Wedel

Kraftwerksgegner machen mobil

Vom 28. Juni an sammelt Bürgerinitiative auf den Wedeler Wochenmärkten Unterschriften

Wedel . "Sind Sie dafür, dass die Stadt Wedel ein Bebauungsplanverfahren für das gesamte Kraftwerksgelände Vattenfall durchführt?" Das wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative "Stopp. Kein Megakraftwerk für Wedel" wissen und hoffen auf zahlreiche Wedeler, die diese Frage mit Ja beantworten. Von Freitag, 28. Juni, an sind die Kritiker des geplanten Kraftwerksneubaus regelmäßig auf den Wedeler Wochenmärkten vertreten - und zwar jeweils freitags auf dem Wochenmarkt beim Stadtteilzentrum mittendrin, Friedrich-Eggers-Straße 77, (9 bis 12 Uhr) und sonnabends in der Bahnhofstraße vor der Barlach Apotheke (10 bis 13 Uhr). Die kommenden vier Wochen wollen sie an ihrem Stand um Unterschriften für das von ihnen geplante Bürgerbegehren werben.

"Wir möchten mindestens 2000 Unterschriften sammeln", gibt Mitinitiatorin Kerstin Lueckow die Richtung vor. Laut Lueckow würden zwar 1887 Unterzeichner ausreichen, da aber auch ungültige Unterschriften darunter sein könnten, peilen die engagierten Streiter die 2000-Marke an. Laut dem neuen Gesetz zur Stärkung der kommunalen Bürgerbeteiligung in Schleswig-Holstein hat die Bürgerinitiative jetzt sechs Monate Zeit, die nötigen Unterschriften für das Bürgerbegehren zusammenzubekommen.

Doch darüber macht sich Lueckow keine Sorgen. Sie und ihre Mitstreiter sind sich trotz des Starts in den Sommerferien sicher, dass sie genügend Unterstützer für ihr Anliegen finden. Denn im Mittelpunkt ihres angestrebten Bürgerbegehrens steht vorrangig der Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung an dem Bauverfahren. Die Kraftwerksgegner, die sich gegen den aus ihrer Sicht zu massiv geplanten Baukörper des neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Wedel wehren, kritisieren die Ausklammerung eines Großteils der Fläche in dem Verfahren.

Der von den Politikern abgenickte Bebauungsplan konzentriert sich auf den Randbereich des Areals am Tinsdaler Weg. Der Bereich, in dem das neue Kraftwerk entstehen soll, ist ausgenommen. "Die Stadt hat durch die Herausnahme der Kraftwerksfläche aus der Planung erhebliche Einflussmöglichkeiten aus der Hand gegeben", begründet die Initiative ihr Bürgerbegehren auch auf der Unterschriftenliste. Dadurch könnten Anwohner und Kritiker im öffentlichen Verfahren keine Bedenken im Bezug auf die Baukörpergröße oder den Rückbau des alten Steinkohlekraftwerks anmelden.

Wedels Bürgermeister Niels Schmidt verteidigt diese Strategie. Die Wedeler Stadtverwaltung habe das Verfahren nach Gesprächen mit Vattenfall empfohlen, weil es die schnellste Variante sei, sagt der Verwaltungschef. Die Kommunalpolitiker hätten sich dem mit großer Mehrheit angeschlossen. Zudem würden Wedels Belange in einem städtebaulichen Begleitvertrag berücksichtigt.