Kommentar

Emma ist auf den Hund gekommen

Eine Glosse von Frank Knittermeier

Namen sind Schall und Rauch, heißt es. Das ist Quatsch! Namen bringen ein Lebensgefühl zum Ausdruck. Vornamen zumindest. Es gab eine Zeit, in der Kevin Hochkonjunktur hatte, weil in Hamburg ein Fußballer namens Kevin Keegan populär war, später der Film "Kevin - Allein zu Haus". Fallen Namen wie Enrico, Sandro oder Kathleen, vermuten viele: Aha, real existierender Sozialismus.

Die Zeiten ändern sich, die Vornamen auch. Auch Hundenamen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Fifi, Bello, Alex - um Himmels willen. So nannten unsere Eltern Maria, Gertrud, Horst und Alfred ihre Hunde. Wer mit der Zeit geht, nennt seinen Hund Emma, bei weiblichen Hunden der Modename schlechthin. Wer seinen Hund so nennt, beweist Geschmack. Verwechslungen inbegriffen: Emma ist auch ein beliebter Mädchenname.

Aber auch sonst geht es im Hundewald bunt zu. Frauchen und Herrchen heißen heute Noah, Paul und Mia, bei den Hunden stehen Bruno und Addi (also eigentlich Adolf, aber das klingt als Rufname eher nicht so gut), Moritz, Finja, Ronja und Randi hoch im Kurs. Der Name eines possierlichen Mopses wird durch sein Hundegeschirr geadelt: Rasmus ist der Dorfsheriff. So steht es auf dem Lederriemen. Charlotte ist ein allerliebster Yorkshire-Terrier, Rainer gehört zu einer undefinierbaren Rasse. Aber auch niedlich. Sein Herrchen nicht so.

Die Hunde der nächsten Generation, man ahnt es, heißen wahrscheinlich Chantalle, Mia und Finn. Doppelnamen sind auch nett. Hans-Jürgen, der Pinscher, Klaus-Dieter, der Border-Collie, Ann-Kristin, die Cocker-Dame. Alles ist möglich.