Moment mal!

Die Biotonne der Familie

Eine Glosse von Bibi Maaß

Welche Hausfrau kennt das nicht: Der Mettwurstzipfel schmiegt sich an eine ausgequetschte Leberwurstpelle, begleitet von zwei einsamen Scheiben Mortadella. In der Käsebox das gleiche traurige Bild. Irgendjemand hat wieder im Camenbert gepopelt, Resultat: wenig Restkäse, viel Schimmelrand. Und auch der Gauda ist stark deformiert und reduziert. Zeit einkaufen zu gehen?

Nein, noch nicht! Jetzt Überfluss herzustellen, wäre völlig falsch. Dann wanderten die traurigen Reste in die hinterste Ecke des Kühlschranks, um dort ein schimmliges Ende zu finden. Oder wir Hausfrauen zeigen Erbarmen und beschmieren unser Brötchen damit, während sich unsere liebe Familie fröhlich über den frischen Aufschnitt hermacht.

So hat es meine Schwiegermutter Zeit ihres Lebens gemacht: Sie war die Biotonne ihrer Familie, verputzte stets, was die anderen übrig ließen. Ich nicht! Ich stelle künstliche Verknappung her und schalte meine Ohren auf Durchzug, wenn meine Familie ihren klagenden Kanon anstimmt: Gibt ja nichts zu essen! Erst wenn der Mettwurstzipfel verputzt und die kläglichen Mortadella-Reste ihren Weg aufs Frühstücksbrot gefunden haben, sorge ich für Nachschub. Vorher braucht mir keiner mit seinen Wünschen auf die Pelle zu rücken...