Schenefeld

Nabu: "Das ist eine ökologische Katastrophe"

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Katy Krause

434 Bäume im Biotop an der Düpenau fallen Pflege der Stadt Schenefeld zum Opfer. Die Liste der Dinge, die die Naturschützer nach Hinzuziehung eines Biologen bemängeln, ist lang.

Schenefeld . War es ein Taifun oder ein Erdbeben? Nein. Das Bild, das sich Sparziergängern derzeit an der Schenefelder Düpenau bietet, ist das Ergebnis von städtischen Pflegemaßnahmen. Tiefe Spuren haben sie in dem Renaturierungsgebiet am Mühlendamm hinterlassen. Doch nicht nur da hat die groß angelegte Abholzaktion, der 434 Bäume wie Ebereschen, Weiden, Erlen und Birken zum Opfer fielen, sichtlich Eindruck gemacht. In Schenefeld kocht es. Es wird hitzig diskutiert und gestritten. Denn während sich einige Anwohner an der Lindenallee über das plötzliche Licht im Garten freuen und Verwaltungsmitarbeiter die Maßnahmen als notwendig deklarieren, sind andere einfach nur entsetzt.

Allen voran prangern die Mitglieder des örtlichen Naturschutzbundes (Nabu) die Aktion als völlig überzogen an. "Das einst ökologisch wertvolle Gebiet gleicht einem Truppenübungsplatz. Das ist eine Katastrophe", sagt Stefan Friedrich, Vorsitzender des Nabu Schenefeld/Halstenbek. Unterstützung bekommt der Naturschutzbund von den Schenefelder Grünen. Ihr Vorsitzender Mathias Schmitz spricht von eklatanten Fehlern. "Das hat nichts mit sachgerechter Arbeit zu tun", kritisiert er das seiner Meinung nach Wüten der von der Stadt beauftragten Fachfirmen im einst für 300.000 Mark angelegten Renaturierungsgebiet. Schockiert ist auch die Neu-Schenefelderin Nadja Galwas. Sie zog mit ihrer Familie in die nahe gelegene alte Mühle an der Düpenau ein, weil sie von dem Schenefelder Grün so bezaubert war. Wochenlang hörte sie die Motorsägen durch den Wald heulen. "Das ist so schlimm, was hier passiert ist", sagt sie.

Die Liste der Dinge, die die Naturschützer nach Hinzuziehung eines Biologen bemängeln, ist lang. Unter anderem werfen sie der Stadt vor, dass ein Großteil der gefällten Bäume gesund gewesen sei. Zudem hätten sie auch keine Gefahr für Sparziergänger bedeutet, weil sie weit von offiziellen Wegen entfernt standen. Die Vegetation sei auf Jahre zerstört und nicht wiederherzustellen. Der hinzugezogene Biologe Joachim Thiede aus Hamburg prangert vor allem das radikale Stutzen der Weißdornsträucher an. "Sie stellen aufgrund der Dornen geschützte und besonders wertvolle Brutplätze für gebüschbrütende Vögel da", sagt Thiede. Zudem monieren die Naturschützer, das bei den Pflegemaßnahmen in dem Bachbiotop schwere Geschütze aufgefahren wurden. Erdkröten und Amphibien, die im Erdreich überwintern, hätten laut Nabu diese Kettenfahrzeuge, die tiefe Schneisen hinterließen, nicht überlebt.

Bürgermeisterin Christiane Küchenhof weist alle Vorwürfe zurück. "Wir würden doch nicht willkürlich und aus Spaß an der Freude Bäume fällen", sagt die Verwaltungschefin. Sie verweist auf das Gutachten eines Instituts für Baumpflege, das den Bäumen eben ihre Standfestigkeit absprach. "Solche Gutachten können wir nicht ignorieren. Das ist eine Frage der Sicherheit." Ähnliches teilte sie auch den Mitgliedern des Nabu in einem Gespräch und später auch in einem Schreiben mit.

Letzteres flatterte Nabu-Chef Stefan Friedrich vor einigen Tagen ins Haus und sorgt für weiteren Unmut. Denn auf einen Großteil des Forderungskataloges, die der Nabu nach der Kahlschlag offiziell an die Stadt richtete, geht die Bürgermeisterin nicht ein. Sie sind keinen Klärungsbedarf, lehnt personelle Konsequenzen ab und schreibt dem Nabu: "Es wurde nichts falsch gemacht."

Einzig in Sachen Informationspolitik geht die Stadt einen Schritt auf die Naturschützer zu. Küchenhof verspricht: "Der Nabu wird ab sofort rechtzeitig vor jeder Baumfällung informiert." Das erlaubt den Naturschützern zumindest gegebenenfalls ein Gegengutachten einzuholen.

Das ist aber nur ein schwacher Trost für die ehrenamtlichen Nabu-Mitglieder, die seit Jahren das Gebiet am nahe gelegenen Friedrichshulder See pflegen. Für sie war die groß angelegte Aktion ein Schlag ins Gesicht. Ein Großteil der Mitglieder will den Betreuungsvertrag mit der Stadt für das Gebiet Friedrichshulde aufkündigen.

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