Barmstedt

Wiesenbebauung spaltet die Stadt

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Burkhard Fuchs

Am Tag der Bundestagswahl entscheiden die Barmstedter auch über geplante Sohlgleite am See.

Barmstedt. Die Barmstedter Wähler entscheiden am 22. September nicht nur wie alle Bundesbürger darüber, wie sich der Bundestag zusammensetzt. Sie sollen auch darüber abstimmen, ob die sogenannte Lillsche Wiese am Rantzauer See bebaut werden soll oder nicht. Die Stadtvertretung hatte den Ankauf dieses Maisfeldes im Dezember 2012 beschlossen, um mit den Einnahmen aus den Grundstücksverkäufen die lange Variante einer Sohlgleite für die Fische in der Krückau zu finanzieren. Der Bürger Franz-Josef Sitta hatte daraufhin 877 gültige Unterschriften von wahlberechtigten Bürgern gesammelt, die wie er gegen die Bebauung dieses letzten freien Stück Landes am See sind. Das allein reichte aus, um einen förmlichen Bürgerentscheid anzustrengen. Gleichwohl warb Sitta bei den Stadtvertretern am Dienstagabend darum, ihren alten Beschluss zurückzunehmen. "Ersparen Sie den Barmstedter Bürgern diesen Zeit, Nerven und Ärger kostenden Bürgerentscheid."

Doch genau das wollten bis auf die BALL-Fraktion die anderen Parteien nicht tun. Die Vertreter von FWB, CDU, SPD und Grünen betonten, dass sie sich nun erst recht ein klares Votum der Bevölkerung wünschten, damit sie wüssten, woran sie sind. Um diesen Entscheid nicht von vornherein in eine Richtung zu drängen, hob die Stadtvertretung einmütig den Vorschlag der Verwaltung auf, die Bürger für den 22. September nicht nur zur Wahlurne zu rufen, sondern ihnen zu empfehlen, beim Entscheid mit Nein und damit für die Bebauung der Wiese zu stimmen.

Sitta, dem Bürgervorsteher Christian Kahns nur 20 Minuten statt der gewünschten 60 Minuten Redezeit zuerkannte, zerpflückte mit einer Power-Point-Präsentation das Vorhaben der Stadt. Kernaussage: Die von der EU vorgeschriebene Wasserrahmenrichtlinie, den flussaufwärts laichenden Fischen in der Krückau an der Rantzauer Mühle den sonst unüberwindbaren Höhenunterschied von 3,70 Metern mithilfe einer allmählich ansteigenden Sohlgleite zu erleichtern, wäre auch mit einer kürzeren Variante genüge getan. Dazu zeigte Sitta das Beispiel aus Bad Salzungen, wo am Oberlauf der Werra im Jahr 2009 eine 122 Meter lange mäandernde Fischtreppe für nur 150.000 Euro gebaut worden sei. Die beschlossene Barmstedter Lösung, die Sitta mit dem Bürgerentscheid kippen will, würde insgesamt 3,5 Millionen Euro kosten, wovon die Stadt 1,5 Millionen selber tragen müsste. Mithin sei die geplante 750 Meter lange Sohlgleite "extrem unökonomisch, keineswegs naturnah". Sie gefährde die touristische Hauptattraktion an der Schlossinsel und vernichte gewachsene Kleingartenstrukturen.

Inhaltlich mochte sich nur BALL-Fraktionschef Günter Thiel äußern, der forderte, die Stadt möge ein anderes und günstigeres Bauwerk planen, um 1,4 Millionen Euro für die Sanierung der Schulen aufzusparen. Nun haben die Bürger die Wahl.

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