Moment mal!

Verwarngeld zum Verschenken

Eine Glosse von Rainer Burmeister

Kein Zweifel, die Behörden sind auf dem richtigen Weg. Seit Jahren bemühen sich ihre Mitarbeiter, den Bürger nicht mehr nur als Vorgang zu sehen, sondern als Menschen. Ein schönes Beispiel dafür erlebte ich jüngst beim Begleichen einer Verwarnungsgeldforderung. Weil ich nur ein ganz klein bisschen zu schnell in einer Tempo-30-Zone gefahren war, sollte ich 15 Euro an "Kasse.Hamburg" entrichten.

Beim Ausfüllen der Überweisung stieß ich nicht nur auf das übliche Aktenzeichen, sondern zudem auf die Kundenreferenznummer. Der Verkehrssünder als Kunde! Na, wenn das kein Fortschritt ist. Während ich weitere Daten in das Online-Formular eintippte, stellte ich mir vor, was eine Verkehrsbehörde Kunden so alles bieten könnte. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Geschenkgutscheinsystem?

Neffe Niklas kriegt zur bestandenen Fahrprüfung gleich ein Bonusheft mit Tickets im Wert von 15 bis 80 Euro. Einsetzbar sind die Schecks, je nach Situation und Preisklasse, beim zu zügigen Befahren von Straßen innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften. Auch Opa Hermann würde sich wohl über ein paar Gutscheine zum Begleichen der Strafe für Parken im Halteverbot freuen.

Ach ja, spezielle Bonuspunkte gäbe es natürlich auch seitens der Behörde zu verschenken: in der zentralen Flensburger Verkehrssünderkartei.