Schenefeld

Er stiftete Frieden in Afghanistan

Martin Rang aus Rellingen nahm seit 1996 an sechs einjährigen Auslandseinsätzen der Polizei teil

Rellingen/Schenefeld. Als Polizeibeamter ist Martin Rang gewohnt, Frieden zu stiften. Selbiges tut der 48-Jährige nicht nur an seinem Dienstort Schenefeld. Der Rellinger ist für die Landespolizei Schleswig-Holstein seit 1996 an Auslandsmissionen zur Friedenssicherung beteiligt. Zusammengerechnet war Rang sechs Jahre lang im Auftrag der Vereinten Nationen und der Europäischen Union in Krisengebieten stationiert – jeweils zwei Mal in Afghanistan, in Bosnien sowie im Kosovo. Die Einsätze dauern in der Regel zwölf Monate. Für seinen Einsatz in Afghanistan erhielt Rang kürzlich eine Dankesurkunde, überreicht von Polizeidirektor Frank Matthiesen von der Polizeidirektion Bad Segeberg.

„Viele schreckt das ab, für ein Jahr ins Ausland zu gehen“, sagt Rang, der seinen bisher letzten Einsatz in Kunduz im Mai 2013 beendet hat. Für ihn und seine Familie sei das jedoch kein Problem. „Die sind ja quasi damit aufgewachsen. Ich vergleiche das mit einem Seemann, der ja auch immer kommt und geht.“ Das Kommen und Gehen – bei Rang gehört das zu seinem Berufsleben einfach dazu. Der 48-Jährige ist in Tangstedt aufgewachsen und stieß 1982 zur Bundespolizei, wo er an mehreren Auslandseinsätzen beteiligt war. Es folgten vier Jahre in der damaligen Hauptstadt Bonn, wo Rang den Personenschutz für eine Ministerin übernahm. 1994 wechselte der Rellinger zur Landespolizei Schleswig-Holstein und kam nach Schenefeld.

„Einige Zeit später habe ich einen Bericht gesehen, dass auch die Landespolizeibehörden an offiziellen Missionen im Ausland beteiligt sind“, erinnerte sich der Rellinger. Rang bewarb sich, durchlief ein Auswahlverfahren und bekam den Zuschlag. Zwei Mal war er in den 90er-Jahren in Bosnien-Herzegowina eingesetzt. Es folgten 2002 und 2005 jeweils ein Jahr im Kosovo. Jeder Mission gingen ein Basistraining und ein auf das Einsatzgebiet zugeschnittenes Vorbereitungsseminar voraus.

„Afghanistan war mir in den Anfängen zu heikel“, so der Rellinger. Doch 2010 änderte er seine Meinung, als sich die Sicherheitslage dort spürbar verbesserte. Rang nahm am German Police Project Team (GPPT) teil und war in Mazar-e Sharif stationiert. „Dort bekamen mehrere Polizeibeamte bestimmte Dörfer zugeteilt, für die sie Personal für die Polizei rekrutieren und ausbilden sollten.“ Die deutschen Beamten konnten sich relativ frei bewegen, hatten Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.

Der bisher letzte Einsatz von Juli 2012 bis Mai 2013 in Kunduz dagegen verlief ganz anders. „Wir wohnten dort im Bundeswehrcamp. Jede Bewegung im Landesinnern war verboten.“ Für den 400 Meter langen Hin- und Rückweg zwischen dem Camp und dem Police Training Center (PTC) wurde für die Polizisten jeweils eine gepanzerte Eskorte gestellt. Im PTC wurden zeitgleich 300 bis 400 Afghanen für den Dienst in der Polizei fit gemacht.

„Die haben nie eine Ausbildung genossen“, sagte Rang. Vor Ort lernten sie das notwendige Handwerkszeug – etwa die Regularien bei Verkehrskontrollen, aber auch Erste-Hilfe-Maßnahmen, sie erhielten Unterricht im Schießen sowie im afghanischen Recht. Den Unterricht erteilten einheimische Lehrer, die deutschen Polizisten übernahmen Beratertätigkeiten. Rang: „Die Verständigung lief auf Englisch, wir hatten Afghanen als Dolmetscher.“

Dem Rellinger oblag eine besondere Aufgabe. Er war für die gesamte polizeiliche Logistik im PTC verantwortlich. „Wir haben das Material von den Amerikanern gestellt bekommen. Die Afghanen kommen da mit Null an, einige in Badelatschen. Die mussten wir erst einmal mit Uniformen versorgen.“ Und Rang musste den afghanischen Kollegen auch beibringen, wie eine vernünftige Logistik funktioniert. „Die kennen das nicht, dass sie für alles, was sie rausgeben, etwas Neues bestellen müssen. Die Mentalität ist dort einfach eine ganz andere.“

Im Bundeswehrcamp lebte der Rellinger in einem Einzelcontainer. Einen Tag die Woche hatte er frei, musste dann jedoch im Camp bleiben. Den Kontakt nach Hause zu Frau und Sohn hielt er per Internet und Telefon. „Alle zwei Monate hatten wir Anspruch auf Urlaub, konnten für zwei bis drei Wochen nach Hause.“

Nun ist der Rellinger wieder ganz Zuhause, der Polizeihauptmeister versieht seinen Dienst in Schenefeld. Eine Rückkehr nach Kunduz gibt es nicht. Die Bundeswehr hat ihr Camp geräumt, das PTC übernahmen die örtlichen Behörden. Rang: „Wenn meine Gesundheit mitspielt, möchte ich auch künftig an Auslandsmissionen teilnehmen.“