Kampf um sozial geförderten Wohnungsbau

Schenefelds SPD scheitert mit Antrag auf Neubauverpflichtung. In Wedel steht Entscheidung über 30-Prozent-Klausel noch aus

Schenefeld/Wedel. Die Mietexplosion im Hamburger Speckgürtel trifft besonders Studenten, Auszubildende, Alleinerziehende und Senioren. Damit auch sie sich noch in begehrten Orten wie Schenefeld und Wedel eine Wohnung leisten können, gibt es in den beiden Städten derzeit Versuche, den sozial geförderten Wohnungsbau durch eine Verpflichtung anzukurbeln.

In Schenefeld preschten die Sozialdemokraten mit einem Antrag vor und scheiterten. In der Ratsversammlung fand sich keine Mehrheit für den von der SPD gestellten Antrag. Die Sozialdemokraten wollen einen Grundsatzbeschuss auf den Weg bringen, der bei zukünftigen Neubaugebieten bis zu 30 Prozent der Fläche für geförderten Wohnungsbau vorsieht. Unter anderem hätte die Regelung beim geplanten Neubaugebiet am Kiebitzweg greifen können. Auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal neben dem Schenefelder Stadtzentrum plant Grundstücksbesitzer Max-Dieter Altmann bis zu 90 neue Wohnungen. "Schenefeld ist mit voller Wucht von der Wohnungsnot betroffen. Langsam bekommen sogar Leute im mittleren Einkommensfeld Probleme, hier eine Wohnung zu finden", sagte SPD-Chef Nils Wieruch. Die anderen Ratsfraktionen von CDU, FDP und FS sehen zwar das Problem, wollen sich aber nicht auf eine Grenze festlegen, sondern lieber individuell die Baugebiete betrachten. Sie lehnten daher den Grundsatzbeschluss ab.

In Wedel steht eine Entscheidung über die 30-Prozent-Hürde noch aus. Hier ist es der Seniorenbeirat, der sich für den geförderten Wohnungsbau mit einem entsprechenden Antrag stark macht. So fordert das Gremium bei der Aufstellung von neuen Bebauungsplänen oder dem Verkauf von städtischen Grundstücken und Immobilien rund 30 Prozent oder mindestens zehn Wohnungen für geförderten Wohnraum vorzusehen.

Wedel verfügt derzeit über 695 Sozialwohnungen. Dagegen stehen 633 wohnungssuchende Haushalte, die bei der Stadt registriert sind. "Die Zahlen machen deutlich, wie dringend der Bedarf derjenigen ist, die sich nicht selbst am Wohnungsmarkt versorgen können", argumentiert Sigrun Klug, Vorsitzende des Wedeler Seniorenbeirats.

Die beiden Anträge stehen für Dienstag, 5. Februar, auf der Tagesordnung. Dann tagt der Planungsausschuss der Stadt Wedel im Ratssaal des Rathauses. Beginn der öffentlichen Sitzung ist um 18 Uhr.

Fände sich eine Mehrheit für den Antrag des Seniorenbeirates könnte die neue Regelung im Fall des geplanten Neubauprojekts am Geestrand greifen. Ein Investor plant, auf dem fünf Hektar großen Areal Doppel- und Einfamilienhäuser. Allerdings hatte er den Politikern bereits den Bau von Mehrfamilienhäuser mit preisgebundenem Wohnraum in Aussicht gestellt. In diesem Fall hat aber auch die Kieler Landesplanung noch ein Wort mitzusprechen.