Wedel

Bootsschuppen wird zum Opernsaal

"Klassik achtern Diek": Mitreißende Melodien und Spitzen-Solistin verzaubern Besucher in Wedel

Wedel. Ein bisschen Wellblech, ein paar alte Holzbalken und viel Licht von oben - wie kann das ein charmanter Spielort sein? Ist es aber. Der Wedeler Bootsschuppen entpuppte sich auch beim Konzert "Klassik achtern Diek" wieder einmal als goldrichtige Adresse. Das Flair, das vielfältige Programm und auch das Wetter zogen die Besucher scharenweise an. Am Ende konnten die Organisatoren des Wedeler Kammerchors und -orchesters 750 verkaufte Karten verzeichnen. "Mit so viel haben wir nicht mehr gerechnet", sagte Pressesprecher Rainer Karnstädt mit Blick auf die gefürchtete Konkurrenzveranstaltung mit fast identischem Namen, die sich am 17. August in Wedel abspielt. Dank des Besucherstroms und Sponsoren ist die Finanzierung des von den Laien erstmals organisierten Konzertes so gut wie in trockenen Tüchern.

Ein Jahr lang hatten die Mitglieder des Wedeler Kammerchors und -orchesters das Klassikkonzert vorbereitet. Mit Erfolg. Die Besucher bekamen mitreißende Melodien zu hören, manchmal sogar begleitet vom Tuten vorbeifahrender Schiffe. Wen das nicht schon verzauberte, der ergab sich spätestens der Stimme von Darlene Ann Dobisch. Die Sopranistin legte umjubelte Auftritte solo und im Duett mit Tenor Lemuel Cuento hin. Ein Vergnügen für die Ohren.

Allein beim vom Kammerchor untermalten Lied "Schenkt man sich Rosen in Tirol" drohte der Kitsch von der Decke der Bootshalle zu tropfen. Gut, dass die Organisatoren da Kontrapunkte setzten. Wie zum Beispiel der Auftritt des A-Capella-Ensemble Collegium Gaudium. Die neun ehemaligen Uetersener Chorknaben, die von Beziehungswahnsinn, fettreduzierten Früchtequark und Birkenstock-Sandalen sangen, machten einfach richtig Spaß.

Eines fehlte allerdings an diesem herrlichen Sommerabend hinterm Elbdeich: Beim Schlussakkord zu "Land of hope and glory" von Edward Elgar ging das Publikum nicht mit, klebte förmlich an den Stühlen. Die engagierten Musiker und Organisatoren hätten es verdient gehabt, dass es ein bisschen mehr wie bei "Last Night of the Proms" zu geht.