Pinneberg
Aufschwung

Pharmafirma - rasantes Wachstum in Tornesch

Das Unternehmen Medac muss - schneller als geplant - für zehn Millionen Euro das neue Logistikzentrum an der Autobahn 23 erweitern.

Wedel/Tornesch. Hochmodern, nagelneu und bereits viel zu klein: Das Logistikzentrum des Pharmaunternehmens Medac in Tornesch ist noch nicht einmal zwei Jahre alt und muss bereits aufgestockt werden. Zwar hatte das Wedeler Unternehmen beim Kauf des 32.000 Quadratmeter großen Grundstücks im Tornescher Gewerbegebiet bereits mit Blick auf künftige Erweiterungsmöglichkeiten sehr viel mehr Boden erworben, als für den 13.200 Quadratmeter großen Bau benötigt wurde. Allerdings hatte keiner in der Geschäftsführung damit gerechnet, dass man so schnell man auf diese Flächen zurückkommen muss.

Medac geht es so gut wie lange nicht. Das international tätige Pharmaunternehmen mit Hauptsitz in Wedel schwimmt auf der Erfolgswelle und wächst rasant. Das vergangene Geschäftsjahr schloss Medac mit einem Umsatzplus von 27 Millionen Euro ab. Das sind zehn Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei den Arbeitsplätzen in Deutschland legte das Unternehmen kräftig zu. 192 Mitarbeiter mehr als noch 2011 (703 Angestellte) schlagen Ende 2012 zu Buche. Derzeit sind weitere 24 Stellen offen. Es läuft eben so gut, dass das neue Logistikzentrum in Tornesch bereits zu klein geworden ist. Es muss erweitert werden.

In den kommenden Monaten rollen bereits die Bagger. Auf 1600 Quadratmetern entsteht der 29 Meter hohe Bau. Zehn Millionen Euro lässt sich das Unternehmen das vollautomatische Palettenlager kosten, das spätestens 2015 in Betrieb genommen werden soll. Damit nicht genug. Geplant sind die Schaffung weiterer Büroflächen am Standort kurz hinter der Abfahrt zur Autobahn 23. Wann mit dem nötigen Büroanbau begonnen wird, dazu mochte sich die Geschäftsführung noch nicht äußern.

Was den Tornescher Bürgermeister Roland Krügel jubeln lässt, bereitet in Wedeler zunehmend Kopfzerbrechen. Die Angst, das wachsende Unternehmen Medac könne sich mit den 558 Arbeitsplätzen samt den kräftigen Gewerbesteuereinahmen ganz aus Wedel verabschieden, geht um. Zwar hatten Rathauschef Niels Schmidt und Wirtschaftsförderer Manuel Baehr versucht, dem Unternehmen auch in Wedel eine Perspektive aufzuzeigen, aber es scheiterte an den begrenzten Möglichkeiten. Auf der einen Seite ist das Medac-Grundstück in Wedel verlaufen die S-Bahngleise, auf der anderen Seite die Bundesstraße 431. Die Idee aus dem Rathaus, den Theaterparkplatz für eine Erweiterung des Hauptsitzes zu nutzen, stieß bei der Geschäftsführung auf wenig Gegenliebe.

Unter anderem wäre der Bau einer zweigeschossigen Tiefgarage nötig gewesen, aber das wäre ins Geld gegangen. "Wir haben alles versucht, eine Erweiterung in Wedel zu ermöglichen. Am Ende haben sich die Gesellschafter der Medac aber für Tornesch entschieden. Das tut uns weh, aber wir haben weiterhin ein gutes Verhältnis zur Geschäftsführung", sagt Schmidt. Er hätte gern vor vier Jahren den Businesspark am Elbufer in der Hinterhand gehabt. Trotz der beengten Wedeler Verhältnisse verspricht Medac-Geschäftsführer Heiner Will: "Wir wachsen an allen Standorten." Er räumt aber auch ein, dass an der Theaterstraße in der Nähe zum Wedeler Bahnhof baulich auch in Zukunft nichts mehr möglich ist. Wachstum in Wedel sieht derzeit so aus, dass das Unternehmen hier Räume anmietet. Unter anderem sind Mitarbeiter im Gebäudekomplex des zweiten Wedeler Pharmariesen AstraZeneca untergebracht. Eine Zwischenlösung.

Während AstraZeneca derzeit schwächelt und Mitarbeiter entlässt, verzeichnet Medac einen enormen Wachstumsschub. Das Geheimnis des Erfolgs erklärt Volker Bahr, Assistent der Geschäftsführung, folgender Maßen: "Das hat etwas mit unseren Produkten und Lösungen zu tun, die wir anders angehen als unsere Konkurrenten. Das wird uns vom Markt gedankt. Außerdem haben wir sehr engagierte und qualifizierte Mitarbeiter."

Das 1970 gegründete Unternehmen Medac hat sich auf die Entwicklung onkologischer Präparate spezialisiert und zählt heute zu den Marktführern in Deutschland. Die Palette von Wirksubstanzen gegen Tumorerkrankungen umfasst mehr als 50 Wirkstoffe. Zudem bietet Medac Präparate gegen rheumatische Arthritis und dermatologischen Erkrankungen an.