Halstenbek

Ansturm auf den neuen Kinderarzt

Jahrelang gab es in Halstenbek keinen Mediziner dieser Fachrichtung. 1288 Bürger hatten nun mit einer Petition Erfolg

Halstenbek. Wer das Gebäude an der Gustavstraße 7 in Halstenbek betritt, stößt auf Bauarbeiter. Im Eingangsbereich und im Erdgeschoss wird noch fleißig gewerkelt. Im zweiten Stock dagegen sind die Handwerker bereits abgezogen. Dort residiert seit wenigen Tagen Dr. Jürgen Stieh, Halstenbeks neuer Kinderarzt.

Der Mediziner wohnt seit 2003 in der Gemeinde und ist bereits seit 1987 in der Kinderheilkunde tätig, seit 2004 mit eigener Praxis. Dass er seinen Job nun in seiner Heimatgemeinde ausüben darf, hat er auch 1288 Bürgern Halstenbeks zu verdanken. Die forderten voriges Jahr in einer Petition die Ansiedlung eines solchen Mediziners – und hatten Erfolg: Der Landesausschuss für die vertragsärztliche Versorgung in Schleswig-Holstein genehmigte dem Kreis Pinneberg im Frühjahr einen weiteren Kassensitz und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) benannte Halstenbek als Standort.

Zuvor hatte Jürgen Stieh bereits zwei Mal erfolglos versucht, sich als Arzt in seiner Heimatgemeinde niederzulassen. Als er dies 2011 der Grünen-Fraktionschefin Gudrun Gabriel-Schröder, die selbst dreifache Mutter ist, berichtete, gründete diese eine Elterninitiative für die Ansiedlung eines Kinderarztes in Halstenbek. „Ich bin total froh, dass Dr. Stieh jetzt seine Praxis eröffnen konnte“, sagt Gabriel-Schröder. Lange Zeit habe es nicht nach einem Einlenken der Kassenärztlichen Vereinigung ausgesehen, erinnert sie sich. Für ihre Kinder kommt die verbesserte medizinische Situation zu spät, ihr jüngster Spross ist 13 Jahre alt.

„Für uns als Gemeinde ist es ein Riesenglück, dass wir jetzt einen Kinderarzt haben“, sagt Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann. Sie sieht die neue Praxis in zentraler Lage als „riesigen Vorteil für die Infrastruktur Halstenbeks“ und weist darauf hin, dass die Gemeinde die Forderung nach einem eigenen Kinderarzt bereits vor 20 Jahren erstmals erhoben habe. „Der Bedarf ist immens und unbestritten.“

Die Gemeinde verfügt über zwei Grundschulen, ein Gymnasium, eine Gemeinschaftsschule und sechs Kindergärten. Zusammengerechnet sind das 2500 Jugendliche unter 14 Jahren, die für eine Kinderarztpraxis infrage kommen. Eine ähnlich hohe Zahl kommt aus Rellingen dazu, auch dort gibt es keinen Kinderarzt.

20 Ärzte dieser Fachrichtung sind im Kreis Pinneberg zugelassen, laut dem Bedarfsplan des Landesausschusses sogar 6,5 zu viel. Die Verteilung in der Region ist höchst unterschiedlich. Elmshorn als größte Stadt des Kreises verfügt über drei Kinderärzte, Pinneberg dagegen über fünf. In Wedel sind drei Mediziner dieser Fachrichtung zugelassen, in Schenefeld, Quickborn und Barmstedt jeweils zwei. In Uetersen, Tornesch und nun in Halstenbek gibt es eine derartige Praxis. Das Netzwerk für Kindermedizin im Kreis komplettiert die 2008 eröffnete Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit 14 Betten und angeschlossener Intensivstation für Neugeborene, die in der Regio Klinik Pinneberg ansässig ist.

Von den 1288 Halstenbekern, die 2011 die Petition unterschrieben haben, gingen zu diesem Zeitpunkt 449 in Hamburg, 280 in Pinneberg, 81 in Schenefeld und 52 andernorts mit den Kindern zum Arzt. Ab sofort können sie sich die langen Wege ersparen. Wie hoch der Bedarf vor Ort ist, erlebte Jürgen Stieh schon am ersten Öffnungstag seiner Praxis, als 15 Eltern ihre Sprößlinge zur Visite brachten. Der Mediziner behandelt Kinder und Jugendliche gesetzlicher und privater Krankenkassen nach den neuesten Erkenntnissen der Kinder- und Jugendmedizin.

„Ich suche die intensive Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen, deren Eltern, den Schulen, Kindergärten, den ärztlichen Kollegen und den Therapeuten, um das Bestmögliche für die Kinder und ihre Familien zu erreichen“, sagt Stieh. Er hat als Motto für seine Praxis den Spruch „Hand in Hand“ gewählt, was durch ein großes Bild im Eingangsbereich mit der Hand eines Erwachsenen, der einem Kind diese Hand reicht, bildlich zum Ausdruck kommt.

Stieh ist spezialisiert auf Kinderkardiologie, er ist also also Kinderherzarzt. Seine Ausbildung erfolgte an den Kinderkliniken Krefeld, Düsseldorf und Kiel. Die Praxis, die außerdem drei Sprechstundenhilfen umfasst, öffnet montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr sowie mit Ausnahme von mittwochs und freitags auch von 15 bis 18 Uhr. Terminvereinbarungen sind unter 04101/8055180 möglich. Am Sonnabend, 7. Dezember, stellen sich Stieh und sein Praxisteam von 10 bis 13 Uhr bei einem Tag der offenen Tür vor.