Westerhorn

Bürger wollen Bahnhof Dauenhof retten

Der Zughalt Dauenhof soll abgerissen werden. Bereits 1994 konnten Anwohner mit einer Bürgerinitiative die Bahn umstimmen. Schon damals war der Abriss eigentlich beschlossene Sache.

Westerhorn. Bereits 1994 war der Abriss des historischen Bahnhofsgebäudes Dauenhof in Westerhorn schon einmal beschlossene Sache. Damals bildete sich eine Bürgerinitiative, die 612 Unterschriften sammelte und sich erfolgreich für den Erhalt des 1847 erbauten und 1901 erweiterten Gebäudes einsetzte. Knapp zwei Jahrzehnte später nimmt die Bahn einen neuen Anlauf - und diesmal spricht vieles dafür, dass die Abrissbagger kaum zu stoppen sein werden.

Wer kann das Bahnhofsgebäude, das als einfaches Kulturdenkmal eingestuft ist, noch retten? Ein Initiator der damaligen Bürgerinitiative ist verstorben, der zweite weggezogen. Auch Guido Schümann, der lange Jahre in der Nähe des Bahnhofes wohnte, lebt inzwischen in Itzehoe. Dennoch kämpft er aus der Ferne dafür, das Gebäude zu erhalten. Einen Mitstreiter hat er in Holger Reimers gefunden. Er lebt wenige Hundert Meter entfernt im Steinburger Teil von Dauenhof und ist als Bauhistoriker vom Fach. "Das Bahnhofsgebäude ist die Keimzelle des Ortes. Es ist für Westerhorn so wichtig wie eine Kathedrale für eine Großstadt", so Reimers.

1847 entstand an den Schienen die Wohnung des damaligen Bahnwärters. Das kleine Backsteingebäude ist der älteste Teil des Bahnhofsensembles. "Um das Gebäude herum hat sich der Ort entwickelt. Gegenüber entstand ein Kolonialwarenladen, auf der anderen Seite ein Gasthof", sagt Reimers. Es folgten die Altenteiler-Villen begüterter Baumschulfamilien. 1901 ließ die Reichsbahn einen Anbau errichten, der die gewachsene Bedeutung des Bahnhofs widerspiegeln sollte. Es entstand ein zweigeschossiger, preußischer Backsteinbau, der Fahrkartenschalter, Warteraum und Schankstube im Untergeschoss sowie die Bahnhofsvorsteherwohnung im Obergeschoss enthielt. Vor dem 1. Weltkrieg kam ein Anbau für das - heute nicht mehr genutzte - Stellwerk dazu.

In dieser Form ist das Gebäudeensemble bis heute erhalten geblieben. Allerdings erfüllt es aus Sicht der Bahn keine Funktion mehr. "Für den Betrieb des Haltepunktes brauchen wir das Bahnhofsgebäude nicht mehr", sagt Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst. Noch bleibe aber ein bisschen Zeit. "Kurzfristig wird nichts passieren", so Brunkhorst weiter. Allerdings lässt sie an einem kein Zweifel: "Wir planen, das Gebäude abzureißen. Wir wissen nur nicht genau wann." Derzeit wird ein Raum des ansonsten leer stehenden Hauses noch für einen Schrankenwärter benötigt. Möglich wäre, diesen kleinen Gebäudeteil zunächst stehen zu lassen. Doch auch der andere, wesentlich größere Teil wird zurzeit noch gebraucht. Wenn auch nicht für Mitarbeiter. "Dort sind technische Geräte verbaut, die weiterhin in Betrieb sind", sagt Brunkhorst. Allerdings gibt es offenbar bereits Pläne, die Technik umzusetzen. Und der vor Ort befindliche Schrankenwärter ist schon lange nicht mehr für den Übergang Dauenhof, sondern lediglich noch für einen Übergang in der Nachbarschaft zuständig, so dass er langfristig auch weichen könnte.

Die Bahn hat inzwischen auch das für Westerhorn zuständige Amt Hörnerkirchen in die Abrisspläne eingeweiht. "Wir bekamen morgens einen Anruf, dass sich Bahnleute in Dauenhof treffen und den Abriss des Gebäudes besprechen. Wir könnten am Nachmittag dazukommen", erinnert sich Michael Lantau, der Büroleitende Beamte. Weil das Treffen in der parlamentarischen Sommerpause stattfand, konnten die Kommunalpolitiker sich noch nicht mit der neuen Entwicklung befassen.

"Die nächste Sitzung der Gemeindevertretung findet am September statt, wir werden das Thema Bahnhofsgebäude auf die Tagesordnung nehmen", sagt Lantau. Ob die Gemeinde eine Initiative zum Kauf des Hauses startet, vermag der Büroleitende Beamte nicht zu sagen. "Die Gemeinde muss sehen, wie sie ihre finanziellen Mittel einsetzt und ob sie sich das antun will."

Für Bauhistoriker Reimers wäre es eine sinnvolle Investition. "Die Bausubstanz ist gut. Das Mauerwerk weist keine Risse oder Setzungen auf, die Fugen sind noch fast völlig intakt", so Reimers weiter. Auch die Fenster würden lediglich einen neuen Anstrich brauchen. "Außen aufhübschen, innen renovieren, dann ist das Gebäude wieder nutzbar. Die Instandsetzung wird nicht allzu aufwendig sein", ist sich Reimers sicher. Oben könne wie bisher Wohnraum entstehen, unten ein Büro oder eine Werkstatt einziehen. "Mir blutet das Herz, wenn ich das Gebäude in seinem jetzigen Zustand sehe. Ich bin gerne bereit, mitzuhelfen, dass eine neue Nutzung gefunden wird."

Die Bahn indes ist daran offenbar nicht interessiert. Sprecherin Brunkhorst verweist darauf, dass ihr Unternehmen als Eigentümer das Gebäude nicht mehr benötige, ein Verkauf an Dritte jedoch ausgeschlossen sei. "Das Gebäude kann nicht verkauft werden, weil es zu dicht an dem Gleiskörper steht." Daher sei beispielsweise keine vernünftige Zuwegung möglich.