Pinneberg

Niemand stoppt diese Truppe

Am 14. März bringt die Pinneberger Musical Company den Broadway-Hit "Hairspray" auf die Bühne. Ein Probenbesuch

Pinneberg. Sebastian "Gniechel" Christ hat in seinem Bühnenleben in den Inszenierungen der Pinneberger Musical Company schon so einiges verkörpert. Singende Kleinkinder im Sandkasten und skurrile Apostel zum Beispiel. Aber noch nie eine richtig dicke Frau. Das wird ab Donnerstag, 14. März, anders. Dann hat der Broadway-Klassiker "Hairspray" Premiere auf der Bühne des Pinneberger Hotels Cap Polonio am Fahltskamp 48. Als füllig-mütterliche Edna kann der schlanke 34-Jährige in dieser Inszenierung sein komisches Talent nach Herzenslust ausspielen.

Schon bei den Proben in der Aula der Pinneberger Grund- und Gemeinschaftsschule bringt Christ seine Mitstreiter auf und hinter der Bühne zum Lachen, wenn er sich in gespielter Verzweiflung die künstlichen Brüste seines Fatsuits festhält. "Ich spiele die Mutter der Hauptfigur. Sie ist extra so angelegt, dass sie von einem Mann verkörpert wird", sagt Christ. Er betrachtet die ungewohnte Rolle als Herausforderung. "Ich habe mir einige weibliche Verhaltensweisen in meiner Umgebung abgeguckt", sagt er.

"Hairspray" ist eines der erfolgreichsten Broadwaymusicals mit mehr als 2500 Aufführungen allein in New York. Basierend auf einem Film aus dem Jahre 1988, der kein Musical ist, wurde es vor sechs Jahren mit John Travolta erneut verfilmt, diesmal als Musical. Die Handlung spielt Anfang der 60er-Jahre und dreht sich um die pummelige Tracy, die unbedingt in der Corny Collins Show im Fernsehen auftreten möchte. Mutter Edna hat Bedenken. Beim Casting für die Show trifft Tracy auf den schönen Link, der mit der arroganten Amber zusammen ist. Nachdem Tracy beim Casting wegen ihres Aussehens durchgefallen ist, lernt sie eine Gruppe schwarzer Tänzer kennen, die auch nicht in der Show auftreten dürfen. Zusammen sorgen sie für reichlich Wirbel, landen im Gefängnis und am Ende doch noch in der Fernsehshow.

In der Pinneberger Variante des Klassikers verkörpert Sara Rosu, 26, die Tracy. "Das ist schon die perfekte Rolle für mich, denn ich bin genauso klein und knuffig", sagt sie am Rande der Proben. Als eine der wenigen im Amateur-Ensemble hat sie eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. Dennoch möchte sie sich nicht über ihre Kollegen stellen. "Alle, die bei diesem Stück mitspielen, mussten ein Casting überstehen. Das merkt man deutlich, denn das Niveau ist ganz schön hoch." In der Rolle der Tracy ist sie fast die gesamte Spielzeit hindurch auf der Bühne zu sehen. "Gerade der erste Akt ist schwer, denn da bin ich tatsächlich in jeder Szene dabei. Mal eben einen Schluck Wasser trinken ist da unmöglich", sagt Sara Rosu. Und so kann sie erst in der Pause, nach dem ersten Akt, das erste Mal so richtig Luft holen.

Regisseur Andreas Hettwer, 45, dagegen steht gerade während der letzten Wochen vor einer Premiere unter Dauerstress. "Während einer Probe steht man sowieso unter Strom", sagt das Urgestein der 1999 gegründeten Musical Company. Als langjähriger Darsteller und Sänger bei den vielen Inszenierungen der Company von "Jesus Christ Superstar" bis "Mütter" hat er die Situation im Rampenlicht häufig genug erlebt. "Aber damit hört es nicht auf. Ich arbeite neben meinem Job noch 30 Stunden extra pro Woche mit meiner Assistentin Ulrike Merker zusammen, weil man ständig etwas verändern muss."

Bei dieser Probe überlegt er, wie er die Kisten auf der Bühne stapeln soll. "Die Kisten sind mein Baby, sie lassen sich als Requisite schnell von einem Gegenstand in einen anderen umwandeln", sagt er und packt an. Aus neun Kisten, die eine Pyramide bilden, baut er einen Quader. Der soll im zweiten Akt ein Bett darstellen. Dann wird nämlich Darstellerin Amelie Puschban, 16, die die Penny Pingleton spielt, an eben dieses Bett gefesselt. Für sie ist ihre Rolle in "Hairspray" der erste Auftritt vor einem größeren Publikum. "Ich habe zwar Gesangs- und Tanzunterricht an der Stage School in Hamburg, aber vor so vielen Leuten, wie wir zu 'Hairspray' erwarten, habe ich noch nie gesungen", sagt sie."Ich mache mir lieber keine Gedanken darüber, dass viele Zuschauer kommen, sonst wird mir ganz anders." Zu singen, das ist ihr großer Traum. "Wir gehen immer mit der Familie in der Weihnachtszeit in Musicals, und eines Tages möchte ich selbst gern auf einer so großen Bühne stehen", sagt Amelie Puschban.

Fürs erste bleibt sie aber in Pinneberg ans Bett aus Kisten gefesselt, singt im zweiten Akt aber noch bei einer Ballade und beim schnellen und lauten Finalsong, "Niemand stoppt den Beat", mit. Dass das Lied so schnell und laut ist, dafür sorgt der musikalische Leiter Till Domidian, 20. Er trägt die Verantwortung dafür, dass die Musik immer im richtigen Augenblick einsetzt und dass die Band nicht schneller spielt, als die Darsteller singen.

Bei der vorhergegangenen Produktion der Musicalcompany hatte er noch selbst auf der Bühne gestanden. "In diesem Jahr ist der langjährige musikalische Leiter Marcus Pohle ausgefallen und da hab ich den Job halt übernommen. Musik ist meine Leidenschaft."

Das sieht und vor allem hört man. Domidian kann während der fünfstündigen Probe die Finger nicht von den Instrumenten lassen. Und gemeinsam mit Pianist Veit Grösch baut er die Partitur je nach Bedarf und beinahe auf Zuruf jeweils so um, dass Regisseur Hettwer zufrieden ist.

Es ist spät geworden. Draußen ist es bereits dunkel, als Regisseur Andreas Hettwer gegen 18 Uhr schließlich den Feierabend einläutet: "Alles klar, ich denke, das war es für heute." In Minuten zerfällt die Gruppe, die eben noch synchron zusammen getanzt hat. Das Chaos bricht aus. "Bitte packt die Scherzartikel wieder in die blaue Tüte, das sind nämlich meine", ruft Sebastian Christ in das Gewusel.

In einer Ecke versucht Hauptdarstellerin Sara Rosu, sich von ihrer Perücke zu befreien. Die hat sich in ihren Haaren verhakt. Mitten im Raum steht Regisseur Andreas Hettwer und ärgert sich darüber, dass jemand ein Kostüm einfach auf den Boden geworfen hat.

Nur einer bleibt ruhig. Musiker Till Domidian hat sich an den Konzertflügel gesetzt. Nutzt die Gelegenheit, spielt "Niemand stoppt den Beat" noch einmal ganz für sich allein. Es scheint, als sei dies nicht nur ein Song. Denn ein bisschen beschreibt er auch das bunte Treiben dieser Pinneberger Musicalcompany.

Nach der Premiere am 14. März von 19.30 Uhr an im Pinneberger Hotel Cap Polonio, Fahltskamp 48, zeigt die Musical Company das Musical "Hairspray" noch weitere neun Mal dort. Bis einschließlich Sonnabend, 23. März, hebt sich der Vorhang jeden Abend um 19.30 Uhr. Karten zu jeweils 17 und 13 Euro gibt es im Vorverkauf in der Pinneberger Buchhandlung Bücherwurm, Dingstätte 24, und im Internet unter der Adresse www.musical-company.net .