Pinneberg
Wedel

Mission Reichstag

Publikum feiert das neue Stück des Wahlkabaretts Wedel bei der Premiere

Wedel . Alle kriegen ihr Fett weg, sogar sie selbst. Mit offenkundiger Lust am gepflegten Spott nehmen die sieben Lästerzungen des Wedeler Wahlkabaretts Banken, Pharmalobby, intellektuell überforderte Berufspolitiker und nicht zuletzt die ignorante Selbstzufriedenheit des bundesdeutschen Wahlvolks aufs Korn. Vor ausverkauftem Haus feierte die aktuelle Produktion "Im Reichstag brennt noch Licht" jetzt Premiere. Ein dickes Kompliment gebührt den exzellenten Routiniers des Außerparlamentarischen Orchesters unter Leitung von Andreas Ravn, deren spritzige Einlagen das Gesamtpaket noch unterhaltsamer machten.

Natürlich liest die Truppe den Zuhörern die Leviten. Das ist der Kern des Kabarettgeschäfts. Doch sie tut das nicht mit einem selbstgerecht erhobenen Zeigefinger, sondern eingebettet in höchst amüsante Selbstironie. Das beweist die spektakuläre Anfangsszene. Zur Titelmelodie der James-Bond-Filme seilt sich Andreas Prehm von der Theaterdecke ab. Seine Mission: Gemeinsam mit seinen Mitstreitern will er heimlich in den Berliner Reichstag einsteigen, um das nächtliche Treiben der Parlamentarier zu erforschen.

Doch versehentlich kappt einer der Wedeler Hobby-Detektive das Seil. Statt geschmeidig wie 007 ihr Ziel zu erreichen, landen die Besucher unsanft auf dem Boden. Dass ihre Kollegen wesentlich bequemere Wege ins Allerheiligste deutscher Demokratie gefunden haben, lässt die Möchtegern-Agenten erst recht tapsig aussehen.

Am stärksten sind die Kabarettisten, wenn sie den alltäglichen Polit-Wahnsinn ungebremst ins Absurde schießen. Wenn beispielsweise Doris Jankowski, Matthias Ziegann und Prehm als naiv-technikgläubiges CDU-Trio unter windschiefen Bundeswehrhelmen ferngesteuerte Drohnen im Wahlkampfeinsatz Kugelschreiber auf Wedels Bahnhofstraße regnen lassen -und dabei bedauerliche Kollateralschäden verursachen -, lacht das Publikum Tränen. Allerliebst kommt auch die Idee mit dem Home-Fracking daher, bei der die Spottdrosseln die Kritik an der umstrittenen Methode der Gasförderung sehr kreativ mit dem Trend zur hauseigenen Energieversorgung verknüpfen. Oder die Sache mit dem Fahrradunfall zu Ungunsten eines Merkel-Plakats. Ben Bewersdorff gibt einen hinreißenden, singenden Einfaltspinsel mit Heldenstatus.

Karten für das Stück, das bis einschließlich Sonnabend, 21. September, jeweils freitags, sonnabends und sonntags im Theater Wedel, Rosengarten 9, zu sehen sein wird, gibt es zu jeweils 14,50 und neun Euro unter Telefon 04103/52 50. Die Aufführungen beginnen freitags und sonnabends um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr.