Barmstedt

Die Bürokratie stoppt Barmstedts Kino

Der Förderantrag für das kleine Kino wurde abgelehnt. Ohne Digitaltechnik wird das Saturn-Kino nicht mehr von den großen Filmstudios beliefert.

Barmstedt. Bislang hatte das Saturn-Kino in Barmstedt seinen Anteil am Kino-Boom im Kreis Pinneberg. Doch nun ist das Haus akut im Bestand gefährdet. "Wir sind zum Sterben verurteilt", klagt Reinhard Klietz, 64, der das kleine Kino in der Innenstadt seit vier Jahren betreibt. Sein Antrag, die geplante Digitalisierung der Projektionstechnik in seinem großen Saal 1 zu fördern, wurde jetzt abgelehnt. Die 60.000 Euro Investitionskosten könnte er sich allein nicht leisten. Aber ohne digitale Technik wird das Saturn-Kino ab Juli nicht mehr von den großen Hollywood-Studios Disney (Ralph reicht's, Bambi, Rapunzel, Winnie Puh) und Paramount (Titanic, Mission Impossible, Forrest Gump, Star Trek) beliefert.

Das hieße für Klietz, dass er keine aktuellen Filme dieser Großverleih-Firmen mehr zeigen dürfte, die ihm aber das Publikum ins Haus bringen. Zwar versteht er sich als Programm-Kinomacher, der auch jenseits der Blockbuster anspruchsvolle Filme in seinem Lichtspieltheater in der Reichenstraße zeigt. "Aber ohne die Geld-Filme kann ich nicht existieren."

Das Problem von Klietz sind die Förderrichtlinien für die digitale Technik, wie sie der Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, Bernd Neumann, sowie die Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin festgelegt haben. Darin heißt es, gefördert würden nur jene Filmtheater, "die in den letzten drei Kalenderjahren durchschnittlich pro Leinwand und Jahr mindestens einen Nettokartenumsatz von 40.000 Euro oder eine Besucherzahl von mindestens 8000 Personen" erzielt hätten.

Die Mindestquote von 8000 Besuchern erreicht das Saturn-Kino-Betreiber Klietz aber nur in seinem größeren Saal mit 75 Plätzen, den er auch nur digitalisieren will. Der kleinere Saal dagegen hat nur 28 Plätze. "Darin 8000 Besucher im Jahr zu erreichen, ist ein Ding der Unmöglichkeit", sagt Klietz. Dieser Saal müsste beinahe jeden Tag ausverkauft sein, um diese Quote zu schaffen.

Thomas Schulz, Sprecher der Filmförderungsanstalt in Berlin, bestätigt diesen ablehnenden Bescheid für das Barmstedter Kino. "Das sind Fördergelder der öffentlichen Hand. Da gibt es keine Ausnahmen." Die Mindestzahl von 8000 Besuchern sei deshalb gewählt worden, um sicherzustellen, dass nur solche Kinos gefördert würden, die einen nachhaltigen Bestand garantieren könnten, so FFA-Sprecher Schulz. Das Barmstedter Kino sei nicht das einzige, das keine Förderung erhalte. "15 Prozent der 1800 Anträge wurden abgelehnt." Von den 60.000 Euro Kosten für die Digitaltechnik hätte der Bund bis zu 80 Prozent übernommen.

Auch vom Land Schleswig-Holstein hat Klietz nicht mehr zu erwarten. Dieses fordert ebenfalls mindestens 8000 Besucher oder 25.000 Euro Einnahmen pro Saal und Jahr. Zudem endet dieses Jahr die Landesförderung, wie Ministeriumssprecher Wolf Gehrmann sagt. "Wir haben mehr als 30 Kinos im Land mit 600.000 Euro gefördert." Anders beim FFA. Die Bundesmittel stehen noch bis Ende 2015 zur Verfügung.

In Bargteheide (Kreis Stormarn) stand das dortige Cinema Paradiso vor demselben Problem. Aber nach mehreren Verhandlungsrunden übernimmt die Stadt Bargteheide 50.000 Euro für die Digitaltechnik-Ausstattung ihres beliebten Lichtspieltheaters. Ob das hoch verschuldete kleine Barmstedt das nachmachen könnte, darf bezweifelt werden. Bislang hat sich Klietz noch nicht an die Stadt um Hilfe gewandt. Er sagt aber: "Man darf nicht vergessen: Am Kino hängt Tourismus dran."

So muss sich der rührige Kinobetreiber in Barmstedt alleine helfen. Mit Server und großem Beamer hat er sich seine eigene digitale Technik installiert, die aber von den Filmverleihfilmen nicht anerkannt wird, weil die den US-amerikanischen Standard vorschreiben. "Da haben sich die Deutschen über den Tisch ziehen lassen." Aber mit dieser 11.000 Euro-Investition könne er seinen Besuchern zumindest Filme in bester Auflösung zeigen - solange bis die Mega-Studios ihn aus dem Verteiler nehmen.

Zudem fährt Klietz seine Programm-Kino-Nische weiter und zeigt interessante Dokumentar- und alte Defa-Filme, beteiligt sich mit eigenen Filmen an den Länderwochen in Barmstedt oder dem Filmforum "Psychiatrie im Film" der Beratungsstelle Die Brücke. Zudem ist sein Kino mehrfach auf Bundes- und Landesebene ausgezeichnet worden. 2011 immerhin mit 2500 Euro für sein vorbildliches Kinder- und Jugendfilmprogramm. Staatsminister Neumann überreichte diesen Preis.

So lässt FFA-Sprecher Schulz dem Barmstedter Kinobetreiber eine Hintertür offen. Es werde zurzeit auf Bundesebene darüber diskutiert, ob für die abgelehnten Förderanträge eine Härtefallregelung greifen sollte. "Wir überlegen das. Darüber ist aber noch nicht entschieden", sagt Schulz und rät Klietz, den Antrag noch mal zu stellen. Der sagt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."