Ellerhoop

Ein Riesenbaum für Ellerhoop

Im Arboretum soll eine Nachbildung des 2200 Jahre alten General Sherman Tree Baumerlebniswelt und Kultstätte zugleich werden

Ellerhoop. Hans-Dieter Warda kommen die Ideen im Schlaf. Deshalb hat der Baumforscher und Leiter des Arboretums in Ellerhoop auch immer einen Block neben seinem Bett liegen. Der Einfall für sein neuestes Projekt gärt schon seit fast 20 Jahren in ihm. Er will einen Nachbau des größten Baums der Welt, des General Sherman Tree, realisieren und in diesem ein Bauminformationszentrum für Besucher des Arboretums einrichten.

Die Originalvorlage für dieses Projekt steht zur Freude vieler Touristen bei bester Gesundheit im Giant Forest des Sequoia-Nationalparks im US-Bundesstaat Kalifornien. Das geschätzte Alter des Baumes aus der Art der Sequoiadendron giganteum beträgt etwa 2200 Jahre. Damit ist er zwar immer noch nicht der älteste Baum der Welt, führt aber mit seinen gigantischen Ausmaßen die Spitze der sogenannten Berg- oder Riesenmammutbäume an. Der Stamm hat einen Durchmesser von gut elf Metern, in der Höhe erreicht der Baum sagenhafte 83 Meter.

"Mit dem geplanten Nachbau des Baumes werden wir an diese Höhe allerdings leider nicht ganz herankommen", sagt Dendrologe Warda und lacht. Nur der untere Teil des Stammes mit den mächtigen, ausufernden Wurzeln soll bis zu einer Höhe von etwa zehn Metern originalgetreu nachempfunden werden. Um den Nachbau des General Sherman Tree dabei möglichst natürlich aussehen zu lassen, hat Warda mit viel Akribie Zeichnungen angefertigt, wie dieser nach einem Stammbruch aussehen könnte.

Angefertigt werde die ganze Konstruktion in den kommenden Wochen von speziellen Baumkünstlern, erklärt Warda. Diese werden auf einem sternförmigen Fundament eine Konstruktion aus Stahlträgern und Beton errichten. Die Baumrinde wird abschließend aus gefärbtem Beton im Detail gearbeitet.

Noch in diesem Sommer soll die Nachbildung fertig werden. "Der Baum wird zum Verwechseln ähnlich", ist Warda überzeugt. Ein weiterer Clou bei seinem Projekt: In das Innere der Betonkonstruktion soll ein echter Mammutbaum gepflanzt werden. Dieser wurde von der Baumschule Bruns in Bad Zwischenahn gespendet und wartet dort nun auf seinen Transport nach Ellerhoop. Mit einem Kran soll der zehneinhalb Meter hohe und gut sechs Tonnen schwere echte Baum in die Mitte des hohlen Betonbaumes eingepflanzt werden. Der Termin für die ungewöhnliche Pflanzaktion wird voraussichtlich Anfang Juli sein. Im Arboretum soll dann ein großes Fest gefeiert werden. Besucher sind herzlich eingeladen, das Spektakel mit anzusehen.

Anschließend soll der Kunstbaum mit Echtbaumfüllung als begehbare Baumerlebniswelt für Besucher des Arboretums eingerichtet werden. Kinder, aber auch Erwachsene sollen in ihm etwas über die Funktionsweise von Bäumen erfahren können. Auch deren Entwicklungsgeschichte und insbesondere die Geschichte dieses einen Exemplars sollen in dem Informationshaus Thema sein. Immerhin, so Warda, habe das mächtige kalifornische Original über zwei Jahrtausende amerikanische Historie miterlebt - mit allen Höhen und Tiefen, wie zum Beispiel die Vertreibung der Ureinwohner Amerikas, der Indianer.

Mit seiner Installation möchte Warda eine Kultstätte für den Baum schaffen, wie er sagt. "Der Anblick soll bei den Menschen Ehrfurcht und Bewunderung auslösen." Den General Sherman Tree hat Baumforscher Warda übrigens bislang noch nie in echt gesehen. Das will der Vorsitzende des Arboretum Fördervereins aber jetzt nachholen. "Ich habe gerade meinen Reisepass verlängert, um in den nächsten Wochen den Baum im Sequoia-Nationalpark zu besuchen", sagt Warda.

Im Ellerhooper Arboretum steht der Baum zwar im Mittelpunkt, gleichzeitig können Besucher hier aber noch viel mehr erwarten, beispielsweise eine große Wiese mit 600.000 Dichternarzissen, einen See mit Lotosblumen und zahlreiche Themengärten, die das zehn Hektar große Gelände übers Jahr erblühen lassen. Jährlich zieht es bereits 100.000 Besucher in die beschauliche Gartenkunstanlage nach Ellerhoop.

Als nächstes Highlight wird ab dem kommenden Wochenende die üppige Blüte der 2500 Strauchpfingstrosen erwartet.