Kommentar

Wohnraum sollte Grundrecht sein

135 Menschen waren im Jahr 2012 allein in Pinneberg wohnungslos.

So steht es in der Obdachlosenstatistik des Ordnungsamtes der Stadt Pinneberg. Hinter jeder statistischen Größe stehen Einzelschicksale. Die alleinerziehende Mutter, die vom Jobcenter aufgefordert wird, sich eine kleinere Wohnung zu suchen. Auch die Großfamilie mit Migrationshintergrund oder der Auszubildende, der einen Eintrag bei der Schufa hat, stehen bei Vermietern nicht gerade ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Geringverdiener können die steigenden Mieten kaum noch zahlen. Der Schritt in die Obdachlosigkeit ist ein kleiner.

In den vergangenen Jahren wurde der soziale Wohnungsbau kreisweit vernachlässigt, öffentlich geförderte Wohnungen wurden verkauft und Belegrechte liefen aus. Das geht aus dem Jahresbericht der Beratungsstelle für Wohnungslose und der Sozialen Wohnraumhilfe Pinneberg hervor. Wohnraumförderung ist seit 2006 Ländersache. Der Bund leistet hierfür eine Kompensationszahlung in Höhe von 518 Millionen Euro an die Länder. Allerdings fällt die Zweckbindung ab 2014 weg. Das heißt die Länder könnten die Gelder auch anders investieren. Bleibt zu hoffen, dass es so weit nicht kommt.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es im Grundgesetz. Doch ein Grundrecht auf ein Dach über den Kopf gibt es nicht. Ein würdevolles Leben auf der Straße? Nicht möglich! Das sollten sich Politiker vor Augen halten, bevor sie den Rotstift am falschen Ende ansetzen.