Moment mal!

Chaosforschung im Verkehrsstau

Eine Glosse von Bernd-Olaf Struppek

Wenn sich in Patagonien ein kleiner Junge die Nase schnäuzt, fliegt auf Madagaskar ein Schwarm Möwen auf. Und in China fallen drei Millionen Menschen von der großen Mauer. Oder jedenfalls so ähnlich. So richtig habe ich das nie verstanden, was Chaosforscher treiben. Statt Möwen könnte es auch um Schmetterlinge gegangen sein. Gemerkt habe ich mir auf jeden Fall, dass kleinste Abweichungen, rein theoretisch, am Ende einer langen Ereigniskette große Auswirkungen auf ein ganzes System haben können. Wir Norddeutschen sagen, zugegeben eher unwissenschaftlich, das sowas von sowas kommt.

Ich werde heute Morgen wieder meine ganz eigene Chaos-Theorie-Forschung betreiben. Im Auto sitzend, im Stau stehend. Warum war vorige Woche, auf die Minute genau zur gleichen Zeit, diese Straße frei befahrbar?

Ich sag nur, Chaostheorie. Vermutlich war es so: Weil in Norilsk der Schneepflugfahrer Igor S. etwas zu weit rechts gefahren ist, da er gestern Abend ein Glas Wodka zu viel hatte und ein kleines Schneegestöber auslöste, hoppelten am westlichen Ural neun Kaninchen vor den Schnellzug nach Moskau, weshalb in Norderstedt und Langenhorn Herr W. und andere 84 Personen ihre grau-blaue Krawatte nicht gleich fanden und kurz darauf vom Krohnstieg aus einen Stau produzierten, der bis nach Bönningstedt reicht. Und in dem ich jetzt stehe. Was'n Chaos!