Deutsche Bahn

Tornesch kämpft für mehr Zughalte

Die Bahnplaner des Landes machen aber wenig Hoffnung. Torneschs Bürgermeister Roland Krügel fordert Stopp der Regionalexpress-Züge.

Tornesch/Pinneberg. Der Kreis Pinneberg, mit mehr als 300.000 Einwohnern bevölkerungsreichster Kreis Schleswig-Holsteins, wird zu großen Teilen von Dezember 2014 an von schnellen Zugverbindungen nach Hamburg und Kiel abgehängt. Das ist die Botschaft, die nach dem Vortrag von Jochen Kiphard von der Landesweiten Verkehrs-Servicegesellschaft (LVS) über Konsequenzen und Auswirkungen der Ausschreibung für das Bahnnetz Mitte in Schleswig-Holstein am Dienstagabend im Kreis-Verkehrsausschuss bei den Politikern hängen blieb.

Die Regionalexpress-(RE)-Züge, deren Takt ab Ende 2014 von ein- auf zweimal stündlich erhöht wird, halten zwar in kleinen Kommunen wie Brokstedt und Wrist, im Kreis Pinneberg fast nur noch in Elmshorn. Die Pendlerhochburg Tornesch wird weiterhin von den Expresszügen nicht beachtet, nur für die ebenfalls ab Mitte Dezember 2014 fast komplett vom RE abgehängte Kreisstadt Pinneberg sind möglicherweise noch ein bis zwei zusätzliche RE-Halte in Nachverhandlungen möglich.

Torneschs Bürgermeister Roland Krügel, CDU, ist sauer. Während die Mitglieder seiner Ratsversammlung am Dienstagabend noch einmütig vom Land Zughalte des Regional-Expresses in Tornesch einforderten, war er schon mit Wut im Bauch auf dem Rückweg vom Kreis-Verkehrsausschuss. "Die haben uns überhaupt nicht auf dem Zettel", sagt der Bürgermeister. Offenbar sei den Planern in Kiel immer noch nicht klar, was der Kreis Pinneberg für das Land bedeute. Die Züge in Tornesch seien schon jetzt übervoll, sagt Krügel, da nützten auch einige Durchgänger mehr nach Altona und Hauptbahnhof wenig, selbst wenn die Zahl der Waggons aufgestockt werde. Für die LVS sei es offenbar wichtiger, dass Reisende von Kiel nach Hamburg eine Sitzplatzgarantie bekommen, als dass die Berufstätigen zur Arbeit kommen. "Unsere Pendler würden sogar stehen." Auch für die Fachkräfte in den Tornescher Unternehmen werde die Anfahrt mit dem Zug immer schwerer, ganz abgesehen davon, dass mit dem Ausbau der Autobahn 7 vom nächstem Jahr an zehn bis 15 Jahre Dauerstaus vor dem Elbtunnel mit Rückstau bis Quickborn und Elmshorn zu erwarten seien. "Uns hilft nur noch politische Unterstützung", sagt Krügel und appelliert an Verkehrsminister Reinhard Meyer, sich vor Ort einmal sachkundig zu machen.

Unterstützung erhält Krügel von Kai Feuerschütz, CDU, dem Vorsitzenden des Kreis-Verkehrsausschusses. Bei der LVS sei immer nur die Rede von der Verbesserung der Sitzplatzkapazitäten im Express von Kiel nach Hamburg, "aber nie von einer Verbesserung der Taktfrequenz". Es sei nicht einzusehen, dass die schnellen Züge durch den Bahnhof Tornesch inmitten einer Region von mehr als 30.000 Menschen rauschen, dafür aber in Wrist mit knapp 2500 Einwohnern zwischen Kellinghusen und Bad Bramstedt haltmachen.

Helmuth Kruse, Grüne, schlägt in die gleiche Kerbe. Es sei unverantwortlich, ständig davon zu sprechen, die Leute von der Straße auf die Bahn zu holen und dann derartige Steine in den Weg zu legen. Kruse kündigte an, das Thema beim Landesparteitag der Grünen am Wochenende auf jeden Fall zur Sprache zu bringen.

Claudius Mozer von der Südholstein-Verkehrsservice-Gesellschaft (SVG), die den Busverkehr für die Kreise Pinneberg und Segeberg steuert, geht davon aus, dass sich die Bahnfahrer der Region mit den Änderungen des Zugverkehrs weitgehend abfinden müssen. "Das Land will schnellere Zugverbindungen zwischen Hamburg und Kiel und macht deshalb einen Unterschied zwischen schnelleren, lang laufenden Regionalexpress-Zügen und kürzeren, langsameren Regionalbahnen." Anders als bei großen Bauprojekten müsse das Land die betroffenen Kommunen dazu nicht vorher anhören oder gar um Erlaubnis fragen, verweist Mozer auf die Rechtslage. "Das brauchen wir als SVG auch nicht, wenn wir irgendwo Buslinien streichen." Ob das klug sei, sei eine andere Frage. "Ich hoffe, dass sich die Planer bei der LVS gut überlegt haben, was sie da tun." Denn eigentlich sei es die Aufgabe der LVS und ihr Selbstverständnis, den Bahnverkehr attraktiver zu machen. Wenn ihre Planungen nun zunehmend Proteste bei den betroffenen Kommunen und Bürgern auslösten, könne dies bezweifelt werden.

"Aber das Land ist ganz allein verantwortlich", sagt Mozer. Darum halte er die Chancen für gering, doch noch mehr Zughalte für Tornesch und Pinneberg zu erreichen. "Vielleicht hätten aber auch alle Beteiligten bereits vor zwei Jahren aufpassen und sich zu Wort melden müssen, bevor diese Zugverbindungen von der LVS ausgeschrieben wurden. Aber kein Fahrplan ist auf ewig in Stein gemeißelt."