Großeinsatz der Feuerwehr

Zehn Verletzte an der Pinneberger Berufsschule

Pfefferspray führte zu Atemwegsreizung bei Schülern und Lehrern. Ein Gebäude der Pinneberger Einrichtung wurde evakuiert. Polizei leitete Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Pinneberg. Ein beißender, stechender Geruch in der Pinneberger Berufsschule hat am Freitag einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst. Zehn Schüler und Lehrer klagten über Atemwegsreizungen sowie Übelkeit und mussten vor Ort ärztlich versorgt werden. Zwei von ihnen wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Die Ursache stellte sich nach umfangreichen Untersuchungen am Nachmittag heraus: In dem geschlossenen Raum wurde eine größere Menge Pfefferspray versprüht.

Es war kurz nach 11 Uhr, als eine Lehrerin den Toilettentrakt betrat und auf den Vorfall in der Herrentoilette aufmerksam wurde. "Sie hat sofort das Schulbüro informiert. Wir sind mit mehreren Lehrern hin und haben dann sofort den Flur geräumt", berichtet eine Pädagogin. Die Kollegin, die den Vorfall aufdeckte, habe schwer Luft bekommen. Der Geruch habe sich schnell innerhalb des Traktes ausgebreitet.

Schulleiter Peter Behre ließ daraufhin die Feuerwehr alarmieren und das gesamte Gebäude, in dem etwa 350 der 1400 Schüler der Beruflichen Schule Pinneberg unterrichtet wurden, evakuieren. Pinnebergs Wehrführer Uwe Kuhlmann war als einer der ersten Einsatzkräfte vor Ort. "Man konnte in dem betroffenen Raum nicht atmen", beschreibt er seine Erlebnisse. Es sei ein scharfer, ätzender Geruch gewesen. "Das schlug sich sofort auf die Atemwege." Kuhlmann ließ daraufhin seine Einsatzkräfte nur noch mit Atemschutzmasken den Bereich im ersten Stock der Schule betreten. Die Feuerwehrleute machten umfangreiche Tests, etwa auf Säuren und Ammoniak. Kuhlmann: "Wir haben nichts feststellen können." Spuren von der Flüssigkeit seien an der Wand aufgefallen.

Der Wehrführer ließ die Fenster in dem Bereich öffnen. Die Feuerwehr setzte mehrere Hochdrucklüfter ein, um die betroffenen Räumlichkeiten zu belüften. Anschließend nahmen Kräfte vom Umweltschutztrupp der Polizei sowie des ABC-Zuges der Kreisfeuerwehr ihre Untersuchungen auf. Insgesamt waren 25 Feuerwehrleute, drei Rettungswagenbesatzungen, der Leitende Notarzt des Kreises, der Organisatorische Leiter Rettungsdienst sowie mehrere Polizeibeamte im Einsatz.

Einem Chemiker der Kreisfeuerwehr sowie einem Toxikologen des Kreises gelang es schließlich, den ausgebrachten Stoff zu identifizieren. Es handelte sich um handelsübliches Pfefferspray. Die Spezialkräfte reinigten den Bereich gründlich, um kurz vor 15 Uhr wurde endgültig Entwarnung gegeben.

Die Schüler aus dem betroffenen Trakt waren zu diesem Zeitpunkt längst zu Hause. Nach erfolgter Evakuierung hatten sie zunächst teilweise auf den Schulhöfen, teilweise in anderen Gebäuden der Einrichtung gewartet. Gegen 12.30 Uhr, als die Geruchsbelästigung dank der Belüftung abgenommen hatte, durften die Schüler für kurze Zeit in das Gebäude zurückkehren, um ihre persönlichen Sachen aus den Klassenräumen zu holen. Dann schickte Schulleiter Behre die Schüler nach Hause.

"Es handelt sich um den Trakt der Schule, in dem die Schüler aus den kaufmännischen Berufen unterrichtet werden", sagt Behre. Das Gebäude umfasst 18 Klassenzimmer. Zum Zeitpunkt des Vorfalls hätten sich etwa 350 Schüler sowie Lehrkräfte im Gebäude befunden. Der Schulleiter kann sich den Vorfall nicht erklären. "Das sind völlig unproblematische Schüler." An ähnliche Ereignisse in der Schule kann sich Behre in den 15 Jahren seiner Amtszeit nicht erinnern.

Nach der Evakuierung klagten immer mehr Schüler und auch Lehrer über ein Kratzen im Hals sowie Atemwegsbeschwerden. In den meisten Fällen half der Einsatz eines Sprays. In zwei Fällen entschieden sich die Rettungsdienstmitarbeiter zu einer vorsorglichen Einlieferung der Patienten ins Krankenhaus. Es handelte sich um die Lehrerin, die den Vorfall entdeckt hatte, sowie einen Schüler aus einem angrenzenden Raum.

Die Polizei leitete unmittelbar nach Feststellung der Ursache ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen unbekannt ein. "Wir haben einige Beweismittel sichergestellt, die uns vielleicht weiterhelfen können", sagt Pinnebergs Revierleiter Thorsten Buchwitz. Einen konkreten Tatverdacht gebe es noch nicht. Nicht ausgeschlossen wird jedoch, dass es sich bei dem Täter um einen Schüler der Einrichtung handelt. In der nächsten Woche sollen Befragungen innerhalb der Schule erfolgen. Der Unterricht wird am Montag planmäßig stattfinden.