Tornesch

Straßenneubau mit vielen offenen Fragen

Tornescher Bürger fürchten eine Kostenlawine. Großer Andrang im Bauausschuss

Tornesch. Der geplante Neubau der Tornescher Norderstraße und der Schwennesenstraße sorgt bei den Anwohnern für Verunsicherung. Ist der Neubau überhaupt notwendig? Aus Sicht einiger Bürger zumindest nicht. Das machten sie auf der Sitzung des Bauausschusses am Montagabend deutlich, zu der 70 Anwohner kamen, um ihre Sorgen zu artikulieren.

In den beiden Straßen plant der Abwasserbetrieb, die Kanalisation und die Straßenzüge komplett neu zu bauen. „Die Maßnahme ist notwendig, weil die Größe der derzeitigen Kanalisationsrohre nicht mehr ausreicht, um die anfallenden Regenwassermengen abzutransportieren. Die Intensivregenfälle nehmen zu. Wir brauchen einen Puffer, falls es zu extremen Regenfällen kommt“, so Sylvia Köhn vom Bau- und Planungsamt der Stadt Tornesch.

Eine Sanierung der Kanalisation an den betroffenen Stellen sei zunächst geplant gewesen, jedoch habe sich schnell herausgestellt, dass dies nicht überall möglich ist. Die vorhandenen Betonrohre seien in Teilen so stark korrodiert, dass ein Austausch unumgänglich sei. Außerdem befürchtet die Verwaltung, dass es zu Rissbildungen in der Straße kommen würde, wenn nur ein Teil der Asphaltdecke für die Baumaßnahmen aufgerissen und anschließend wieder abgedichtet werde. „Dann müssten wir in ein paar Jahren wieder an die Straßen wieder ran, weil links und rechts von der neuen Asphaltdecke alles absackt. Das würde unter dem Strich teurer werden, und zwar für alle“, sagte Köhn. Wenn, dann wolle man gleich Nägel mit Köpfen machen.

Henry Stürmer, CDU, erklärte, dass der Ausschuss von sich aus ein Interesse daran habe, eine kostengünstige und allgemein verträgliche Lösung zu finden. „Das haben wir bei anderen Straßen in Tornesch bereits geschafft. Ich bin überzeugt, dass wir auch diesmal eine Lösung finden werden, die im Sinne der Bürger ist“, so der Bauausschussvorsitzende. Er verwies auch darauf, dass Politik und Verwaltung erst ganz am Anfang des Verfahrens stünden. „Wir wissen genau genommen noch gar nicht, ob überhaupt gebaut wird“, erklärte Stürmer. Die Vorlage der Verwaltung sei, so der Ausschussvorsitzende, lediglich ein erster Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen.

„Es muss nichts so bleiben, wie es in der Vorlage steht. Wir haben beim Projekt Haasweg alles komplett geändert. Das ist auch hier möglich“, ergänzte Köhn. Dafür sei aber wichtig, dass die Bürger ihre Anregungen, ihre Fragen und Bedenken der Verwaltung mitteilten, damit sie und die Politik entsprechend reagieren können. Dafür seien spezielle Anwohnerinformationsveranstaltungen der Stadt vorgesehen. Auch der Verein Haus und Grund wolle unterstützende Veranstaltungen für die Anwohner anbieten.

Fragen und Bedenken von Seiten der Bürger gibt es so einige, das wurde auf der Ausschusssitzung deutlich. Wie hoch der Kostenanteil für die einzelnen Anlieger ausfallen würde, vor allem auch an den sehr langen Stichstraßen, sei zu klären. Die Verwaltung müsse auch darlegen, wo die Bürger in den knapp zwei Jahren Bauzeit ihre Fahrzeuge abstellen sollen. Die Pommernstraße, die von der Stadt als Alternative vorgeschlagen wurde, sei bereits jetzt völlig dicht und könne keine weiteren Fahrzeuge aufnehmen. Eine andere Lösung müsse her. Und was, wenn die Bürger überhaupt keinen Straßenneubau wollen? Könnte ihnen der Neubau auferzwungen werden?

Sicher ist nur soviel: Wenn gebaut wird, wird es für die Bürger um viel Geld gehen. Der Neubau beider Straßen inklusive Kanalarbeiten dürfte nach ersten Schätzungen der Verwaltung etwas mehr als zwei Millionen Euro kosten. 558.000 Euro würden für den Neubau der Schwennesenstraße und weitere 1,49 Millionen Euro für den Neubau der Norderstraße fällig werden. Davon müssten laut Kommunalrecht die Anlieger 85 Prozent der Kosten tragen, weil beide Straßen vor allem Anliegerstraßen sind. Und das sorgt für Ängste. „Die Kosten, die wir begleichen müssten, können einige Anwohner nicht zahlen. Sie haben das Geld einfach nicht“, erklärte ein besorgter Anwohner der Norderstraße. Gebe es ein Stundungsmodell, und welcher Zinssatz würde dann gelten? Das müsse die Stadt sagen, bevor die Bagger anrollen.

Klaus Früchtenicht, SPD, erklärte, dass der Ausschuss grundsätzlich für das Projekt sei. „Wir wissen, dass es die Bürger Geld kosten wird. Wir wollen aber keine Flickschusterei. Wir sollten es gleich richtig machen, dann haben wir 20 Jahre lang Ruhe“, so der SPD-Ratsherr. Gleichzeitig erklärte der Ausschuss einhellig, dass die Politik nichts gegen den Willen der Anwohner durchdrücken werde.