Pinneberg
Helgoland

Ernüchterung nach der Wahl

Foto: Jörg Singer/Privat / Jörg Singer/Privat/Jörg Singer

Jörg Singer ist neuer Bürgermeister auf Helgoland. Knapper Sieg gegen Felicitas Weck, Kandidatin der Linken

Helgoland. Ausgelassene Freude klingt anders. "Ich hätte schon erwartet, dass das Ergebnis für mich etwas deutlicher ausfällt", äußerte sich Jörg Singer enttäuscht am Tag nach seinem knappen Sieg bei der Stichwahl im Kampf um den Helgoländer Bürgermeistersessel. "Aber der Sonntag ist ja bekanntlich der Tag der guten Krimis." In der Tat. Mit nur 42 Stimmen Vorsprung gegenüber seiner Kontrahentin Felicitas Weck machte Singer knapp das Rennen mit 52,3 Prozent der Stimmen.

"Ich denke, ich habe anständig verloren", sagte Felicitas Weck, die in einer rasanten dreiwöchigen Aufholjagd nach der ursprünglichen Wahl am 5. September ihren Stimmenanteil von 291 auf 439 ausbauen konnte - und das bei fast gleich hoher Wahlbeteiligung. "Auf dem Oberland bin ich die Bürgermeisterin", schmunzelte Weck. In diesem Wahllokal ließ sie Singer mit 227 zu 212 Stimmen sogar hinter sich. Das Unterland hingegen blieb "Singer-Land", hier siegte der auf der Insel aufgewachsene Unternehmensberater mit 270 zu 213 Stimmen.

Ein spannendes Rennen und ein spannender Ausgang der Wahl - leider zeige sich, so Felicitas Weck, "dass die Insel gespalten ist". Mit Jörg Singer habe die Alternative "weiter so wie gehabt" zu Wahl gestanden, nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die vier Ratsfraktionen SPD, CDU, FDP und der Wählergemeinschaft IHM.

Auch Jörg Singer hat erkannt, dass ihm die zumindest auf dem Papier gegebene Unterstützung fast der gesamten Rathauspolitik wenig genutzt hat. So machte er in den drei Wochen zwischen Wahl und Stichwahl lediglich 34 Stimmen gut - Felicitas Weck immerhin 148. "Es war Jörg Singers Sieg", sagte der amtierende Bürgermeister Frank Botter (SPD). "Und der hätte höher ausfallen müssen, wenn die nötige Unterstützung da gewesen wäre."

Doch möglicherweise war es gerade auch die Unterstützung der Politik, die vielen Wählern suspekt war. Geht man davon aus, dass einige Helgoländer lediglich eine "linke" Bürgermeisterin verhindern wollten und Singer trotz "Bauchschmerzen" die Stimme gaben, wird es zuallerletzt an den etablierten Parteien gelegen haben.

"Die da oben machen doch, was sie wollen", war aus vielen Ecken der Insel zu hören. Für eine transparentere Politik im Rathaus hatten alle Kandidaten geworben - offenbar nahmen es mehr Insulaner als erwartet jenen Bürgermeister-Kandidaten ab, die nicht die Unterstützung der vier Fraktionen hatten.

Jörg Singer versucht jetzt, möglichst viel Positives aus der Wahl mitzunehmen. "Ich möchte, dass die Leidenschaft der Bürger bleibt und sich bei den vielen anstehenden Projekten fortsetzt", sagte er mit Blick auf die hohe Wahlbeteiligung von 73,2 Prozent. Rathaus und die Fraktionen müssten ihre Lehren aus der Wahl ziehen, er werde jedenfalls niemanden "links liegen lassen", sagte er bedeutungsvoll.

Singer wird bis zu seinem Amtsantritt am 1. Januar 2011 von Frank Botter, so weit möglich, schon in Verhandlungen und Weichenstellungen für die Zukunft der Insel eingebunden. Seinen Wohnsitz wird er am 1. November nach Helgoland verlagern. Felicitas Weck geht wieder zurück nach Berlin, wo sie als Kommunalexpertin der Bundestagsfraktion der Linken zuarbeitet. "Ich bleibe der Insel treu", sagte sie, "wenn auch aus der Entfernung."