Pinneberg

Die Computer-Freaks vom Lutzhorner Bauernhof

Die Firma LossTech aus Lutzhorn gewinnt den IT-Innovations-Wettbewerb des Mittelstandes. Mit ihrem Gerät „sanXaler“ bieten sie ein gewaltiges Einsparpotential.

Lutzhorn. Das Silicon-Valley Schleswig-Holsteins liegt im Norden des Kreises Pinneberg. In einem Resthof am Ortsrand des 800-Einwohner-Dorfes Lutzhorn sitzt ein High-Tech-Unternehmen, das sich anschickt, die Computerbranche zu revolutionieren. Der Neun-Mann-Betrieb LossTech hat ein Gerät entwickelt, das auf einen Schlag 650 Festplatten ersetzen kann.

Grund genug für das Wirtschaftsministerium in Kiel, den Preisträger des Innovationspreises-IT der Initiative Mittelstand näher kennenzulernen. Gegen 4900 Mitbewerber aus ganz Deutschland hat sich der Landessieger LossTech aus Lutzhorn zuvor durchgesetzt. "Das zeigt die Stärke der schleswig-holsteinischen Informations- und Kommunikations-Technologie-Branche in der Innovationsentwicklung", lobte Staatssekretär Ralph Müller-Beck beim persönlichen Gespräch in Kiel. "Die IKT-Branche ist Innovationstreiber für den Mittelstand und setzt neue Wettbewerbsimpulse. Dadurch schafft sie Wachstum und Arbeitsplätze."

Hinter der Innovationsschmiede am Rande eines Maisfeldes steht Boris Hajek. Der Tüftler und Computerfreak, der an der Nordakademie Wirtschaftsinformatik studierte, hat die Firma 2003 in Quickborn gegründet und nach Lutzhorn verlagert. Dort hat er einen alten Bauernhof zur Entwicklungsbasis und Kaderschmiede ausgebaut. Fast alle Mitarbeiter wohnen hier inzwischen in einem Umkreis von wenigen hundert Metern. So können sie hier ungestört in aller Ruhe bis spät in die Nacht an ihren IT-Entwicklungen basteln, die oft zeitaufwendig und laut seien, sagt Hajek.

Sein neues Kunststück nennt der LossTech-Chef "sanXaler", eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen für speichern und skalieren. Auf der Computermesse Cebit im März hat Hajek den etwa 50 Kilogramm schweren Apparat dem Fachpublikum vorgestellt. Die Branche zeigte sich beeindruckt. Erste Übernahme-Angebote waren die Folge. Vor allem die Hersteller von Speicherlösungen seien nervös geworden, erzählt Hajek schmunzelnd. "Die wollten uns gleich aufkaufen, weil sie ja ihre Festplatten vermarkten wollen." Doch so leicht will der LossTech-Boss seine Unabhängigkeit nicht aufgeben. "Unsere Erfindung ist bislang einmalig."

Offenbar ist es dem Lutzhorner Unternehmen gelungen, beim Zugriff zahlreicher Rechner auf einen Groß-Server redundante Speicherleistungen überflüssig zu machen. Auf diese Weise können die angeschlossenen Rechner wesentlich schneller arbeiten, Festplatten-Kapazität wird um ein Vielfaches eingespart.

"Ein Datenstau, wie beim Verkehr vor dem Elbtunnel, wenn viele Mitarbeiter auf denselben Server zugreifen, gehört so der Vergangenheit an", preist Hajek die eigene Entwicklung. Sie würde sich - bei einem Verkaufspreis um die 20.000 Euro - schon für Unternehmen lohnen, die 25 PC-Arbeitsplätze vorhalten. Der sanXaler könnte ohne weiteres auch 25.000 Rechner miteinander verbinden.

Das Einsparvolumen erscheint gewaltig. 650 Festplatten würden hundertmal so viel Strom und Geld verbrauchen wie die High-Tech-Lösung made in Lutzhorn. Von der Platzersparnis gar nicht zu reden. "Unser sanXaler hat sich je nach Anwendung in der Regel nach wenigen Wochen amortisiert."

Das sind Neuigkeiten, die die Anwender von Großdatenspeichern elektrisieren dürften. "Ein gerade für ganz Norddeutschland geplantes Rechenzentrum setzt unser Know-how nur zu gerne ein."

LossTech sei die Abkürzung des englischen Begriffs Lossless Technology, also verlustfreie Technologien für moderne Datenspeichersysteme, erklärt der Lutzhorner IT-Experte.