"Frauen sollten Frauen nicht wegen ihres Aussehens angreifen"

FDP-Politikerin Katja Suding schießt nach Fronzek-Kritik zurück

Elmshorn . Das wollte Katja Suding nicht auf sich sitzen lassen. Die Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich in einem Brief an Elmshorns Bürgermeisterin Brigitte Fronzek, SPD, gewendet und fordert von ihr Solidarität ein. "Wir werden Frauen nicht motivieren, mehr politische Verantwortung zu übernehmen, wenn wir als politisch engagierte Frauen andere Frauen aufgrund ihres Aussehens angreifen und diskreditieren", schreibt sie.

Anlass für den Unmut ist eine Äußerung der Elmshorner Verwaltungschefin, die während des 27. Frauenempfangs bemängelte, dass bei Frauen die Schönheit eine größere Rolle im Wahlkampf spiele als der Inhalt. Als Beispiel dafür hatte Fronzek Katja Suding angeführt. Das nahm die Liberale persönlich. "Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass Sie als SPD-Mitglied alle Positionen der FDP teilen und unterstützen. Ich würde mich aber freuen, wenn Sie künftig Kritik an mir fachlich begründen", fordert Suding ein.

"Eine junge hübsche Frau wie Katja Suding zu diskreditieren, liegt mir fern", stellt Fronzek auf Abendblatt-Nachfrage klar. "Ich wollte in meinem Beitrag darauf hinaus, dass die Wahrnehmung von außen bei Frauen eine andere ist. Sie werden anders betrachtet. Ihr Äußeres spielt bei einer Wahl im Vergleich zu den politischen Inhalten eine sehr viel größere Rolle als bei Männern." Das habe sie auch an Suding in einem Antwortbrief geschrieben.

Fronzek hat während ihrer politischen und beruflichen Laufbahn selbst mehrmals Erfahrungen mit diesem Thema gemacht. "Als ich vor 17 Jahren das Amt der Bürgermeisterin antrat, spielte die Länge meiner Röcke die größte Rolle", sagt Fronzek, die sich Ende 2013 aus dem Amt zurückzieht. Auch während ihrer Kandidatur um das SPD-Spitzenamt in Schleswig-Holstein vor zwei Jahren, als Fronzek gegen Torsten Albig und Ralf Stegner ins Rennen zog, machte sie diese Erfahrung. "Wäre ich jung, 1,80 Meter groß und schlank, hätte ich bessere Chancen gehabt", sagt die Rathauschefin. Als Mann hätte ihr Äußeres keine Rolle gespielt, glaubt Fronzek. "Das ist schon bitter."