Pinneberg

„Ich schreibe nachts und am frühen Morgen“

Der Pinneberger Rechtsanwalt Tibor Rode hat mit „Das Rad der Ewigkeit“ seinen ersten Roman beim Lübbe-Verlag veröffentlicht

Pinneberg. Tibor Rode ist 39 Jahre alt. Er lebt mit seiner Frau Sandra, 39, seinen Töchtern Cécilia, 9, und Josephine, 5, sowie Hündin Molly, 3, in Pinneberg. Rode arbeitet als Anwalt mit einem Partner in einer eigenen Kanzlei in Hamburg-Eimsbüttel. Er ist in Hamburg-Schnelsen groß geworden und hat sein Abitur am Gymnasium Dörpsweg in Eidelstedt absolviert. „Das Rad der Ewigkeit“ (Lübbe) ist sein erster Roman, sein zweites Buch „Das Los“ erscheint im Frühjahr. Hauptfigur in seinem Debütwerk ist der Mühlenbauer und Erfinder Orffyreus, dem man bis heute nicht sicher nachweisen konnte, dass sein „Perpetuum mobile“ im 18.Jahrhundert ein Betrug war.

Hamburger Abendblatt:

Herr Rode, Sie haben zwei Töchter, sind Rechtsanwalt für IT- und Gesellschaftsrecht und halten Vorlesungen an der Uni Hamburg. Jetzt sind sie auch noch Romanautor. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Tibor Rode:

Das Schreiben des Romans habe ich überwiegend in die Nachtstunden und in den frühen Morgen verlegt. Das heißt, während die Familie schläft, sitze ich am Computer und schreibe. Dazu braucht man eine große Motivation und ein hohes Maß an Disziplin. Aber ich wollte unbedingt einen Roman schreiben – das hat mich angetrieben.

Wo kommen Sie zum Schreiben?

Rode:

Ich schreibe am Küchentisch. Um den Trubel um mich herum auszublenden, benutze ich beim Schreiben immer Kopfhörer, mit denen ich Musik von Klassik Radio höre. Ich weiß nicht warum, aber klassische Musik ermöglicht es mir, mich voll und ganz auf das Schreiben meiner Geschichten zu konzentrieren. Ich höre diese Art von Musik auch nur beim Schreiben, sonst nie. Ansonsten mag ich Soul, Funk und Rap-Musik. Meine Tibetterrier-Pudelhündin Molly hat auch einen großen Anteil an meinem Roman. Nirgends kann ich so gut am Plot arbeiten wie beim Gassigehen. Deswegen habe ich das Buch auch meiner Hündin gewidmet.

Sie danken in Ihrem Buch auf Seite 589 auch ihrer Frau: „Mein größter und wahrhaft unendlicher Dank gilt jedoch meinem eigenen Antrieb, der weitaus magischer und kraftvoller wirkt, als ein Perpetuum mobile je sein könnte: Sandra, dem weisesten Menschen, den ich kenne.“ Können Sie uns das erklären?

Rode:

Diesem Dank ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Grundsätzlich ist es so, dass auch meine Frau an meinen Romanen einen großen Anteil hat. Sie liest alles, was ich schreibe, zuerst. Sie ist meine größte Kritikerin. Und nicht zuletzt gewährt sie mir die Freiheit und Zeit, die ich brauchte, um meine Romane schreiben zu können. Das ist sicher nicht selbstverständlich.

Wie und wann kamen Sie auf die Idee zu diesem Roman?

Rode:

Während meiner Promotion recherchierte ich zum Thema Energierecht. Dabei stieß ich in einem englischsprachigen Artikel auf einen Hinweis zu Orffyreus' „Perpetuum mobile“. Als ich aus Neugierde weiter recherchierte, haben mich seine Geschichte und die Idee vom „Perpetuum mobile“ gepackt. Ich konnte nicht glauben, dass seine spannende Lebensgeschichte scheinbar noch niemals in literarischer Form erzählt worden ist. Meine Promotion habe ich nie fertiggestellt, stattdessen ist dieser Roman entstanden.

Wie lange haben Sie an Ihrem Buch gearbeitet?

Rode:

Von der Idee bis zum fertigen Buch sind fast zehn Jahre vergangen. Zunächst brauchte die Idee einige Jahre, um in mir zu reifen. In dieser Zeit habe ich immer wieder phasenweise recherchiert, Material gesammelt oder auf Reisen nach Spuren von Orffyreus gesucht. Als ich dann entschieden hatte, den Stoff tatsächlich in einem Roman zu verarbeiten, dauert das reine Schreiben noch zwei Jahre.

Wann hat Ihre Leidenschaft fürs Schreiben begonnen? Welche Faszination üben Geschichten auf Sie aus?

Rode:

Ich liebe einfach die Sprache. Mich beschäftigt die Macht der Worte, ob in meinem Beruf als Rechtsanwalt oder als Schriftsteller. Eigentlich habe ich immer geschrieben. Mit acht Jahren gewann ich einen Schreibwettbewerb und bekam als Preis ein Modellflugzeug. Mit zwölf Jahren erhielt ich vom Bundesbildungsministerium ein Stipendium für eine Schreibwerkstatt für Jugendliche. Jeden Sonnabend trafen sich die Schüler in der Hamburger Universität. Als ich 17 war, wurde ich Mitarbeiter unserer Lokalzeitung „Eidelstedter Anzeiger“. Und der Beruf des Anwalts hat auch ganz viel mit Schreiben zu tun. Nirgends wird so unerbittlich über die Überzeugungskraft eines Textes geurteilt wie vor Gericht.

Sie haben gerade Ihren zweiten Roman fertiggestellt, der im Frühjahr 2014 bei Lübbe erscheint. Worum geht es in Ihrem nächsten Buch?

Rode:

Mein neues Buch heißt „Das Los“ und ist ein Thriller. Es ist eine Geschichte über das Glück. Nicht das Glück im Sinne von Zufriedenheit, sondern Glück als Schicksal – im Amerikanischen gibt es dafür das Wort „luck“. Im Mittelpunkt steht eine Jahrhunderte alte Lotterie, bei der nur einer einen Preis von unermesslichem Wert gewinnen kann. Dabei gehe ich im Buch auch zurück zu den Anfängen des Lotteriespiels in Deutschland. Was nur die wenigsten wissen: Das Lottospiel, wie es heute existiert, gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert.

Sie haben lange im Westen Hamburgs gelebt. Warum sind Sie mit Ihrer Familie nach Pinneberg gezogen?

Rode:

Pinneberg bietet alles, was junge Familien benötigen: eine tolle Infrastruktur an Kindergärten und Schulen, zahlreiche Sportvereine und Bildungsangebote. Und wenn man genau hinschaut, gibt es in Pinneberg viele wunderschöne Orte.

Wo halten Sie sich gerne im Kreis Pinneberg auf?

Rode:

Gerade zum Spazierengehen und auch mit dem Rad gibt es im Kreis Pinneberg viele erholsame Orte. Ich liebe den Klövensteen, und wahnsinnig beeindruckend finde ich immer wieder die Holmer Sandberge – das ist ein Ort, wie aus einer anderen Welt. Wenn man dort eine Stunde lang mit dem Hund spazieren geht, ist das wie ein Tag Urlaub.

Gibt es etwas, das Sie in Pinneberg vermissen?

Rode:

Was ich mir in Pinneberg wünschen würde, wären mehr gemütliche Cafés nach amerikanischem Vorbild. Wo man mal kurz einen Kaffee trinken und ein bisschen mit dem Laptop surfen kann. Ich finde Cafés unglaublich inspirierend. Außerdem würde ich mir sehr wünschen, dass man den Pinneberger Stadtkern attraktiver gestaltet. Es ist schon schade, wenn viele Geschäfte in der Innenstadt aufgeben und dann leere Ladenzeilen zurückbleiben. Es gibt hier in Pinneberg so viel Potenzial – immer mehr Hamburger ziehen hier heraus.

Sie wollen noch weitere Romane schreiben. Können Sie sich vorstellen, ein Buch zu schreiben, das hier im Kreis Pinneberg spielt?

Rode:

Natürlich kann ich mir das vorstellen. Jedoch bin ich kein Autor, der glaubt, man könne nur über das schreiben, das man sehr gut kennt. Im Gegenteil: Gerade das Recherchieren, das Erschließen von bislang nicht so geläufigen Themen und Orten macht für mich den Reiz des Schreibens aus. Ich möchte neue Welten für die Leser erschaffen und auch für mich.