Pinneberg
Elmshorn

Traditionsschiffe: Die Bürokratie segelt immer mit

Weil die Sicherheitsauflagen immer schärfer werden, droht vielen ehrenamtlich geführten Traditionsschiffen im Norden das Aus.

Elmshorn . Wenn Traditionssegler wie die "Gloria" oder die "Rigmor von Glückstadt" aufkreuzen, sind sie die Hingucker bei maritimen Veranstaltungen an der Elbe. Manch historischem Schiff jedoch droht das Schicksal, dauerhaft an die Ankerkette gelegt zu werden. Mit Hinweis auf die zunehmend strenge Auslegung von Zulassungsrichtlinien durch die Seeberufsgenossenschaft, kurz BG See, sagt Volker Pesch, vielen Traditionsschiffen im Norden drohe das Aus. Pesch ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Museumshäfen. Die meisten betagten Wasserfahrzeuge werden ehrenamtlich von Vereinen gepflegt. So wie die "Gloria" mit Liegeplatz in Elmshorn. "Wenn es überhaupt ein Traditionsschiff gibt, ist es unsere 'Gloria'. Aber Ängste gibt es auch bei uns", sagt Ulrich Grobe, Vorsitzender des Vereins "Ewer Gloria".

"Wir haben den Eindruck, dass man mit immer neuen bürokratischen Hürden versucht, die Traditionsschiffe abzuschaffen", so Volker Pesch für die Museumshäfen. Wie der Pinneberger Ulrich Grobe von den Freunden der "Gloria" erklärt, gibt es seit 2001 das Verfahren, dass die Eigner von Traditionsschiffen diese von der BG See begutachten lassen müssen. Und zwar alle fünf Jahre. Wer die Auflagen nicht erfüllt, muss die (deutlich höheren) Sicherheitsanforderungen für die Berufsschifffahrt erfüllen, wenn er Passagiere an Bord nehmen möchte. Dazu gehört zum Beispiel, dass ein Kapitän mit Patent das Schiff führen muss.

Die Gretchenfrage im Verfahren ist: Wie authentisch ist ein Schiff? "In manchen Fällen wurde in der Vergangenheit der Bogen überspannt", sagt Ulrich Grobe. "Nicht jedes Schiff, das alt aussieht, ist ein Traditionsschiff. Und manch einer wollte ohne Patent mit Passagieren Geld verdienen." Andererseits aber sei keines der wirklich historischen Schiffe in seiner langen Geschichte unverbaut geblieben. "Es sind bei der Bewertung immer eine Reihe von Kompromissen nötig", so der Freizeitskipper. So habe die "Gloria" natürlich eine Funkantenne am Mast, die sie nach dem Stapellauf 1898 auf der Elmshorner Kremer-Werft nicht gehabt habe. "Die BG See hat die Daumenschrauben in den vergangenen Jahren angezogen", so Grobe. Die Eigner, die versucht hätten, ihre Anerkennung vor Gericht zu erzwingen, seien gescheitert. Laut Museumshafen-Sprecher Pesch sind es aktuell mindestens 25 norddeutsche Schiffe, deren Eignern der Verlust der Anerkennung als Traditionsschiff droht.

Für die "Gloria", deren ehrenamtliche Betreiber nach den ersten Probefahrten, die für Ende April geplant sind, wieder Fahrten für Passagiere auf der Krückau und der Unterelbe anbieten werden, besteht eine behördliche Erlaubnis bis 2016. Zusätzlich zu den deutschen Vorschriften kommen laut Grobe auf die Traditionsschiffer neue EU-Richtlinien zu. "Was darin genau stehen wird, weiß bis heute niemand ganz genau. Wir betreiben schon jetzt eine Riesenbürokratie." Die EU will laut Grobe nationale Richtlinien für Traditionsschiffe angleichen. Der Hintergrund ist, dass Dänemark bereits vor einigen Jahren damit begonnen hatte, ausländische Schiffe strikt nach internationalem Seerecht zu bewerten.

Eine Maßnahme, die sich besonders gegen einstige Fischkutter aus den Niederlanden richtete, auf denen, zum Segler umgebaut, in dänischen Gewässern gewerbliche Passagierfahrten angeboten wurden. Auch die "Gloria" dürfte nicht mit Fahrgästen durch die dänische Südsee schippern. "Man würde uns sofort an die Kette legen", sagt Ulrich Grobe. Der Vereinsvorsitzende betont mit Blick auf die Fahrten mit Passagieren in heimischen Gewässern: "Traditionsschiffe sind nicht prinzipiell weniger sicher." Der Verein gebe jedes Jahr mehrere Tausend Euro nur für Überprüfungen, zum Beispiel der Feuerlöscher, aus. "Wir stecken in jeder Ecke unseres Schiffes."

Grobe und seine annähernd 15 aktiven Mitstreiter wie Joachim Bruhn, die sich um die alte Dame kümmern, sagen, dass es ihnen darum gehe, durch ehrenamtliches Engagement Kulturgut zu erhalten. "Wir wollen der Nachwelt etwas Einzigartiges hinterlassen." Ulrich Grobe: "Die Begeisterung für alte Schiffe sollte erhalten bleiben. Es geht sonst viel maritime Vergangenheit verloren."

Wer sich für die "Gloria" interessiert oder sogar selbst an und auf dem historischen Segler mitarbeiten möchte, findet viele Informationen unter www.ewer-gloria.de im Internet.