Moment mal

Do the Pinneberger Baker Shake

Eine Zappelei von Claudia Eicke-Diekmann

Zu Anfang fand ich's doof. Was viele Millionen Menschen mögen, muss mir nicht gefallen, oder? Was, bitte schön, ist daran lustig, wenn Leute in Gruppen ungelenk tanzen zu Geräuschen, die weit entfernt sind von dem, was ich unter Musik verstehe? Und wenn sich die Akteure beim Buckeln, Recken, Schütteln filmen und die Zappelei zudem in schier unendlich vielen Versionen veröffentlichen? So passiert es mit dem Harlem Shake.

Schon wenige Tage, nachdem ich erstmals vom Harlem Shake gehört hatte, wandelte sich meine Ablehnung in Neugier. Gebe ich den Namen des Tanzes, der laut Wikipedia seinen Ursprung 1981 im New Yorker Stadtteil Harlem hat, bei YouTube ein, liefert mit das Videoportal aktuell etwa 363.000 Filmchen. Das Original "Do the Harlem Shake" zählt mehr als 28 Millionen Views, der Harlem Shake der Uni Bayreuth immerhin eine Million Aufrufe und der von der Feuerwehr Ahrensburg vor knapp zwei Wochen eingestellte Shake verzeichnet mehr als 750.000 Klicks. Spätestens bei den shakenden Lebensrettern aus dem befreundeten Kreis Stormarn musste ich laut lachen. Sekunden später fühlte ich mich bei der Ehre gepackt. Was die Ahrensburger können, schaffen doch wohl auch die Pinneberger. Also suchte ich explizit nach Harlem Shakes aus dem Kreis Pinneberg, fand zunächst ein Schüler-Video. Darin setzt sich ein Junge einen Klappstuhl auf den Kopf. Ich fand auch eines aus einer Wedeler Tanzschule, in dem sich ein Mensch mit Pferdekopf auf dem Boden wälzt.

Ein Video, das es mit dem Rest der Shaker-Welt aufnehmen kann, stammt von einer Pinneberger Bäckerei. Es zeigt eine zunächst brave Azubi-Truppe beim Teigkneten. In Part zwei verwandelt sich der Bäckernachwuchs in eine in der Backstube tobende, auf Teigrührmaschinen reitende und Mehl durch die Luft werfende, kostümierte Truppe. Der Pinneberger Harlem Shake endet nicht wie all die anderen im Nichts. Ziel des Videos des Bäckers mit der Vorliebe für die Farbe Pink: Es soll Mitshaker, ich meine, Auszubildende werben. Also los, Leute: Do the Pinneberger Baker Shake!