Pinneberg
Rellingen

Radeln ist gut für die Karriere

Im Club Tête de la Course treffen sich Unternehmer und Manager aus ganz Deutschland. Auch im Kreis viele Mitglieder

Schenefeld/Rellingen. Es war ein milder Herbstabend, als Peter Poppe, Michael Meeske und Bernd Spies in den Rennsattel stiegen. Endlich mal keine Vorstandssitzungen und Personalgespräche, einfach spontan den Berufstress abstreifen, so dachten sich das Unternehmer-Trio. Was konnte schöner sein, als eine gemeinsame Radtour in den Feierabend hinein? Die drei waren die Initiatoren bei der Gründung des Club Tête de la Course (TdC), einem Zusammenschluss radelnder Führungskräfte aus deutschen Landen, die sich regelmäßig treffen, um Rennen zu bestreiten, Veranstaltungen zu organisieren. Das alles in legerer Atmosphäre, in der man bei gemeinsamen Fahrten im In- und Ausland neue Freunde und Sportkollegen zu finden hofft.

Bernd Dankowski, wohnhaft in Schenefeld, gehört dem TdC-Vorstand an. Der 50 Jahre alte Wirtschaftsprüfer, der seine Kanzlei in Rellingen hat, war schon dabei, als der gemeinnützige Radsportclub im Jahre 2007 gegründet wurde. Dankowski ist im Kreis kein Unbekannter, er war bis 1987 Fußball-Torhüter, unter anderem beim SCP Pinneberg und VfL Pinneberg, ehe ihn eine Schultereckgelenksprengung zum Aufhören zwang. Dankowski hat noch einen Bruder, Joachim, 45, und der ist als Schlussmann auch kein Unbekannter in der Region. Zuletzt trainierte er den Landesligisten Teutonia 05.

Rund 160 Mitglieder zählt der Verein bundesweit. „Ja, man kann sagen, dass wir eine relativ kleine sportliche Clique sind“, erklärt Bernd Dankowski. „Uns verbindet die besondere Einstellung zu unserem Sport. Viele Leute fragen sich heute, wie und wo sie am besten Stress abbauen können. Wer Lust und Interesse hat, kann das bei uns gern testen.“ Außer den Aktiven gibt es im Club noch einen erweiterten Kreis von knapp 1000 Freunden und Interessenten, die Kontakte pflegen.

Beim TdC ist Listungsdenken überwiegend verpönt. „Wir sind keine Kilometerfresser, uns ist Geselligkeit neben dem Sport wichtig“, sagt Dankowski. Die Mitglieder sind im wesentlichen zwischen 45 und 60 Jahre alt, sodass sich der Ehrgeiz altersbezogen regelt. Damit ist klar, dass es keine Jugendabteilung gibt. Gleichwohl legt man in der ungewöhnlichen Radsportfamilie Wert auf Kondition und Sportsgeist. Und erstaunlich ist auch diese Statistik: Immerhin betätigen sich drei von vier Managern in Deutschland sportlich, das ergab eine Umfrage des Deutschen Führungskräfteverbandes.

Nicht nur beim Golf, Schwimmen oder Laufen fühlen sich Mitglieder in den Vorstandsetagen zum Sport treiben animiert. Gerade den Radrennsport schätzen Leute wie Peter Poppe, Michael Meeske und Bernd Spies. „Touren über etwa 50 Kilometer sollte man aber schon schaffen können“, betont Karl-Heinz Meincke, freier Sportfotograf, der selbst sehr aktiv in der Radsportszene ist und die TdC-Radler während der Events in ganz Europa im Servicefahrzeug mit der Kamera begleitet.

Im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltungen und Trainingscamps führt der Verein auch Vorträge durch, bei denen speziell ausgebildete Radsport-Profis, wie zum Beispiel die ehemaligen Nationalkaderfahrer Udo Bölts und Stefan Schreck (beide früher Team Telekom) sowie Olaf Ludwig (Einzel-Olympiasieger 1988 in Seoul) Einblicke in einen auch in der Freizeit immer beliebter werdenden Sport geben.

Im Rahmen der medienträchtigen Elite-Radrundfahrten wie der Tour de France, dem Giro d’Italia und der Tour de Swisse bekommen Mitglieder die Möglichkeit, einzelne Streckenabschnitte nachzufahren. Die Planungen für die kommende Saison sind im übrigen schon weit gediehen. Vom 1. Februar an findet erneut das Bike-Event im Robinson-Club auf Mallorca statt.

Im laufenden Jahr gab es zwei hervorstechende Termine. Neben dem Mallorca-Trip lief auf Zypern eine Rennwoche für Ambitionierte im April mit Mario Kummer, dem Olympiasieger 1988 im 100-km-Mannschaftsfahren und zweifachen Weltmeister über diese Strecke (1981 und 1989). Die letzten drei Ereignisse unter der Leitung des ehemaligen T-Mobile-Sportdirektors Kummer fanden nacheinander in Portugal, Sardinien und wie gesagt auf Zypern statt. 2014 befindet sich darüber hinaus ebenfalls in Planung, genaue Termine stehen noch aus.

Die Teilnahme an den Hamburg Cyclassics ist für die emsigen Radsport-Freaks des TdC längst Ehrensache. Ein Großteil war auch in diesem Sommer beim Jedermannrennen mit am Start, als die Fahrer vor der beeindruckenden Kulisse in der Innenstadt und dem Zielbereich der Mönckebergstraße angefeuert wurden. Hier nahm vor drei Jahren eine bezaubernde Liebesgeschichte ihren Anfang. Am Gerhard-Hauptmann-Platz kamen sich zwei Clubmitglieder aus Bayern nach Ende der Cyclassics näher: Er wohnt in München, sie am Starnberger See. Wenige Wochen später waren sie ein Paar, wurden kürzlich stolze Eltern. Bei den Cyclassics wollen sie nach wie vor antreten.

Infos bei Bernd Dankowski: 04101/831900.

www.club-tdc.de