Uetersen

Neuer Chef verspricht reines Futter

Auf dem einstigen Gelände der Uetersener Skandalfirma agiert jetzt ein Unternehmen mit anderem Qualitätsanspruch

Uetersen. Vor knapp drei Jahren erlangte der Dioxinfund im Futtermittel der Firma Harles und Jentzsch in Uetersen bundesweite Aufmerksamkeit. Das Unternehmen ging pleite, und gegen die Firmenchefs erhob die Staatsanwaltschaft Itzehoe im März 2013 Anklage wegen gewerbsmäßigen Betruges. Das Landgericht hat aber noch nicht entschieden, ob es den Prozess zulässt. Dies solle bis Anfang 2014 geschehen, sagte eine Gerichtssprecherin auf Nachfrage. Die Gebäude, Maschinen und Anlagen in der Uetersener Deichstraße sind allerdings längst verkauft.

Die Fritz Köster AG in Hamburg, einer der Global Player auf dem internationalen Fischmehlmarkt, hat die Firma Oleoserv gegründet, die jetzt auf dem 2,3 Hektar großen Areal in Uetersen wieder aus Pflanzenfetten spezielle Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel herstellt und lagert. Dabei werde akribisch darauf geachtet, dass sich ein solcher Skandal nicht wiederholen könne, versichert Geschäftsführer Sven Müller-Sönnewald. „Hier geht nichts rein oder raus, ohne dass die Inhaltsstoffe untersucht sind.“ Zudem würde er weder Rohstoffe einkaufen noch Futtermittel veräußern. „Wir sind ein reines Dienstleistungsunternehmen.“

Gleichwohl bewege sich das Unternehmen wieder sehr erfolgreich auf dem lukrativen Markt der Kalziumseifen, wie die Spezialfette in der Fachsprache heißen, die hier mit 20 verschiedenen Zusatzstoffen hergestellt und im Auftrag von Dritten erforscht und entwickelt werden. Diese Ergänzungsstoffe, die aus pflanzlichen Palmölen zu Tierfutterfetten verarbeitet und veredelt werden, würden Milchkühe widerstandsfähiger machen und ihre Milchproduktion um bis zu 20 Prozent steigern, sagt Müller-Sönnewald.

Weil dieser Futtermittelmarkt sehr zukunftsträchtig sei, habe die Köster AG entschieden, erstmals in diesen Produktionszweig zu investieren. Zusätzlich zu den derzeit beschäftigten 15 Mitarbeitern würden weitere zehn Laboranten und Maschinenführer gesucht, sagt Müller-Sönnewald. Der Jahresumsatz sei auf eine Summe im „hohen einstelligen Millionenbereich“ gestiegen.

Einige Millionen Euro seien in die komplette Modernisierung der Maschinen und Anlagen sowie der IT-Technik gesteckt worden, seitdem die Oleoserv im März 2012 das Gelände gekauft hat. Alle Tanks, die mehrere Tausend Tonnen fassen können, wurden erneuert. Seit Mai 2012 liegen die behördlichen Genehmigungen vor, und im Juli dieses Jahres ist die neue Energieversorgung in Betrieb gegangen. So erzeugt jetzt ein eigenes, mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk für die Prozesse im Unternehmen Strom. „Wir sparen dadurch 70.000 Euro an Energiekosten.“ Eine halbe Million Euro gebe Oleoserv für Gas und Strom im Jahr aus.

Das Herzstück der Unternehmensstrategie sei ein herausragendes Qualitätsmanagement, betont Geschäftsführer Müller-Sönnewald. „Wir gehen dabei weit über das gesetzliche Mindestmaß hinaus, das nach dem Futtermittelskandal EU-weit erheblich verschärft worden ist.“ So könne er innerhalb weniger Minuten die Herkunft sämtlicher Inhaltsstoffe der gelieferten Pflanzenfette nachweisen. Dies werde durch eine firmeneigene elektronische Datenbank gewährleistet, auf die er weltweit über sein Smartphone Zugriff habe. Jeder Spediteur, der seine Lieferungen nicht bis in kleinste Detail dokumentieren könne, werde wieder nach Hause geschickt. Alle Nachweise müssten bereits vor der Anlieferung vorliegen, damit dies nicht erst am Werkstor geklärt werden müsse. Ein hauseigenes Labor stelle jederzeit sicher, dass die gelieferten, produzierten und ausgelieferten Produkte den gesetzlichen Vorschriften entsprechen.

Dieses Qualitätsmanagement habe sogar für eine eigene Farbenregel gesorgt, die von allen Mitarbeitern strikt einzuhalten sei, sagt Müller-Sönnewald. Alle Tanks, die rein pflanzliche Futtermittel beinhalten sind grün gekennzeichnet, alle anderen blau. Entsprechend müssen auch die Lagerarbeiter grün oder blau gefärbte Kleidung tragen. Sogar die Gabelstapler sind entsprechend lackiert. „Das System der Qualitätssicherung muss so transparent sein, dass es von allen sofort verstanden wird.“ Interne Schulungen sollen die Firmenphilosophie in den Köpfen der Mitarbeiter verfestigen.

Der Einsatz scheint sich zu lohnen. Oleoserv sei mit seinen Verfahren von Spezialprodukten auf Basis pflanzlicher Öle und Fette bundesweit einmalig, sagt Müller-Sönnewald. Europaweit gebe es nur eine Handvoll Unternehmen, „die so differenziert sind wir wir“.