Appen

Bei der Landpolizei bleibt die Tür zu

Nach dem Aus für Appener Station steht jetzt auch Moorrege auf der Kippe. Kommunen kämpfen um ihre Dorfsheriffs

Wedel/Moorrege/Appen . Angst um die Zukunft der lieb gewonnenen Dorfsheriffs gab es in kleinen Gemeinden im Kreis Pinneberg schon länger. Jetzt zeichnen sich konkrete Schließungspläne ab. In Appen und Moorrege werden die Bewohner in Zukunft wohl auf ihre Polizei vor Ort verzichten müssen. Die Schließung der Zwei-Mann-Polizeistation in Appen, die zum Polizeirevier Pinneberg gehört, scheint nach Informationen des Abendblatts beschlossene Sache. Auch für die zum Revier Wedel zählende Polizeistation Moorrege, in der fünf Beamte Dienst tun, gibt es konkrete Überlegungen, die Stellen in die Polizeistation Uetersen zu verlagern.

Reimer Kahlke, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in den Kreisen Pinneberg und Segeberg, sagte am Montag im Gespräch mit dem Abendblatt: "Es gibt einen Antrag, die Station in Appen auf Dauer zu schließen und für Moorrege besteht die feste Absicht, dies zu tun." Die betroffenen Beamten vor Ort seien bereits informiert worden, sagt Kahlke, der auch Personalrat ist. "Die Polizei muss überall Kosten sparen. Es ist die pure Not", so der Gewerkschafter.

Dirk Petersen, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Segeberg, sagte auf Anfrage: "Wir haben 50 Dienststellen und befinden und an einigen Stellen mitten in organisatorischen Überlegungen. Was Appen und Moorrege angeht, so ist nichts in trockenen Tüchern. Für Appen besteht in der Tat die Überlegung, die Dienststelle zu schließen. Hierzu wird an einer Vorlage fürs Innenministerium gearbeitet. Die Entscheidung wird dort getroffen."

Im Gebäude an der Hauptstraße in Appen hatte bis zum Herbst 2012 noch ein Beamter Dienst als Dorfsherriff getan. Wegen einer Erkrankung des Polizisten war die Station dann bis auf weiteres geschlossen worden. Nacht- und Notfalleinsätze für den Bereich Appen werden seit langem vom Revier im benachbarten Pinneberg aus gefahren.

Was die deutlich größere Station an der Amtsstraße im Nachbarort Moorrege angeht, so sagte der stellvertretende Chef der Direktion: "Es gab erste Gespräche. Wir reden über eine Entscheidung in deutlich ferner Zukunft." Petersen weiter: "Es kann sein, dass der Standort Moorrege in Zukunft nicht mehr die Bedeutung hat wie bisher." Genau das befürchtet Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg, CDU. "Wir wurden mit unserer Polizeistation vor Ort hier bisher bestens bedient. Man hatte ein sicheres Gefühl. Ob das dann so bleibt, bezweifle ich." Leitender Beamter Rainer Jürgensen hat gleich nachgerechnet. Wenn die Polizeistation in Moorrege schließt und dafür von Uetersen aus der Bereich mit abgedeckt wird, lautet sein Fazit: "Unterm Strich hätten wir so sehr viel weniger Polizei vor Ort."

In einem Brief an das Kieler Innenministerium machen die zum Amt Moorrege gehörenden sieben Kommunen ihrem Unmut Luft. Sie appellieren für den Erhalt der Polizei vor Ort. Allerdings zeigen sie sich zum Kompromiss bereit und unterbreiten das Angebot, die kleinen Polizeistationen in Moorrege zu einer Art Elbmarschenwache zu bündeln. An nötigen finanziellen Umbauten würde sich das Amt sogar beteiligen, heißt es in dem Schreiben.

Rüdiger Grünewald, Leiter des Polizeirevers Wedel, zu dem Moorrege und Uetersen gehören, sagte am Montag, dass es in absehbarer Zeit konkrete Überlegungen zur Station Moorrege geben werde. "Diese Frage drängt sich angesichts der räumlichen Enge zwischen Moorrege und Uetersen doch auf", sagt Grünewald. Schließlich argumentiere die Amtsverwaltung selbst, sie sei ein Amt für sieben Kommunen. Da müsse die Polizei ähnlich argumentieren dürfen.

Zum Revier Wedel zählen auch die beiden Ein-Mann-Stationen in Haseldorf und in Holm. Wie der Revierleiter sagt, besteht der Plan, 2014, wenn der Haseldorfer Dorfpolizist Michael Beutel in Ruhestand geht, den Mini-Posten in der Marsch aufzugeben.

Polizeigewerkschafter Kahlke glaubt, dass sich die Struktur der Polizei in Schleswig-Holstein weiter verändern wird: "Die kleineren Stationen im Land sehe ich alle in Gefahr." Ihm als altem Landpolizist tue das Aus für die kleinen Einheiten in der Seele weh. "Man muss aber zugeben, dass jüngere Kollegen das so nicht mehr wollen", sagt Kahlke.

Dirk Petersen, der den Führungsstab der Polizeidirektion in Bad Segeberg leitet, sagt zu den Umstrukturierungen: "Wir werden bei der Polizei mit den Lösungen von gestern nicht die Probleme der Zukunft meistern können."