Die Polizisten im Kreis wurden zwischen 18 Uhr an Silvester und 6 Uhr an Neujahr zu 118 Einsätzen gerufen, im Vorjahr waren es noch 175. „Im Vergleich zu einer normalen Samstagnacht waren die Einsatzzahlen nur leicht erhöht“, so Polizeisprecherin Sandra Mohr. Am häufigsten wurden die Beamten wegen Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen in Marsch gesetzt.

In einer Wohnstraße in Seeth-Ekholt kam es um kurz nach Mitternacht zu einem Polizeieinsatz, der mit einer Verdachtsanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung endete. Einem 32-Jährigen wird vorgeworfen, auf der Straße mit Schreckschuss- und Leuchtmunition geschossen und dabei einen elfjährigen Jungen am Bein getroffen zu haben. Äußerlich waren bei dem Kind aber keine Wunden sichtbar.

Reste einer Silvesterrakete könnten den Brand ausgelöst haben

Die Feuerwehren rückten im gleichen Zeitraum 29 Mal aus. Das sind sechs Einsätze weniger als ein Jahr zuvor. Auch waren es diesmal überwiegend Kleinbrände. Eine Ausnahme bildete der Einsatz am Appener Ziegeleiweg. „In der ersten Meldung um kurz nach 1 Uhr hieß es noch, dass Unrat im Garten brennt“, so Appens Wehrführer Marco Lienau. Er war als Erster am Einsatzort – und gab sofort Vollalarm für die Appener Wehr, forderte zudem Kräfte aus Pinneberg zur Verstärkung an. „Es stand eine hölzerne Pergola auf der Terrasse in Vollbrand, das Feuer hatte auf das Dach übergegriffen.“ Weil sich der Brand zwischen Dachpfannen und Verkleidung eingenistet hatte, mussten von der Drehleiter aus die Dachpfannen heruntergenommen werden. „Wir haben Löschschaum eingesetzt, um die Schäden so gering wie möglich zu halten“, so Lienau. Bis 5 Uhr waren 60 Feuerwehrleute im Einsatz.

Kaum an der Wache angekommen, mussten sie erneut zum Ziegeleiweg ausrücken, weil sich der Brand neu entfacht hatte. Vorläufiges Einsatzende war um 7 Uhr. Gegen 12 Uhr qualmte es erneut aus dem Dach, so dass wiederum 20 Einsatzkräfte anrücken und weitere Teile des Daches entfernt werden mussten. Währenddessen standen die Bewohner der Doppelhaushälfte machtlos daneben. Sie sind zunächst bei Nachbarn untergekommen. Beide Haushälften sind aufgrund der Feuer- und Wasserschäden unbewohnbar. „Bis ins Erdgeschoss hinein steht alles unter Wasser“, berichtet ein Bewohner. Die Sanierung des 14 Jahre alten Hauses wird mindestens sechs Monate dauern und laut einem Brandschaden-Spezialisten etwa 300.000 Euro kosten. Als die 59-jährige Bewohnerin aus dem Krankenhaus kam und an der Brandstelle eintraf, erlitt sie beim Anblick des Schadens einen Weinkrampf.

Als Ursache wird vermutet, dass Reste einer Silvesterrakete auf die Stoffbahn der Pergola gestürzt sind und diese in Brand gesetzt haben. Von dort griffen die Flammen zunächst unbemerkt auf den Gebäudeteil über, in dem die 59-Jährige schlief.

Nicht zur Ruhe kamen die Notfallmediziner in den drei Krankenhäusern. Allein zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens mussten sie 51 Patienten mit silvestertypischen Verletzungen wie Verbrennungen, Platzwunden nach alkoholbedingten Stürzen oder Schlägereien sowie Alkoholvergiftungen verarzten. Das sind 20 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr. Am schlimmsten erwischte es einen 63 Jahre alten Mann, dessen Hand durch die Explosion eines Böllers regelrecht verstümmelt wurde. Die Experten der Klinik für Handchirurgie versorgten die Verletzungen in einer vierstündigen Operation. Ein weiteres „Böller-Opfer“ konnte die Klinik nach ambulanter Behandlung wieder verlassen.