Kreis Pinneberg

Kommunen suchen Asylunterkünfte

Zurzeit leben 268 Asylbewerber im Kreis Pinneberg. Zahl der Zuweisungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Kommunen stehen vor großen Herausforderungen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Kreis Pinneberg. Die Zahl der Flüchtlinge steigt und stellt die Kommunen vor große Herausforderungen, den Betroffenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Im Vergleich zum Vorjahr werden dem Kreis Pinnberg zurzeit doppelt so viele Asylbewerber zugewiesen wie im Vorjahr, sagt Kreissprecher Marc Trampe. 286 Asylsuchende leben zurzeit im bevölkerungsreichsten Landkreis, der nach einer festgelegten Quote 10,4 Prozent der Asylbewerber in Schleswig-Holstein aufnehmen muss.

Landesweit waren dies 2012 2076 Neuaufnahmen, fast doppelt so viele wie 2011. Von 2005 bis 2008 lagen diese Zahlen zwischen 400 und 500 pro Jahr. 85 Prozent der Asylbewerber kommen aus Afghanistan, Iran und Irak. "Allein im März wurden uns 29 Personen zugewiesen", sagt Trampe. "Die Wohnraumsituation ist kritisch. Vielerorts stehen keine Unterkünfte mehr zur Verfügung, und es müssen Wohnungen - verbunden mit erheblichem Aufwand - angemietet werden."

Diese Entwicklung bestätigen die Mitarbeiter in den Rathäusern. Martina Sözen vom Amt für Bürgerbelange in Elmshorn sagt: "Seit Sommer 2012 haben wir erheblich mehr Zuweisungen." 2012 waren es 32, mehr als in den vier Jahren zuvor zusammen. 2013 musste sie drei Familien unterbringen. "Wir sind dazu übergegangen, wieder Wohnungen anzumieten." Mitte der 1990er-Jahre wurden in Elmshorn sogar Hotels für Asylbewerber gebucht, so Sözen. "Soweit sind wir noch nicht."

Ähnlich angespannt ist die Situation in der Stadt Wedel, die seit Jahresbeginn neun Asylsuchende neu aufnahm, wie Oliver Wleklinski berichtet. "Es wird zunehmend eng. In Wedel ist der Wohnraum extrem knapp." Was die Situation verschärfe, sei die ebenfalls steigende Zahl an Obdachlosen in der Elbstadt, sagt Wleklinski. Aktuell seien 69 Wedeler wohnungslos, elf mehr als im Vorjahr. 43 Wohnungen wurden 2012 zwangsgeräumt. "Das hatten wir noch nie in Wedel."

Auch in der Kreisstadt seien die Kapazitäten der städtischen Unterkünfte ausgelastet, sagt Ordnungsamtsleiter Michael Artus. "Wir müssen teilweise Wohnungen auf dem freien Markt anmieten und haben auch schon einige Personen in Hotels untergebracht." Extrem angespannt sei die Situation in Uetersen, wo sich die Zahl der Asylbewerber in diesem Jahr auf 25 verdoppelt habe, wie Lars Mumme sagt. "Ich bin händeringend auf der Suche nach privaten Quartieren und habe auch schon eine Pension angemietet." Mumme bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Wer Platz hat, möge sich bei ihm melden (E-Mail: info@stadt-uetersen.de).

In Tornesch, wo Sozialamtsleiter Reinhard Koppers für 38 Personen seit Januar unter anderem für das Amt Moorrege Unterkünfte zu besorgen hatte, ist es noch entspannter. "Uns kommt zugute, dass die Häuser im Neubaugebiet am Tornescher See noch stehen."

Die nördlichste Asylunterkunft befindet sich in Langeln, wo das Amt Rantzau 23 Asylsuchende und drei Obdachlose in 14 Zimmern untergebracht hat. Im Neubau teilen sich jeweils zwei Parteien Kochnische und Toilette, erklärt Michael Harms. Im Altbau mit sechs Zimmern gebe es eine Gemeinschaftsdusche, Toilette und Küche. "Ich schaue einmal in der Woche nach dem Rechten", sagt der Amtsmitarbeiter. So kann er schnell Abhilfe schaffen, falls die Heizung ausfällt oder die Waschmaschine nicht läuft. Reparaturen seien eine Daueraufgabe. "Ich helfe ihnen gerne, wenn sie Probleme haben oder ein Schreiben vom Amt nicht verstehen. Das erleichtert meine Arbeit", sagt Harms und betont: "Ich habe mit keinem Probleme."

Einige Asylbewerber leben hier schon lange, wie Bubakar Maigah, 63, aus Niger, der seit 17 Jahren in der Unterkunft in Langeln lebt. Ihm gefällt es dort, sagt er. "Überall, wo man bleiben, essen und schlafen kann, geht es einem gut", sagt der Schwarzafrikaner. "Hier ist alles gut." Jaswinder Singh aus Indien, der auch schon acht Jahre in Langeln lebt, ist weniger begeistert. "Es gibt hier keinen Supermarkt. Und zum nächsten Bahnhof muss ich eine halbe Stunde laufen."

Asylbewerber und Obdachlose verstehen sich offenbar gut. "Ich komme mit den Asylbewerbern gut klar", sagt Alfons Schwarzstein, der fünf Jahre hier lebt. "Ich koche für uns ab und zu afrikanisches Essen", erzählt Maigah.