Moment mal!

Next Christmas ohne George M.

Eine Glosse von Fabian Schindler

Neulich war es wieder soweit. Ich schaltete nichts ahnend am Morgen das Radio an und George Michael trällerte „Last Christmas“ durch den Äther. Einen Knopfdruck weiter kredenzte mir ein Klassik-Sender „Ihr Kinderlein kommet“, jetzt auch in einer Geschenkebox mit 40 weiteren tollen Weihnachtsklassikern. Noch ein Knopfdruck und Band-Aid sang „Do They Know It’s Christmas“, bevor mich Chris Rea „An Weihnachten zurück nach Hause“ fuhr.

Ich halte das nicht mehr aus. Jahr für Jahr muss das deutsche Radio die sprichwörtlich deutsche Pünktlichkeit mit dem Start in die Adventszeit allen Menschen zum Frühstück auftischen. Und ewig gibt es dabei olle Kamellen zu hören, die auch nach zwanzigmaligem Aufwärmen nicht besser klingen.

Nun sei doch ein bisschen gemütlich. Es ist Weihnachtszeit, das ist Tradition, diese Lieder – das ist Kult. Nein, nein und nochmals nein, das ist einfach nur nervig, weil eintönig. Da fahre ich lieber mit Tony Marshall „Auf der Straße nach Süden“, mit der Sonne als Ziel, dorthin, wo kein Radio zu finden ist. Weiter auf der „Road To Nowhere“, bis ich irgendwann irgendwo in „Afrika!“ lande. Ach, wie wäre das schön. Ein Jahr ohne nervige Ohrwürmer, ohne Last Christmas.

Ich schätze, selbst George Michael fände das hin und wieder mal ganz schön. In diesem Sinne verabschiede ich mich à la Bing Crosby: „I’m dreaming of a different christmas, not like the ones I used to know...“ und packe meine Koffer.