Kreis Pinneberg

Im Kreis um den Maibaum tanzen

An fünf Orten von Barmstedt bis Wedel feiern die Menschen den Wonnemonat nach alter Tradition

Kreis Pinneberg . Sobald der Lenz da war, wusste Veronika schon genau, was sie sich unter dem wachsenden Spargel vorzustellen hatte. Jedenfalls kein Gemüse. Ob es an einem 1. Mai unter einem Maibaum war, dass Fritz Rotter den anzüglich-humorvollen Text für den weltbekannten Frühlingsgruß der Comedian Harmonists schrieb? Belegt ist es nicht, aber gepasst hätte es. Galten doch im 19. Jahrhundert die bekränzten Stämme mancherorts als kultische Riesenphallus-Symbole. In Bayern hatten sich Maibäume schon Jahrhunderte zuvor als christlicher Brauch etabliert und sind längst Kulturgut.

Im Kreis Pinneberg erlebt der Brauch eine Renaissance. Fünf Städte und Gemeinden pflegen inzwischen ihre eigene Kultur rund um die mit Buchsbaum und Flatterband geschmückten Stämme. In Barmstedt wird der Baum-Brauch seit mehr als zehn Jahren kultiviert. Unter der Schirmherrschaft der Stadt organisiert der Landfrauenverein auch in diesem Jahr ein Fest rund um den Maibaum. Seit März laufen die Vorbereitungen, am kommenden Montag setzt sich eine kreative Delegation der Landfrauen zusammen und stellt aus Buchsbaum und Koniferen eine meterlange Girlande sowie den krönenden Ring für die Spitze her. Die zehn Damen arbeiten erstaunlich schnell. "Das dauert nur etwa eine halbe Stunde", sagt Susanne Hachmann aus dem Vorstandstrio. Am Mittwoch, 1. Mai, um 11 Uhr tragen Helfer der Freiwilligen Feuerwehr den Stamm auf den Marktplatz, wo er per Kran aufgerichtet wird. Danach beginnen die Damen mit dem Ausschank der obligatorischen Maibowle, später gibt es Erbsensuppe. Die DRK-Tanzgruppe tritt gegen 11.30 Uhr in Trachten auf, anschließend klingen die Frühlingslieder der Barmstedter Singgemeinschaft von 1845. Werner Bies stellt wie jedes Jahr nostalgische Fahrräder und Oldtimer aus.

Auch in Barmstedts Umland ragen in zwei Gemeinden noch Maibäume in den Himmel, in Langeln und Lutzhorn. Anke Kröger, stellvertretende Bürgermeisterin in Lutzhorn: "Es gibt mir wirklich zu denken: Die Menschen im Speckgürtel Hamburgs sind gesättigt an Freizeitangeboten. Da sterben solche Traditionen schnell aus", sagt sie. Seit acht Jahren organisiert die Freie Wählergemeinschaft mit Vereinen, Verbänden und Gruppen das kleine Fest jeweils schon am 30. April um 19 Uhr am Gemeindezentrum, Grotenkamp. In diesem Jahr binden Mütter und Väter des Kindergartens Zwergentreff die Girlanden und helfen beim Aufbau.

Die Nachbarn in Langeln stemmen nicht nur am 1. Mai einen Stamm in die Vertikale, sie verbrennen schon vorher Kalorien. Denn traditionell wird es auch in diesem Jahr eine Fahrradrallye geben. Gestartet wird um 10 Uhr vom Gemeindezentrum an der Dorfstraße aus zum etwa zwölf Kilometer langen geheimen Törn. Danach wird ab 12.30 Uhr unter dem Maibaum gefeiert.

Im Süden des Kreises gibt es zwei große Maifeste, die einen Besuch lohnen. In Wedel lockt der traditionell von den Altstadtkaufleuten organisierte Umzug mit dem Maibaum Hunderte von Schaulustigen an. Um 10.30 Uhr wird der Mast in den Traditionsfarben Rot, Weiß und Blau von der Feuerwache zum Roland transportiert. Die Wappenkrone an der Spitze überragt Wedels Wahrzeichen sogar noch, am Fuß des Maibaums werden die Frauen aus der Trachtengruppe des Heimatbundes ihre Röcke schwingen. Dazu spielen die Spielmannszüge der Feuerwehren Haselau und Komet Blankenese, der Chor der Altstadtschule, die Spitzerdorf-Schulauer Sänger und das Akkordeon-Ensemble "Viva la Musica".

Besonders stolz können dieses Jahr die Moorreger sein. Sie richten zum ersten Mal in der Dorfgeschichte in diesem Jahr einen Maibaum auf. Dieter Norton, Vorsitzender des Kulturforums, hat die Tradition aufleben lassen und den Baum selbst gebaut: "Ich habe zwei Mal sechs Meter Aluminiumrohr aneinandergeschweißt, Seile zum Abspannen und eine stabile Bodenhülse besorgt", sagt er. Um 10 Uhr soll am 1. Mai das neue Wahrzeichen begleitet vom Musikzug Moorrege und von vielen Bürgern vom Bauhof auf die Gemeinde-Schulwiese an der Klinkerstraße geschleppt werden, wo der Baum gegen 10.30 Uhr aufgestellt wird. Anschließend segnet Pastor Stephan Weißflog die neue Errungenschaft ein und bittet mit Kollegin Vivian Reimann-Clausen zum Gottesdienst. Für 12 Uhr hat das Kulturforum einen Frühschoppen mit Frühstück geplant, "Time for Folk" unterhält dazu mit Livemusik.