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Elmshorn

Katzenbaby-Boom im Elmshorner Tierheim

Foto: Arne Kolarczyk

Viele Menschen können es sich wegen der Wirtschaftskrise nicht mehr leisten, die hungrigen Mäuler zu füttern

Elmshorn. Eine richtige Rasselbande beherrscht zurzeit das Tierheim Elmshorn: 43 putzmuntere Katzenwelpen tapsen auf leisen Pforten durch die Einrichtung. Was süß anzuschauen ist, wird allerdings für Tierheimleiterin Anke Darius zum Problem: "Wir sind mitten in den Sommerferien, die Tiere sind momentan nicht vermittelbar."

Von 113 Katzen, die aktuell im Tierheim an der Justus-Von-Liebig-Straße ein Zuhause auf Zeit gefunden haben, sind 43 Welpen. "Es hat im vorigen Jahr angefangen, dass wir immer mehr zahme Mutterkatzen gleich nach der Geburt bekommen haben", erläutert Brigitte Maeder, die Vorsitzende des Elmshorner Tierschutzvereins. Für den Trägerverein der Einrichtung stellen die "Familien-Einquartierungen" ein Problem dar. "Mutter und Kinder bleiben erst einmal zwölf Wochen zusammen, erst dann können wir die Welpen vermitteln", sagt Anke Darius. Aktuell sind alle sieben Zimmer des neuen, erst 2009 eingeweihten "Mutter-Kind-Hauses" für Katzen belegt. "Wir haben inzwischen Tiere in der Krankenstation unterbringen müssen", berichtet Maeder. Teilweise müssen die Welpen auch ohne Mutter aufgezogen werden - unter hohem Aufwand für die Tierpfleger. Sie müssen die kleinen Stubentiger mit nach Hause nehmen, weil sie nachts gefüttert werden müssen.

Maeder macht die Wirtschaftskrise für die Geburtenzunahme verantwortlich. "Viele Menschen können es sich nicht mehr leisten, ihre Katze kastrieren zu lassen", sagt die Vereinsvorsitzende. Wenn dann plötzlich das Haus oder die Wohnung voller Katzenwelpen ist, werden Mutter und Nachwuchs einfach auf die Straße gesetzt - oder ins Tierheim gebracht. "Wir erleben es ganz oft, dass Leute vor uns stehen und sagen, sie hätten das Tier gefunden. Wir aber sehen, wie viel Vertrauen das Tier zu den Menschen hat und wissen, dass der Halter vor uns steht." Doch beweisen lässt sich dies nur in den wenigsten Fällen. Und so erreichen die "Tierfreunde" ihr Ziel: Der unerwünschte Hausgenosse landet im Tierheim.

Katzenwelpen werden vom Tierheim übrigens nur zu zweit abgegeben, damit sie soziale Kontakte zur eigenen Spezies haben. Eine Alleinabgabe ist nur dann möglich, wenn der neue Besitzer bereits eine Katze im Haushalt hat. "Und wir geben keine Welpen an Leute ab, die direkt an der Hauptstraße wohnen, da in diesem Fall die Lebenserwatung der Tiere sehr gering ist", erläutern Darius und Maeder. Im Normalfall ist die Vermittlung von Katzenwelpen eher unproblematisch. "Viele Leute wünschen sich ein ganz junges Kätzchen", weiß Darius zu berichten.

Für die kleinen Stubentiger, die jetzt im fraglichen Alter sind, interessiert sich wegen der Ferien niemand. "An den letzten Besuchertagen war kein Interessent für das Katzenhaus da", berichtet Darius. Wenn die Vermittlung wieder anlaufe, seien diese Tiere wiederum zu alt. "Dann haben wir jüngere Welpen, die zuerst gefragt sind."

Bei den Hunden ist die Situation in diesem Sommer nicht ganz so problematisch. 24 Tiere sind zurzeit Gast an der Justus-Von-Liebig-Straße. "Wir haben in diesem Bereich trotz der Ferien sehr gut vermittelt", berichtet Maeder. Nach ihrer Einschätzung haben einige Familien in diesem Jahr auf den Sommerurlaub verzichtet und sich - quasi als Ersatz - ein neues Haustier zugelegt.

Problematisch sei nach wie vor, dass es zumeist alte und kranke Hunde sind, die ausgesetzt oder direkt ins Tierheim abgeschoben werden. "Die sind nur schwer zu vermitteln und müssen sehr häufig zum Tierarzt".

Aufgrund der hohen Kosten für ärztliche Behandlungen schloss die Jahresbilanz 2009 des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung mit einem Minus von 60 000 Euro. "Wir haben eine größere Erbschaft bekommen, die das ausgleicht", berichtet Maeder. Diese musste nach Bilanzrecht anders verbucht werden, sodass ein Minus ausgewiesen ist.

In der Einrichtung wohnen zurzeit auch 40 Kleintiere wie etwa Kaninchen, Chinchillas, Farbratten oder Farbmäusen. Auch 20 Wildtiere werden aufgepäppelt, zumeist Jungvögel. Viele sind beim Unwetter am 12. Juli aus dem Nest gefallen. Sie werden nun großgezogen und später ausgewildert.