Wedel

Der Tastentanz zündet in Wedel

Das Festival Pianos an der Elbe lockt fast 2000 Gäste in die Bootshalle des örtlichen Segelvereins

Wedel. Die Organisatoren des ersten Wedeler Festivals "Pianos an der Elbe" um den Intendanten Mathias Christian Kosel haben gewagt und gewonnen. Die Ausweitung vom Konzert zu einem dreitägigen Tastenspektakel hat sich gelohnt. Fast 2000 Besucher trotzten dem nasskalten Charme des norddeutschen Pfingstwetters, pilgerten zum ersten Norddeutschen Piano-Slam, zum Chansonabend mit Elke West, zur Boogie-Night mit Axel Zwingenberger und füllten beim Herzstück des Festivals, dem Konzert Take Five mit gleich fünf Flügeln, alle 700 Plätze in der Bootshalle des örtlichen Segelvereins.

Zwischen Appetithäppchen servierte Kosel einen dicken Klassikbrocken

Dabei kamen Kosel und seine Kolleginnen Yukari Ito, Mari Inoue, Karolin und Friederike Stegmann noch besser rüber als 2012. Das lag nicht nur daran, dass diesmal kein prasselnder Dauerregen die feineren Klangpassagen übertönte. Chefpianist und Programmgestalter Kosel moderierte die einzelnen Stücke mit gut ausgewählten Anekdoten über Pianisten und Komponisten pointierter an als im vergangenen Jahr. Die gut aufeinander eingespielten Musikerinnen meisterten die Tücken der Stücke ebenso virtuos wie 2012, wirkten dabei aber souveräner. Da fügte sich der lässige Nachwuchsmusiker Hannes Eils, Sieger des Piano-Slams, bei seinem Gastauftritt bestens ein. Geschickt hatte Kosel Welthits von Brahms, Brubeck und Bernstein zu einem leicht verdaulichen Tastenmenü verwoben, pfiffig gewürzt mit der sinnlichen Melancholie von Tango-Erneuerer Piazolla und dem Einfallsreichtum des 1953 geborenen japanischen Komponisten Yoshimatu Takashi. Dessen "Random Bird Variations" zählten zu den Höhepunkten des dreistündigen Abends. Konzentriert bis in die Fingerspitzen entfalteten die Pianistinnen Yukari Ito und Mari Inoue ein vielstimmiges Vogelstimmen-Panorama zwischen selbstvergessener Melancholie und kraftvoller Intensität. Das trillerte und tschirpte, trampelte, trippelte, träumte.

Auch, dass Kosel seinem Publikum zwischen den vielen Appetithäppchen einen dickeren Klassikbrocken, Saint-Saëns' "Karneval der Tiere" mit den bissigen Texten von Peter Ustinov, zumutete, war eine gute Idee. Zumal Kosel dabei seinem schauspielerischen Talent die Zügel schießen lassen konnte.

Die Planungen für "Pianos 2014" laufen. Piano-Slam und "Take Five"-Konzert sind nach Angaben der Veranstalter erneut gesetzt. Allerdings wird das Festival sich voraussichtlich auf zwei statt auf Tage erstrecken.