Pinneberg
Restaurierung

Ford Capri 2,3 S Turbo: Alte Liebe rostet doch

Foto: Rainer Burmeister

Ehemaliger Rennfahrer Gunter Kramer aus Wedel hat seinen 35 Jahre alten Ford Capri Turbo-May nach Korrosionsproblemen wieder fit gemacht.

Wedel. Es gibt Menschen, deren Beziehungen sind wie aus einem Guss: stabil, langlebig und geprägt von Respekt für die Stärken und Schwächen des Partners. Gunter Kramer aus Wedel ist so ein Typ. Seit 1977 hält der sportliche Ruheständler seinem Ford Capri die Treue. Ehrensache, dass so eine Verbindung ihre besonderen Zutaten braucht. So handelt es sich bei Kramer nicht um einen gewöhnlichen Pensionär, sondern um einen Menschen mit diversen Aktivitäten. Der gelernte Schriftsetzer gründete 1996 die "1. Inline-Skating-Schule in Wedel". Auch jetzt ist er noch als Instruktor bei Kursen in seinem Institut tätig sowie seit 1999 als Organisator und Gründer des Wedeler Inline-Cups im Einsatz. Außerdem übt der Wedeler zahlreiche Ehrenämter aus, ist Segler und war Fallschirmspringer.

Kramers Auto ist ebenfalls alles andere als alltäglich: kein Sportcoupé von der Stange, sondern ein Ford Capri Turbo-May. Gleich als Neuwagen wurde dem Capri 1977 beim Stuttgarter Auto-Veredler May eine Spezialkur verpasst. Damit erreicht der 2,3-Liter-Motor per Turbolader satte 180 PS.

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Das Kraftpaket verfehlt nicht seine Wirkung, wenngleich bei der Höchstgeschwindigkeit Grenzen gesetzt sind: "Weil die Bremsanlage nicht für höheres Tempo ausgelegt ist, wird bei 205 Kilometern pro Stunde abgeriegelt", erläutert Kramer. Doch das stört den Eigentümer nicht. Als viel beeindruckender empfindet Kramer die Beschleunigung: "In 7,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde." Das war damals ein absoluter Spitzenwert. Ein Tritt aufs Gaspedal im zweiten Gang sagt mehr als alle Worte: Wie von einer Rakete angeschoben kommt der Ford auf Touren - und der Turbolader faucht sein Lied dazu.

Selbstverständlich lässt Kramer nur dort die 180 Pferdchen traben, wo es zulässig ist. Da ist der Wedeler ganz penibel: Ähnlich wie Formel-1-Pilot Michael Schumacher hält er sich im normalen Stadtverkehr ganz brav an die Tempolimits. "Das ist eigentlich bei allen Rennfahrern der Fall", weiß Kramer aus Erfahrung. Denn der quicklebendige Ford-Fan war zehn Jahre lang im Motorsport aktiv und höchst erfolgreich. Von 1967 bis 1977 heimste er bei Rallyes in Deutschland, Skandinavien und in der Tschechoslowakei bei nationalen und internationalen Rennen 171 Pokale und Medaillen ein. Neun Jahre lang war Gunter Kramer als Fahrer in den Wettbewerben am Steuer, dann fuhr er ein Jahr lang als Beifahrer mit. Ein anspruchsvoller Job, denn der Kopilot hat als Navigator sämtliche Streckendaten parat, und sagt an, mit welchem Tempo und in welchem Gang die Kurven und Schikanen auf dem Rallyekurs genommen werden.

Kramer war für das damalige Hamburger Autohaus Ford Timm im Einsatz. Der Händler stellte ihm die Fahrzeuge. Außerdem startete der Rallye-Spezialist mit eigenen Boliden. Doch vor allem Timms getrimmte Rennversion war der Knaller, weil das Rallye-Fahrzeug mit Kramers privatem Capri technisch weitgehend identisch war. Das hatte auch seine praktischen Vorteile. Als bei einem Wettbewerb die Lichtmaschine streikte, konnte Kramer auf den Generator aus seinem privaten Ford zurückgreifen, den Begleiter am Streckenrand als rollendes Ersatzteillagerlager mitführten.

Besonders stolz ist der Wedeler auf die höchste deutsche Motorsport-Auszeichnung: Für seine Erfolge erhielt Kramer als erste Fahrer das ADAC-Sportabzeichen "Nadel in Gold mit Brillanten".

In brillantem Zustand befindet sich auch sein Turbo-Capri. Doch das war beileibe nicht immer so: Nach 120 000 Kilometern gab der erste Motor den Geist auf. Auch mit Korrosionsproblemen an seinem Ford hatte der Tausendsassa aus Wedel zwischenzeitlich zu kämpfen. Alte Liebe rostet doch.

Trotz allerbester Pflege machte der Rostfraß von innen nach außen große Teile der Karosserie kaputt. 1990 begannen Kramer und sein früherer Rallye-Servicemann Kalle Hildebrandt aus Barmstedt damit, das Auto komplett zu restaurieren. Seitdem kann Rost dem mittlerweile 34 Jahre alten Prachtexemplar mit 186 000 Kilometern auf dem Zähler nichts mehr anhaben. Um allen Missverständnissen vorzubeugen, hat Kramer neben den technischen Daten seines Lieblings auch ein Schild mit dem Hinweis "Unverkäuflich" an die Seitenscheibe geklebt.

Ford Capri 2,3 S Turbo

Besitzer: Gunter Kramer, Wedel

Baujahr: 1977

Hubraum: 2,3 Liter

Leistung: 180 PS

Höchstgeschwindigkeit: 205 Km/h

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