Seestermühe

Lokal „To’n Vossbau“ wird zwangsversteigert

Termin für Seestermühes einzige Gaststätte am Mittwoch vor Elmshorner Amtsgericht

Seestermühe. Für Karin Voss ist es ihr Lebenswerk – und für Seestermühe die einzige Gaststätte des Ortes: Die Rede ist vom Restaurant „To’n Vossbau“ am Altenfeldsdeich 3. Und doch könnte die fast 200-jährige Tradition am Mittwoch, 9. Oktober, zu Ende gehen. Um 8.30 Uhr wird das Lokal vor dem Amtsgericht Elmshorn zwangsversteigert. Der errechnete Verkehrswert für die Immobilie mit 140 Restaurantplätzen und 806 Quadratmeter Grundstück beträgt 286.227 Euro.

Eigentümerin des Gebäudes ist Karin Voss. Sie betreibt das bekannte Ausflugslokal mit großer Terrasse, das vorher als Birkenhof bekannt war, seit mehr als 30 Jahren. Und die Gastronomin gibt sich kämpferisch: „Ich würde gerne weitermachen.“ Doch ob das im Falle eines Eigentümerwechsels klappt, weiß Karin Voss nicht. Sie geht aber davon aus, dass alle Termine für Feiern, die schon verabredet sind, auch eingehalten werden können.

Die Gastronomin hatte bereits im Vorjahr einen schweren Schlag wegstecken müssen. Die unter ihrer Führung stehende Betriebsgesellschaft des Restaurants musste Anfang 2012 Insolvenz anmelden. Grund waren Umsatzsteuerschulden beim Finanzamt, die nicht mehr bedient werden konnten. Am Altenfeldsdeich übernahm daraufhin Insolvenzverwalter Oliver Dankert das Kommando, er führte das Haus noch über den Sommer weiter. „Im Herbst 2012 hat die Gesellschaft den Betrieb eingestellt“, sagt Dankert. Dies habe erfolgen müssen, weil die Fortführungsprognose über den Winter negativ gewesen sei.

Das Restaurant „To’n Vossbau“ blieb dennoch geöffnet, weil Karin Voss in die Bresche sprang. Sie meldete ein neues Gewerbe an und konnte als Besitzerin des Gebäudes den Betrieb ohne Einschränkungen weiterführen. Dennoch war parallel zur Insolvenz bereits von einer kreditgebenden Bank die Zwangsversteigerung des Lokals eingeleitet worden.

Insolvenzverwalter Dankert hatte noch versucht, diesen Schritt mit einem Verkauf der Immobilie abzuwenden. Auf die Offerte, die in mehreren Zeitungen erschien, meldeten sich laut Dankert einige Interessenten. „Es blieb aber bei Vorgesprächen“, so Dankert weiter.

Daher kommt nun das 1730 erbaute Gebäude, das 1840 um einen Anbau im hinteren Bereich erweitert wurde, unter den Hammer. Beim ersten Versteigerungstermin gilt eine Wertgrenze von sieben Zehnteln, so dass ein Interessent etwas mehr als 200.000 Euro bieten muss, um den Zuschlag zu erhalten. Wird die Immobilie tatsächlich zwangsversteigert, ist die Zukunft für Karin Voss ungewiss. Die Frage ist, ob ein neuer Besitzer die Altgastronomin als Mieterin behält. Es bleibt angesichts der Insolvenz aus dem vorigen Jahr auch die Frage, ob der Betrieb überhaupt genügend Geld abwirft, um eine Miete zahlen zu können.

Gaststätte ist Treffpunkt des Ortes, hier wurde die Feuerwehr gegründet

Ein eventueller neuer Besitzer muss das Gebäude auch nicht zwangsläufig als Gaststätte weiter nutzen, es könnte auch Wohnzwecken dienen. Seestermühes Bürgermeister Thorsten Rockel jedenfalls will die einzige Gaststätte des Ortes unbedingt halten. „To’n Vossbau ist der Treffpunkt des Ortes. hier werden unsere Familienfeste gefeiert, hier tagt jedes Jahr vor Weihnachten unser Gemeinderat. Das Gebäude ist auch das Gründungslokal unserer Feuerwehr“, so Rockel weiter. Zu jedem Ort gehöre ein Dorflokal einfach dazu, sagt der Bürgermeister.

1886 wurde in der Gaststätte die Freiwillige Feuerwehr des Ortes ins Leben gerufen, das damals einzige Fahrzeug der Wehr parkte im Schuppen links neben dem Hauptgebäude. Bereits seit 1817 ist dokumentiert, dass in dem Gebäude eine Schnapsbrennerei betrieben wurde. 1903 gestaltete die damalige Eigentümerfamilie den Komplex um, so dass die heutige Form entstand. Bis 1978, als Karin Voss die Regie übernahm und den Namen änderte, verfügte die Gaststätte noch über einen Saal und eine Bühne.

Bürgermeister Rockel betont, dass die Gemeinde Karin Voss als Betreiberin immer zur Seite gestanden habe. Etwa 2009, als die Gastronomin den Vorschlag machte, das Lokal als Außenstelle des Standesamtes Elmshorn-Land zu nutzen.

Rockel: „Wir haben das innerhalb kurzer Zeit möglich gemacht.“ Im Fall der Zwangsversteigerung seien der Gemeinde aber die Hände gebunden. Rockel: „Wir können nur moralisch helfen, nicht aber finanziell.“