Kreis Pinneberg

Impressionen: Eine Wahl mit vielen Gesichtern

Halstenbeks Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann als Glücksfee. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder zu Gast in Rellingen. Pinneberger T-Shirt-Demo. Barmstedter Spätvorstellung.

Bei Glücksspielen hat Christoph Bittner, SPD-Fraktionschef in Halstenbek, kein Glück. Er zog bei der Verlosung des Direktmandats in Wahlkreis 7 (Bücherei Krupunder) den Kürzeren gegen seine CDU-Kontrahentin Melanie Ludwig. Beide hatten jeweils 121 Stimmen erhalten, sodass Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann das Mandat live vor Publikum per Losentscheid vergab.

Sein Lospech nahm Bittner nicht krumm: "Letztlich ist das nicht entscheidend. Dass der Sitz an die CDU geht, bedeutet drei Ausgleichsmandate für die anderen Parteien, auch eines für uns." Auch Gudrun Gabriel-Schröder, Grüne, machte aus ihrer Freude keinen Hehl. "Wir haben unser tolles Ergebnis von 2008 halten können und sind wieder mit zehn Abgeordneten vertreten." SPD und Grüne haben jetzt 20 Sitze, vier mehr als CDU (13) und FDP (3).

Hohen Besuch gab es in Rellingen: CDU-Innenstaatssekretär Ole Schröder schaute im Rathaus vorbei, um seinen Vater Dieter zu unterstützen, der in der Gemeinde CDU-Fraktionschef ist und künftig Albert Hatje als Bürgervorsteher ablösen will. Ole Schröder hatte seine Frau, Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, und Töchterchen Lotte mitgebracht, die fröhlich durch den Ratssaal tobte. Das Promi-Trio war in Rellingen eine willkommene Bereicherung eines ansonsten eher langweiligen Wahlabends.

Die Kommunalwahlen in Hasloh und Bönningsted t stellte die Stadtverwaltung Quickborn vor ein technisches Problem. Denn dort hatten die Bürger drei Stimmen pro Wahlkreis, die sie je nach Belieben auf einen, zwei oder drei Kandidaten verteilen konnten. Das war zuviel für die Wahl-Software in Quickborn, wo die Bürger nur eine Stimme pro Wahlkreis haben. Folge: Das Wahlergebnis lag erst gegen Mitternacht vor.

Ortwin Schmidt hat gleich doppelt verloren

Das Los entscheidet am Donnerstag in Bönningstedt , wie groß der künftige Gemeinderat wird. Wenn CDU-Mann Wilfried Weiße, der ebenso viele Stimmen wie die BWG-Kandidatin Jane Czolbe erhielt, in den Gemeinderat gelost wird, bleibt es bei 18 Gemeindevertretern. Sollte Jane Czolbe zum Zuge kommen, werden es 22 Gemeinderäte sein, weil CDU, SPD und Grüne dann jeweils ein Ausgleichsmandat erhalten.

Ortwin Schmidt hat am Sonntag in Barmstedt gleich doppelt verloren. Zum einen schied er aus dem Bürgermeisterrennen aus. Zum anderen gehört der CDU-Fraktionschef nicht mehr der neuen Stadtvertretung an. Die CDU wurde zwar mit 2158 Stimmen (26,2 Prozent) erstmals seit 19 Jahren wieder stärkste Fraktion in Barmstedt. Aber davon profitierte Schmidt nicht, der fast 1600 Stimmen weniger als seine Partei erhielt.

FWB erstmals seit 1994 nicht mehr stärkste Ratsfraktion

Eine heftige Niederlage musste die FWB in Barmstedt hinnehmen. Nur noch drei ihrer zehn Direktkandidaten wurde gewählt. Erstmals seit 1994 ist sie nicht mehr stärkste Ratsfraktion, verlor vier ihrer neun Ratsmandate. Beinahe wäre sogar Fraktionschef Michael Schönfelder rausgeflogen. Er musste sich Montagabend dem Losentscheid mit Fraktionskollegen Axel Schmidt stellen, die beide 171 Stimmen erhielten. Doch das hatte keine Auswirkung. Wer auch das Losglück hatte, der andere rückte über die Liste nach.

Schuld an der Verspätung der Wahlergebnisse in Barmstedt hatte der Wahlvorstand des Wahlkreises 4. Während alle anderen vier Wahlkreise bis 21 Uhr ihre Ergebnisse ins Rathaus übermittelt hatten, ließ sich dieser Zeit. Amtsleiter Uwe Dieckmann düste schließlich zum Wahllokal, um sich die Ergebnisse persönlich abzuholen. Vergeblich: Alles war dunkel. Als er wieder ins Rathaus kam, war dort immer noch keiner aus diesem Wahllokal da. Kurz darauf gegen 22 Uhr trudelten sie endlich ein. Sie waren wohl spazieren gegangen, sagt Dieckmann.

"Pinneberger neigen dazu alles schlecht zu reden"

Eine heftige Niederlage musste die FWB in Barmstedt hinnehmen. Nur noch drei ihrer zehn Direktkandidaten wurde gewählt. Erstmals seit 1994 ist sie nicht mehr stärkste Ratsfraktion, verlor vier ihrer neun Ratsmandate. Beinahe wäre sogar Fraktionschef Michael Schönfelder rausgeflogen. Er musste sich Montagabend dem Losentscheid mit Fraktionskollegen Axel Schmidt stellen, die beide 171 Stimmen erhielten. Doch das hatte keine Auswirkung. Wer auch das Losglück hatte, der andere rückte über die Liste nach.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Frei nach diesem Motto präsentierte Torsten Hauwetter, 44, von der CDU in Pinneberg am Wahlabend ein ganz besonderes T-Shirt. Auf diesem prangte die Aufschrift "Pinneberger neigen dazu alles schlecht zu reden." Eben diesen Satz hatte die Bürgerinitiative BIENEH in Pinneberg im Wahlkampf auf ihren Plakaten zu einer Karikatur Hauwetters gestellt und CDU und SPD als nicht wählbar bezeichnet. Der Radio- und TV-Techniker Hauwetter, der für die CDU den Finanzausschuss geleitet hat, erwies sich für die Menschen in seinem Wahlkreis 3 offenbar sehr wohl als wählbar. Mit 34,0 Prozent der Stimmen siegte Hauwetter vor SPD-Mann Klaus-Jürgen Leweck und holte das Direktmandat. "Ich bin froh, dass es nicht gelungen ist, mit Unwahrheiten Erfolg zu haben."

Aylin van Dülmen ist gerade 18 Jahre alt

Im Rat wird der Christdemokrat demnächst der wohl jüngsten Stadtvertreterin aller Zeiten in Pinneberg gegenüber sitzen. Aylin van Dülmen, die vor Kurzem erst 18 Jahre alt geworden ist, setzte sich im Wahlkreis 8 mit 35,8 Prozent der Stimmen gegen Stephan Schmidt, CDU, durch. Die Schülerin der Johannes-Brahms-Schule, die im kommenden Jahr Abi macht, war eines der jungen Gesichter gewesen, mit denen die SPD in Pinneberg Wahlkampf gemacht hatte. Das Nesthäkchen der Partei stand während der Wahlparty noch ein bisschen unentspannt zwischen ihren Mit-Genossen, die wie weiland Kanzler Schröder mit Pils und Zigarre feierten.

Einen Newcomer begrüßte Kreispräsident Burkhard E. Tiemann am Wahlabend im Kreishaus in Elmshorn . Sven Lange, designierter Abgeordneter der Piraten, informiert sich über das Wahlergebnis. Zumindest der Bestand an Parteifähnchen ist bei der Elmshorner SPD geschrumpft. Mit großem Hallo und roten Fähnchen feierten die Genossen im "Winkel", dass die "rote Hochburg Elmshorn" wieder erstarkt ist.