Pinneberg
Ausflugstipp: So schön ist Ihre Heimat

Radeln zwischen Störchen und Schafen

Foto: Martin Jäschke

Die Tour von Lauenburg nach Hitzacker - Erholung für Körper und Seele: Die Elbtalaue bietet Fitness und Natur zum Anfassen. Das Abendblatt war dort für Sie unterwegs.

Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad", sagte einmal Adam Opel. Auch wenn es inzwischen vielleicht nützlichere Fortbewegungsmittel entlang der Elbe zwischen Lauenburg und Hitzacker gibt, so ist das Rad sicher heute noch eines der angenehmsten.

Schon in der Schifferstadt Lauenburg lässt sich der Tag entspannt beginnen, am besten bei einem Besuch des alten Schlosses, von dem aus sich ein herrlicher Blick über die langgezogene Stadt bietet. Bis spätestens 10.30 Uhr sollte die Radtour aber begonnen haben, sonst wird es eng mit den rund 60 Kilometern bis Hitzacker.

Richtig Luft holen - das geht entlang des Elberadwegs schon auf der ersten Etappe zwischen Lauenburg und Bleckede. Sind die ersten wenigen Straßenkilometer durch Hohnstorf geschafft, geht es sofort an den Deich. Wer hier aber nicht gleich Teile dr Natur wegatmen möchte, sollte vorsichtig Luft holen: Ein Schwarm winziger Mücken folgt hier dem nächsten. Die Tiere lassen sich nach dem Anhalten aber bequem vom T-Shirt schütteln. Und im Grunde ist das der ländlichen Idylle eher zuträglich.

Einziger Nachteil: Die Elbe zeigt sich den Radfahrern hier nur selten, da der Weg meist hinter dem Deich entlang führt. Dafür grasen hier Schafherden, und rechter Hand ziehen wunderschöne Landhäuser mit kreativ gestalteten Gärten vorbei. Und wer zwischendurch mit ein paar Schritten den Deich erklimmt, vor dessen Auge erstreckt sich die weite Elbmarsch.

In gleichermaßen liebevoll wie praktisch eingerichteten Gartencafés gibt es die Chance für ein zweites Frühstück. Der Eindruck, dass Anwohner hier einfach ein paar Plastikmöbel in ihren Garten gestellt und eine Leuchtreklame an ihr Haus gehängt haben, ist irgendwie sympathisch.

In einer Kurve auf dem Deich, in der sich ein weiter Blick über die Elbe bietet, stehen Kirstin Korbin (37) und ihre Tochter Jennifer (13) und knipsen ein Erinnerungsfoto. Die beiden Dresdnerinnen haben in sieben Tagen schon satte 581 Kilometer auf dem Elberadweg zurückgelegt, verrät ihr Fahrradtacho. Sie wollen bis nach Hamburg. "650 Kilometer - es ist das erste Mal, dass wir so was Verrücktes machen", lacht Korbin. "Aber es macht Spaß!" Sie warnen vor gemeinen Steigungen auf der südlichen Elbseite bei Hitzacker. Zum Glück gibt es auch nördlich der Elbe eine Route, eine flachere.

Nächste Station: Bleckede. Wer es idyllisch mag, der isst direkt am Radweg eine Kleinigkeit im Café Fritz im ruhigen, sonnigen Hof des Elbschlosses. Wer eine größere Auswahl auf der Mittagskarte braucht, sollte sich aber im Ort ein Restaurant suchen. Das Elbschloss, dessen Turm und Gräben noch aus dem 13. Jahrhundert erhalten sind, ist sehenswert: Heute dient es als modernes Informationszentrum für das Biosphärenreservat "Niedersächsische Elbtalaue". Auf über 1000 Quadratmetern wird hier die Natur und Landschaft der Region vermittelt, etwa mit Experimenten oder einem großen Aquarium mit typischen Elbfischen.

Mit der Fähre geht es auf die andere Elbseite, auch für Detlef Kappes aus Freiburg und Georg Schütz aus Saarbrücken. Die beiden Jugendfreunde sind weit gereist, zunächst mit der Bahn bis Lüneburg. Jetzt geht es über den Elberadweg bis nach Hitzacker und dann hoch in den Norden, bis nach Rostock. "Da treffen wir dann unsere Frauen wieder - hoffentlich", lacht Georg Schütz. "Wir machen jedes Jahr so eine Tour, seit 17 Jahren." Wien, Berlin, Verona - Georg Schütz und Detlef Kappes haben schon viel erlebt. "Solange es geht" wollen die Kumpels weitermachen.

Auf der Nordroute stehen Radfahrer vor der Wahl: Rauf auf den Deich oder nicht? Achtung: Die Frage, ob nun oben oder unten weniger Gegenwind herrscht, birgt Potenzial für Meinungsverschiedenheiten.

Entlang an malerischen, verträumten Ortschaften, wie Stiepelse, Viehle und Konau, führt der Weg nach Darchau. Zahlreiche Störche begleiten die Radler - sie sind erstaunlich zutraulich. Hin und wieder drängt sich ein leichter Eindruck von Einöde auf, doch der Blick über die Elbtalaue mit Marschlandschaft und Vogelschwärmen versöhnt sofort. Wenn nur der Gegenwind nicht wäre.

Spätestens jetzt braucht so mancher Körper Koffein, daher: Kaffeepause in Darchau. Direkt am Radweg liegt das familiäre Café Zur Elbe mit einer gemütlichen kleinen Terrasse. Detlef und Georg, die Radwanderer aus dem Süden, sind auch schon da und trinken Hefeweizen. Alkoholfrei angeblich.

Auf der letzten, 18 Kilometer langen Etappe bis nach Bitter freuen sich die müden Beine dann aber nach getaner Arbeit doch auf die Elbfähre nach Hitzacker. Nach einer heißen Dusche lohnt aber noch ein Spaziergang in der Abendsonne durch das beschauliche und romantische Hitzacker.

Nach einer Nacht tiefen regenerativen Schlafes in der empfehlenswerten Pension "Schiller" geht es am nächsten Morgen auf den Weinberg. Von dort bietet sich ein tolles Panorama über die Elbe und über die Dächer Hitzackers.

Ein weißes, offenes Zelt mit festlicher, weißer Blumendekoration ist dort aufgebaut. Hier findet gleich eine Trauung statt. Standesbeamtin Andrea Seliger hat schon alles vorbereitet und wartet auf das Brautpaar. "Sie können gerne zusehen. Wegschicken kann ich Sie hier nicht", lacht sie. Drei bis viermal im Jahr geben sich Verlobte über den Dächern Hitzackers das Ja-Wort in der Öffentlichkeit - aber immer mit Zelt. "Eine Trauung unter freiem Himmel ist wegen der Beurkundung nicht erlaubt", erklärt Seliger, die auch einst Eva Hermann vermählte.

"Das Gefühl dort oben zu heiraten war wunderschön", sagt Kirstin Dau, die glückliche Braut. Sie und ihr Mann Norbert haben sich in ihrer Schulzeit im Wendland kennen gelernt. "Da haben wir was Besonderes in der Nähe gesucht."

Etwas Besonderes in der Nähe - das ist auch der Elberadweg zwischen Lauenburg und Hitzacker. Denn zu sehen gibt es viel.

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