Kreis Pinneberg

So kreativ kann Wahlkampf sein

Parteien werben mit einfallsreichen Kampagnen: In Appen sind die Zwerge los, in Hetlingen werfen sich Politiker Bälle zu, in Pinneberg wird gekocht

Kreis Pinneberg . Wer hat in den kommenden fünf Jahren das Sagen in der Kommune? Wer kann mit seinen Überzeugungen bei den Wählern punkten? Wer wird stärkste Fraktion, stellt den nächsten Bürgervorsteher oder wird Bürgermeister in Barmstedt? Am Sonntag, 26. Mai, geht es um jedes Kreuz. Grund genug im Kommunalwahlkampf ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Während mancherorts gemurrt wird, dies sei mit Abstand einer der langweiligsten Kommunalwahlkämpfe, hat sich das Abendblatt einmal umgesehen und so einige kreative Ideen aufgespürt, mit denen die Parteien im Kreis Pinneberg 2013 aufwarten. Sie setzen mit verrückten Aktionen, auffälligen Fotokampagnen, Werbespots und medialer Präsenz Zeichen gegen die viel beschworene Politikmüdigkeit.

Der FDP-Kreisverband hat ihren Manga-Comic für Erstwähler wieder aufgelegt, den die Partei schon zur Kommunalwahl 2008 vorgestellt hat. Der Comic thematisiert Politikverdrossenheit, erklärt wichtige Begriffe und wurde nun auf Facebook erneut veröffentlicht. Zudem haben die JuLis einen Energydrink mit einem Wahlaufruf entworfen. "Nutze deine Chance. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet, das schafft man auch nach einer langen Samstagnacht", heißt es auf der Dose.

Im kleinen Ort Hetlingen liefern sich CDU und Freie Wahlgemeinschaft einen kreativen Schlagabtausch in Sachen Kommunalwahlkampf. Im 1400-Einwohner-Dorf fechten die CDU mit Spitzenkandidatin Barbara Ostmeier und die Freie Wahlgemeinschaft mit Frontmann Michael Rahn um die Vorherrschaft und damit auch um das Bürgermeisteramt. Die Christdemokraten, die derzeit acht von 13 Sitzen in der Gemeindevertretung besetzen, wollen am Ball bleiben. Auf ihren Wahlplakaten haben sie sich deshalb in Fußballoutfits geworfen. "Wir sind eine neue Mannschaft und das nächste, was wir angehen wollen, ist die Sanierung der Sportstätten. Da passte das einfach", so Ostmeier.

Die Freie Wahlgemeinschaft (FW) will frischen Wind in die Gemeinde bringen. Dafür haben die Mitglieder im Wahlkampf-Endspurt gebacken und gebastelt, und zwar Windbeutel und Windmühlen. Am Donnerstag nahmen sie zudem den Ball der Kontrahenten auf und jonglierten durch die Hetlinger Straßen. Im Internet veröffentlichten sie drei selbst gestaltete Werbespots, in denen sie die Königin schachmatt setzen. "Das ist nicht alles professionell, verbindet aber Spaß an der Politik und politische Inhalte", sagt FW-Spitzenkandidat Michael Rahn.

Auch die Pinneberger Grünen haben die Wahlkampfarbeit mit dem Vergnügen verbunden. Sie wollten nicht ihr eigenes Politik-Süppchen kochen und luden Interessierte deshalb zur Kochshow bei Küchen-Fenske in der Pinneberger Dingstätte ein. Dort tischten Verbandschef Hans-Jürgen Bethe und Vorstandskollege Peter Schultes den möglichen Wählern in spe gleich ein Sieben-Gänge-Menü auf. "Saisonal, regional und natürlich Bio", wie Hans-Jürgen Bethe betont.

Die FDP-Ortsverbände in Hasloh, Tornesch und Uetersen wollen den Bürgern die Wahl besonders schmackhaft machen. So laden die Hasloher Liberalen das ganze Dorf für diesen Freitag, 24. Mai, zum Eisessen ein. Mit einem Eiswagen und den FDP-Spitzenkandidaten geht es durch die Gemeinde. Zwei blaugelbe Gratis-Eiskugeln sollen es für jeden Bürger sein. In Tornesch und Uetersen gibt es die Wahlkampfbotschaften der FDP am Sonnabend vor der Wahl (25. Mai) bei Kaffee oder Eis. Jeweils eine Stunde lang stehen die Liberalen in der Uetersener Fußgängerzone und am Tornescher Hof für die Bürger mit den Leckereien bereit.

Bei der Appener SPD legte Bettina Martens Hand an die Wahlplakate. Die Ehefrau von Ortsvereins-Vizechef Hans Martens zeichnete zehn Heinzelmännchen mit roten Zipfelmützen, die im SPD-Bollerwagen umherziehen. "Wir wollten uns mit den Plakaten von den anderen Parteien abheben und mit der Zeichnung unser Motto 'Wir wollen was bewegen' verbildlichen", erklärt Ortsvereinsvorsitzender Nils Meins. "Wir fanden die Zeichnung klasse und die roten Zipfelmützen passen zu uns."

Für nichts zu schade ist sich Astrid Sawatzky. Sie tritt für Die Linke als Spitzenkandidatin für den Kreistag und als Frontfrau für den Wahlkampf in Wedel an. Um auf sich aufmerksam zu machen, lief sie als wandelndes Plakat durch die Straßen Wedels. So stand sie auch am Hafen der Rolandstadt und fragte: Was ist im Vergleich pro Kopf teurer, die Maritime Meile in Wedel oder die Hamburger Elbphilharmonie? Die richtige Antwort wurde von der Linken mit roten Bonbons belohnt.

Aber vor allem die Nachwuchsorganisationen der Parteien bringen Schwung, Kreativität und Farbe in den Wahlkampf 2013. Die Pinneberger Jusos haben beispielsweise losgelöst von der SPD eine eigene Kampagne gestartet. Unter dem Motto "Junge Ideen. Für Uns. Für Alle." werben sie im Kreisgebiet vor allem um junge Wähler. Sechs junge Menschen stellt die SPD-Jugendorganisation als Kandidaten für Ratsversammlungen, Gemeindevertretung und Kreistag auf.

Die Junge Union Elmshorn organisierte Anfang Mai den "JU and Friends Cup" für Jugendliche, inklusive Wanderpokal und "liquidem Sachgewinn". Zusätzlich plakatierten die jungen Christdemokraten in Elmshorn. "Schwarze Mehrheit - schwarze Zahlen, rote Mehrheit - rote Zahlen", so das Motto der JU-Kampagne.