Schenefeld

Berater sorgen für ein stolperfreies Zuhause

Freiwillige Helfer stehen Senioren zur Seite, die eine Wohnung ohne Barrieren brauchen

Schenefeld. Der Briefkasten hängt zu tief. Der schöne Läufer ist eine gefährliche Stolperfalle, und ins Bad gehört ein Haltegriff. Wenn die Wohnraumberater ein Zuhause betreten, dann sehen sie die Dinge mit ihren geschulten Augen in einem ganz anderen Licht. Auf die Kleinigkeiten kommt es an, darin sind sich die ehrenamtlichen Helfer einig, die über eine ganze Reihe praktischer Tipps und Tricks verfügen. Die haben sich die Architekten, Handwerker, Rechtsanwälte und Kaufleute während ihres beruflichen Werdeganges sowie in einer dreitägigen Schulung erworben. Ihr Wissen rund um ein barrierefreies Leben stellt die Gruppe nun kostenlos zur Verfügung. Von sofort an bieten sie in der Schenefelder Sozialberatung am Osterbrooksweg jeweils montags von 15 bis 17 Uhr eine Sprechstunde an. Dann sind sie auch telefonisch unter 040/83 03 73 75 zu erreichen.

Die Idee hierzu ist bereits vor zwei Jahren geboren worden. Wera Lange vom Seniorenwerk des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein fand in Ingrid Köhler-Krüger, Leiterin der Schenefelder Sozialberatung, eine begeisterte Befürworterin. Mit Hilfe des Freiwilligen Forums wurden die nötigen ehrenamtlichen Wohnraumberater gefunden. Vor einem Jahr gründete sich die Gruppe, die bis heute ein Netzwerk aufbaute, eine Schulung durchlief und lernte, wo es welche Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten gibt. Derzeit sind es zwei Frauen und drei Männer, die anderen zur Seite stehen wollen, wenn diese ihre Wohnung barrierefrei umgestalten.

Darunter ist auch Brigitte Riek. Die ehemalige Verwaltungsmitarbeiterin war unter anderem im Schenefelder Rathaus Beauftragte für Menschen mit Behinderung. Heute engagiert sie sich besonders stark im Sozialverband, berät dort Hilfsbedürftige. Riek hat aber auch am eigenen Leib gespürt, was für Barrieren sich im Alter plötzlich auftun können. Sie selbst hat Probleme mit der Hüfte. Nach einer Operation fiel ihr nicht nur das Gehen schwer. Einfache Handgriffe, wie das Zubinden der Schuhe oder das Eincremen der Beine, wurden zur großen Herausforderung. Riek nahm sie mit kreativer Bravour. In die Turnschuhe wickelte sie ein Gummiband, und fürs Eincremen besorgte sie sich im Baumarkt eine Malerrolle - "ohne Lammfell", wie sie betont. "Dann rollt es sich besser." Fürs Kartenhalten empfiehlt Riek, das Blatt in eine Kleiderbürste zu stecken, und fürs Kämmen bei Schulterproblemen rät sie zum Kleiderbügel als Verlängerung des Arms. "Man muss nur Ideen haben, dann geht alles viel leichter", sagt Riek. Wohnraumberater Bernd Egerland fügt hinzu: "Es gibt so viele Hilfsmöglichkeiten. Man muss sie nur kennen oder jemanden haben, der sie einem sagt."

Das Wissen weitergeben und so möglichst vielen zu einem langen selbstständigen Leben verhelfen, ist das Ziel der ehrenamtlichen Helfer und von Initiatorin Lange. Die zertifizierte Wohnberaterin sieht dringend Bedarf nach altersgerechtem Wohnraum. "Nur fünf Prozent der Wohnungen in Deutschland sind für Menschen mit Gehstock, Rollator und Rollstuhl geeignet. Dabei gibt es immer mehr ältere Menschen", sagt Lange.

Deshalb soll die Schenefelder Gruppe aus Wohnraumberatern auch nicht die letzte im Kreis Pinneberg gewesen sein. "Ich möchte mehr Beratungsstellen aufbauen", sagt Lange. In Uetersen gibt es bereits Interesse. Auch die Schenefelder sind bereit, über die Stadtgrenze hinaus zu Beratungsbesuchen zu fahren. Aber sie müssen sich aufs Umland konzentrieren. Denn die Fahrtkosten werden allein durch Spenden finanziert.