Helgoland

Vorbild für folgende Generationen

Frank Botter zum Tod des Helgoländer Ehrenbürgers und Alt-Bürgermeisters Henry Peter Rickmers

Helgoland. Henry Peter Rickmers ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Ein Herz für Helgoland hat aufgehört zu schlagen. Tief bewegt habe ich die Nachricht von seinem Tode erhalten. Mit ihm verlieren die Insulaner einen Wegbereiter für die Wiederfreigabe Helgolands am 1. März 1952 und eine Leitfigur, die für alle nachwachsenden Generationen als Vorbild diente.

Meine persönlichen Erinnerungen reichen zurück bis in die Anfänge der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Neben der persönlichen Freundschaft zwischen HP, wie er genannt wurde, und meinem Vater Peter Botter stand der Wiederaufbau Helgolands im Vordergrund der gemeinsamen politischen Arbeit. HP als hauptamtlicher Bürgermeister und Peter Botter als Bürgervorsteher waren ein Gespann, das sich nicht von parteipolitischen Zwängen dirigieren ließ, sondern ausschließlich das Wohl der Insel in den Fokus ihrer Bemühungen stellte.

HP Rickmers gehörte einer Generation an, die als junge Menschen die Brutalität und Härte des Zweiten Weltkrieges miterleben mussten. Danach war es ihm nicht vergönnt, auf seine Heimatinsel zurückzukehren, die durch die verheerenden Bombardierungen des 18. April 1945 unbewohnbar war und deren Bevölkerung auf das Festland evakuiert wurde.

Ende der 40er-Jahre wurde er zum Helgolandbeauftragten des Kreises Pinneberg berufen, kümmerte sich fortan um den Zusammenhalt der Insulaner und setzte seine ganze Energie ein, um die Wiederfreigabe zu erreichen. Dass dies gelingen konnte, war nicht sein alleiniger Verdienst, aber er hatte die strategischen Kontakte, die insbesondere bei der Beantwortung der Helgolandfrage von elementarer Bedeutung waren.

Von 1956 bis 1981 war HP Rickmers hauptamtlicher Bürgermeister seiner Heimatinsel. In den 25 Jahren seines Wirkens wurde der Wiederaufbau abgeschlossen und der Tourismusstandort weiter ausgebaut. Sein besonderes Wirken wurde 1985 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde und durch den Bundespräsidenten mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.

Mit ihm verliert die Insel einen Menschen, der sich Zeit seines Lebens für das Gemeinwohl eingesetzt hat, der wie kein anderer mit der Wiederaufbaugeschichte verbunden ist und der für viele von uns als Vorbild diente. Mögen die Lebensleistungen und die Erinnerungen an einen großen Helgoländer Platz finden in den Geschichtsbüchern, zum Ansporn für die Jugend und als Beispiel eines erfüllten Lebens zum Wohle der Inselgemeinschaft.