Tangstedt

Hier entsteht Tangstedts Zukunft

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Burkhard Fuchs

Rellingens Nachbargemeinde erschließt für 800.000 Euro neues Gewerbegebiet für Betriebe aus dem Ort

Tangstedt. Die 2200 Einwohner zählende Gemeinde Tangstedt baut für ihre Zukunft vor. Wer das Dorf zurzeit aus Richtung Rellingen erreicht, staunt über die Erdhügel, die Bagger und Planierraupen am südlichen Ortsrand zwischen der Dorfstraße und dem Pinneberger Weg aufgeschüttet haben. Auf einem 2,2 Hektar großen Gelände entsteht hier Tangstedts neues Gewerbegebiet. „Wir investieren in die Zukunft unserer Gemeinde“, sagt Bürgermeister Detlef Goos.

Sechs Betriebe werden sich hier ansiedeln, vier davon direkt aus Tangstedt. Nur ein Landmaschinen-Mechaniker siedelt aus Bilsen und ein Steinmetzbetrieb aus Pinneberg nach Tangstedt um. Der Steinmetz wohnt bereits in Tangstedt und kehrt mit einer Filiale praktisch nach Hause zurück. Alle anderen Firmen möchten sich vergrößern und haben die Gemeinde dabei um Unterstützung gebeten. Dabei handelt es sich um drei Handwerksbetriebe, wie Fliesenleger, Elektriker und Sanitär-Handwerker. Aber auch Tangstedts größtes Unternehmen, das mit 150.000 Euro pro Jahr allein ein Drittel des Gewerbesteueraufkommens beibringt, wird sich vom jetzigen Standort im Heidehofweg an den südlichen Ortsrand verlagern: die Hans Conzen Kosmetik GmbH.

„Dieses Unternehmen ist eine echte Erfolgsgeschichte und ein wahrer Glücksfall für Tangstedt“, freut sich Bürgermeister Goos. Als der Betrieb, der deutschlandweit 6000 Friseurbetriebe mit hochwertigen Kosmetik-Produkten wie Shampoo, Make-Up, Hautcremes, Haartönungen und -spülungen beliefert, vor 13 Jahren von Hamburg-Altona nach Tangstedt umsiedelte, beschäftigte er noch 35 Mitarbeiter. Heute sind es 70, davon arbeite die eine Hälfte am Standort Tangstedt, die andere sei im Außendienst und für Schulungen unterwegs, sagt Firmenchef Stephan Conzen. Mittlerweile habe sich der Umsatz der Firma von fünf Millionen auf 17 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

„Wir stoßen in unseren jetzigen Räumlichkeiten an unsere Grenzen und haben schon zweimal angebaut. Das ist jetzt nicht mehr möglich“, sagt Conzen. Darum habe er sich nach einem neuen Grundstück umgesehen. Dass dieses nun nur ein paar Hundert Meter vom aktuellen Standort entfernt sein wird, freue ihn umso mehr. „Wir fühlen uns hier pudelwohl“, betont der Firmeninhaber. Fünf Mitarbeiter wohnten direkt im Dorf. Andere in Rellingen und Pinneberg. „Das ist schon praktisch.“ Der Autobahnanschluss ist nicht weit. Auch der gute direkte Draht zur Gemeinde und dem Bürgermeister spreche für Tangstedt. Der mit 310 Punkten relativ geringe Hebesatz bei der Gewerbesteuer sei ebenfalls ein Argument dafür gewesen, in Tangstedt zu bleiben und dort die dringend notwendigen Vergrößerungspläne zu verwirklichen, sagt Conzen.

Und so investiert die Kosmetik-Firma jetzt vier Millionen Euro in den neuen Standort einschließlich der Kosten für das 12.500 Quadratmeter große Grundstück, das die Gemeinde den sechs Betrieben für 75 Euro je Quadratmeter voll erschlossen verkauft. Die 2500 Quadratmeter Büro- und Lagerflächen reichten dem Unternehmen auch für die nächsten zwei Jahrzehnte aus, erklärt Conzen. Er peilt weiter ein stetiges Wachstum von etwa sieben Prozent pro Jahr an. Das sei gut umsetzbar. „Dieses Jahr sind es sogar elf Prozent Wachstum.“ Etwa fünf Mitarbeiter kämen so jährlich hinzu. Im Frühjahr soll mit dem Bau begonnen werden. Für Anfang 2015 ist der Umzug an den neuen Standort geplant.

Dieser könnte dann Lehmkoppel lauten, wie das Gewerbegebiet in Tangstedt nach der Flurbezeichnung heißt. Als die Gemeinde von den Umzugsplänen der Betriebe erfuhr, sollte zunächst das vorhandene Gewerbegebiet ausgebaut werden, erklärt Bürgermeister Goos. Aber dann hätte die Gemeinde die neue Zufahrt zur Kreisstraße 6 alleine zahlen müssen. „Wir wären auf 1,5 Millionen Euro sitzen geblieben.“ Und so kam man auf die Idee, einem Landwirt und einem Privatmann die Fläche am südlichen Ortsrand abzukaufen. Diese wird nun für 800.000 Euro auf Kosten der Gemeinde bis Januar 2014 erschlossen. „Langfristig hoffen wir, unsere Gewerbesteuereinnahmen so zu steigern, um damit unser Haushaltsdefizit auszugleichen“, begründet Bürgermeister Goos diese Investition. Zurzeit hat der 2,5-Millionen-Euro-Etat ein Minus von 370.000 Euro.

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