Volker Hatje macht sein Ding

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Andreas Schmidt

Mit 81,9 Prozent der Stimmen wird der Erste Stadtrat neuer Bürgermeister der Stadt Elmshorn

Elmshorn. Der Herr im grauen Anzug klopfte dem jungen Mann in Blue Jeans und Tommy-Hilfiger-Pullover in Anthrazit auf die Schultern: „Hättest du gedacht, dass ich mal Bürgermeister werde?“, fragte der Vater den Sohn. Lennart Hatje, 22, grinste, und Volker Hatje, 52, bilanzierte: „Ich komme aus der klassischen Verwaltung. Es war nie mein Ziel, Bürgermeister von Elmshorn zu werden. Aber wenn man die Chance bekommt und Spaß daran hat, dann muss man sie ergreifen.“

Volker Hatje, der Erste Stadtrat der mit knapp 50.000 Einwohnern sechstgrößten Stadt Schleswig-Holsteins, hat die Bürgermeisterwahl am Sonntag klar gewonnen. Der parteilose Kandidat der Sozial-, Christ- und Freidemokraten gewann mit 81,9 Prozent der Stimmen gegen die Kandidatin der Grünen, Katja Wolframm, 34, die auf 18,1 Prozent der Stimmen kam. „Ich bin gerührt und erleichtert“, sagte Hatje gegen 21.15 Uhr im Kollegiumssaal in Elmshorn.

Gemeinsam mit seiner Frau Silke, die am Montag ihren 50. Geburtstag feierte, war Volker Hatje am Wahlabend um 19.30 Uhr im Kollegiumssaal erschienen. „Ein bisschen angespannt bin ich, aber das gehört dazu“, sagte er dem Hamburger Abendblatt. Um 19.47 Uhr wich die leichte Anspannung dann großer Erleichterung. Gerade erschienen die Zahlen aus Elmshorns ehemaligem sozialen Brennpunkt Hainholz auf den Monitoren: Hatje 79,8 Prozent hieß es aus dem Wahlbezirk Erich Kästner Gemeinschaftsschule Elmshorn I – Wolframm 20,2 Prozent; Wahlbeteiligung: 46,2 Prozent.

Für alle im Kollegiumssaal war klar: Diese Wahl war für Volker Hatje gewonnen. „Das ist gut, das ist schön, ja, das ist gut", sagte der künftige Bürgermeister.

Zu einen seiner ersten Gratulanten gehörte Elmhorns Bürgermeisterin Brigitte Fronzek, 61. Die Sozialdemokratin ist seit 17 Jahren und neun Monaten im Amt, umarmte ihren – noch – stellvertretenden Bürgermeister und überreichte ihm ein kleines Präsent: einen Porzellanelefanten. „Als Bürgermeister braucht Volker Hatje ein bisschen Glück", sagte Brigitte Fronzek. „Nicht nur Schweine bringen Glück, sondern auch Elefanten. Das Porzellan wird den Bürgermeister daran erinnern, wie zerbrechlich das Glück ist.“

Sie sei „sehr beruhigt“, sagte Brigtte Fronzek, dass das Bürgermeisteramt in die Hände Volker Hatjes übergehe. „Herr Hatje ist sehr erfahren und sehr bürgernah“, sagte die promovierte Verwaltungsrechtlerin. „Jetzt kann ich in Ruhe in den Ruhestand wechseln.“ Anfang Januar 2014 wird Volker Hatje sein neues Amt antreten.

Der künftige Elmshorner Bürgermeister freute sich, dass der Wahlkampf jetzt endgültig vorbei ist. „Jetzt wollen wir sechs Jahre lang vernünftig arbeiten“, sagte Volker Hatje. Der Wahlkampf sei bisweilen „ganz schöne Knochenarbeit“ gewesen.

Am Abend vor der Wahl hatte Volker Hatje gemeinsam mit seiner Frau Silke auf dem Oktoberfest im Autohaus Mohr gefeiert. Am Sonntag um 11 Uhr besuchte er dann gemeinsam mit Brigitte Fronzek das Abschlusskonzert des zweiten Internationalen Akkordeonfestivals in Elmshorn. Vor dem Kaffee gegen 15.30 Uhr ging er mit seiner Frau und seiner Tochter Sara, 18, in der Timm-Kröger-Schule wählen. Um 18 Uhr saßen dann alle vor den ersten TV-Prognosen zur Bundestagswahl.

Wer ist der Mann im grauen Anzug? Volker Hatje hat sein Abitur 1981 an der Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn absolviert. Danach studierte er drei Jahre lang an der Verwaltungsfachhochschule in Kiel-Altenholz. Von 1985 bis 2004 war er in verschiedenen Positionen für das Amt Horst tätig. Anschließend leitete er bis 2009 den Fachbereich Inneren Service der Stadt Wedel und stieg 2006 in den höheren Verwaltungsdienst auf. Seit dem 1. November 2009 ist er Erster Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Elmshorns.

Er wolle die Stadt „mit Augenmaß“ voranbringen, sagte Volker Hatje; er wolle die Menschen über das, was in Politik und Verwaltung geschieht, informieren; und er wolle auch zu Fehleinschätzungen stehen.

Die grüne Kontrahentin Katja Wolframm gratulierte Volker Hatje zu seinem Wahlsieg. Die Niederlage sei „Schiete“, sagte die Diplom-Ökonomin und selbstständige Hutmacherin aus Hamburg. „Ich habe an der Wahl teilgenommen, um zu gewinnen.“ Um 21.04 verließ sie mit ihrem Mann Thies das Rathaus, zehn Minunten später prosteten die Gäste mit Rotkäppchen-Sekt „auf den neuen Bürgermeister“ an.

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