AWO-Schuldnerberatung in Elmshorn stellt Jahresbilanz vor: Kapazitäten der Helfer sind erreicht

Elmshorn. Der Ansturm ist gewaltig: Die Büros der AWO-Schuldnerberatung in Elmshorn sind auch 2010 nahezu überrannt worden. Das geht aus der Jahresbilanz hervor, die vergangene Woche vorgestellt wurde. Insgesamt 4644 Mal wurden die Beraterinnen um Hilfe ersucht - weit mehr als eine Verdoppelung gegenüber den Vorjahren. "Wir können diesen Ansturm nicht mehr bewältigen", sagt Michael Danker, Leiter der Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-Beratung in Elmshorn. "Die Anfragen übertreffen jegliche Kapazitäten, so dass wir auf Basisberatung ausweichen müssen." 3026 Hilfesuchenden wurde durch eine Kurzberatung per Telefon oder E-Mail geholfen. Weitere 1618 Menschen mussten intensiv beraten werden. Davon waren 512 Insolvenzberatungen (plus 6,4 Prozent) und 1106 klassische Schuldnerberatungen (ein Plus von 18,8 Prozent).

Angesichts dieser Situation freute sich Danker besonders, dass die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag, Monika Heinold und Marret Bohn (Sozialausschuss), zu Besuch kamen. Das Ziel der grünen Delegation ist die Stärkung der Schuldner- und Insolvenzberatung. Einen entsprechenden Antrag haben sie im Landtag gestellt. "Die Schuldnerberatungen in Schleswig-Holstein sind insgesamt gut aufgestellt", sagt Heinold. Eine Stärkung der Beratungsstellen mit der Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags sei jedoch wichtig. "Ein Teil der Mehreinnahmen durch Sportwetten in den Landeskassen, müssen in die Präventionsarbeit fließen." Bei ihrer Stippvisite in Elmshorn erfuhren die Politikerinnen, an welchen Ecken es hapert.

Bereits im März waren alle Termine bereits für Mitte des Jahres vergeben. "Zurzeit vergeben wir Termine für Herbst", sagt Danker. Und die Flut an Nachfragen, steigt stetig. Täglich gehen 100 Telefonanrufe in den fünf Büros ein. Jeder fünfte Schuldner kommt mittlerweile mit einem Betreuer. Psychische Probleme der Ratsuchenden nehmen zu, damit auch die Dauer der Beratungen. "Die Schuldner kommen mit hohen Erwartungen und manchmal mit Wäschekörben voller Rechnungen", sagt Danker. Sie reagieren enttäuscht, panisch oder aggressiv auf die schleppende Terminvergabe. Bei gerade einmal 4,6 Beratungskräften für 300 000 Einwohner im Kreis ist eine schnelle Hilfe aber kaum möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass es durch die Einführung eines neuen Kontopfändungsrechts und den sogenannten Pfändungsschutzkonten zusätzlichen Beratungsbedarf gibt. Allein in den ersten sechs Monaten seit der Einführung der Reform am 1. Juli 2010 gab es im Kreis Pinneberg 150 Anfragen zum "P-Konto". "Die Bescheinigungen des Mehrbedarfs dürfen auch von Arbeitgeber, Familienkasse oder Sozialleistungsträgern ausgestellt werden", sagt Danker. "Regelmäßig wird aber auf uns verwiesen, da das Ausstellen zeitaufwendig und rechercheintensiv ist."

Laut Statistischem Bundesamt waren Personen, die von der Schuldnerberatungsstelle betreut wurden, im Durchschnitt mit knapp 37 000 Euro verschuldet - bei einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von monatlich 900 bis 1150 Euro.

Gründe für eine Überschuldung gibt es viele: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Unfälle, Krankheit oder gescheiterte Selbstständigkeit, geringe Gehälter und zu hohe Mieten. Die Altersarmut nehme zu und auch alleinstehende Mütter müssten häufig die Beratung in Anspruch nehmen. Zudem steigt die Zahl von Spiel- und Kaufsüchtigen. Ein Ratenkreditvertrag ist schnell abgeschlossen. Viele verlieren den Überblick über ihre Ausgaben. Zunehmend verschulden sich Jugendliche. Damit es nicht dazu kommt, leisten die Berater Präventionsarbeit an Schulen. "Es kann jeden treffen", sagt Danker. "Das hat mit Unterschicht nichts zu tun."

Die AWO-Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in Elmshorn nimmt an der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung (27. Juni bis 1. Juli) teil. Freitag, 1. Juli, ist von 12 bis 14 Uhr eine Schuldenhotline 04121/89 79 39 eingerichtet.

www.aktionswoche-schuldnerberatung.de