Barmstedter Bürger gegen neues Baugebiet

| Lesedauer: 3 Minuten
Burkhard Fuchs

Bürgerentscheid erfolgreich: Zwei Drittel lehnen Lillsche Wiese und lange Sohlgleite ab

Barmstedt. Mit diesem deutlichen Ergebnis hat er nicht einmal selbst in seinen kühnsten Träume gerechnet. 3689 Barmstedter Wähler – das sind 68,1 Prozent der abgegeben Stimmen – sprachen sich am Wahlsonntag für das Bürgerbegehren aus, das Initiator Franz-Josef Sitta angestrengt hat. Demnach sind mehr als zwei Drittel der Bevölkerung dagegen, dass die zurzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche Lillscher Hügel am Rantzauer See in ein neues Baugebiet umgewandelt wird, um mit dem Verkauf der 30 Baugrundstücke eine gut drei Millionen Euro teure Sohlgleite zu finanzieren. So hatte es die Stadtvertretung im Dezember 2012 beschlossen. Diese sogenannte lange Variante einer Fischtreppe sollte die Wasserrahmenlichtlinie der Europäischen Union erfüllen, die verlangt, dass die Krückau ab 2015 durchlässiger für die Fische wird.

Sitta, der in allen fünf Wahlbezirken der Stadt deutliche Unterstützung erhielt, musste lange im Rathaus ausharren, bis das für ihn positive Ergebnis feststand. Erst mussten die Stimmen für die Bundestagswahl, dann die des Bürgerentscheids gezählt werden. Doch spätestens als drei Bezirke ausgezählt waren, zeichnete sich der Trend ab. „Ein so deutliches Ergebnis hatte ich nicht erwartet“, jubelte Sitte, dem immer wieder Mitstreiter um den Hals fielen. Die Gegner des Bürgerentscheids hatten zu dieser Zeit gegen 21 Uhr das Rathaus längst verlassen. Einer von ihnen war der FWB-Vorsitzende Peter Gottschalk. „Die Ausführungen von Herrn Sitta sind bei den Bürgern angekommen“, gibt Gottschalk zu. „Wir werden das Ergebnis akzeptieren, dass die Bürger keine Bebauung an der Krückau wünschen und müssen jetzt eine andere Variante für die Sohlgleite erarbeiten.“ Ähnlich äußert sich Ernst-Reimer Saß, CDU: „Der Bürger hat das Wort. Wir müssen das jetzt so machen.“

Gleichwohl gab Saß zu, schwer enttäuscht zu sein. Mit der Wohnbebauung wäre Barmstedt attraktiver für junge Familien geworden und hätte zugleich eine 6,5 Hektar große Naturfläche am See erhalten. Offenbar habe man diesen Zusammenhang aber nicht den Bürgern vermitteln können. Insofern sei dieser Entscheid „ein schlechter Tag für Barmstedt“. Auch Gottschalk will nicht ausschließen, dass die Bebauungspläne für immer begraben sind. „Kurz- und mittelfristig werden wir das nicht mehr verfolgen. Aber wer weiß, wie die nächste Generation an Stadtvertretern das in zehn Jahren sieht.“

Für Sitta zeigt dieser Bürgerentscheid vor allem eines: „Man sieht, wie wertvoll es auf lokaler Ebene ist, wenn man basisdemokratische Elemente in unserem Wahlsystem zulässt. Ich finde es richtig gut, dass die Bürger dies jetzt in ihre Hand genommen haben.“ Zumindest in den nächsten zwei Jahren dürfe die Lillsche Wiese nicht bebaut werden. Und für die Sohlgleite gebe es Alternativen wie eine 160 Meter lange Variante, die nur 300.000 Euro kostet.

Allmählich entwickelt sich Sitta zum Politschreck in Barmstedt. Vor sechs Jahren war er es, der mit seiner Klage vor dem Verwaltungsgericht Schleswig die Bürgermeisterwahl für unrechtmäßig erklären ließ, die dann wiederholt werden musste. Nun kippte er mit dem Bürgerentscheid den Ratsbeschluss, der die Stadtvertreter „wieder bei Null anfangen lässt“, wie Gottschalk es formuliert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg